Stand: 11.02.2016 20:05 Uhr

Hat Secura Protect das Land betrogen?

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Wachleute von Secura Nord waren in acht Erstaufnahmestellen eingesetzt.

Der Sicherheitsdienst Secura Protect Nord soll das Land um Geld betrogen haben. Das haben Recherchen des Schleswig-Holstein Magazins am Donnerstag ergeben. Die Firma war für acht Flüchtlingsunterkünfte im Land verantwortlich. Secura Protect soll dem Land pro Schicht ungefähr 15 Mitarbeiter in Rechnung gestellt haben, obwohl nur sieben bis zehn Wachleute im Einsatz waren. Das Landesamt für Ausländerangelegenheiten hatte der Firma am Montag fristlos gekündigt.

Innenministerium: "Die Vorkommnisse sind gravierend"

Von der Firmenleitung hieß es dazu in einer Pressemitteilung, das Land habe Secura Protect aus wichtigem Grund gekündigt, allerdings ohne eine Begründung. Die Firma bedaure diese plötzliche Entscheidung, respektiere aber den Wunsch nach einer Neuausrichtung. Die Landesregierung hatte die fristlose Kündigung des Sicherheitsdienstes am Mittwoch im Innen- und Rechtsausschuss verteidigt. "Die Vorkommnisse in ihrer Summe sind gravierend", sagte Staatssekretärin Manuela Söller-Winkler (SPD).

Secura- Personal arbeitet jetzt für andere Firma

Die Staatssekretärin gab sich vor dem Ausschuss des Landtags zugeknöpft. In öffentlicher Sitzung könne sie sich nicht zu Details der Vorwürfe äußern. "Es gibt auch strafrechtliche Vorwürfe. Die Ermittlungen laufen entsprechend", sagte Söller-Winkler. "Für mich ist wichtig festzustellen, dass sich die Vorkommnisse, die zur Kündigung geführt haben, in keiner Weise gegen die Flüchtlinge gerichtet haben." Secura Protect Nord war für acht Unterkünfte verantwortlich: Neumünster/Haart, Neumünster/Stör, Seeth, Salzau, Rendsburg, Boostedt, Eggebek und Itzehoe. Andere Dienstleister und die Polizei sollen nun die Sicherheit gewährleisten. Die Firma Sicherheit Nord hat nach Informationen des NDR inzwischen 80 Prozent des Wachpersonals von Secura Protect übernommen.

Sicherheitsdienst mit vorbestraften Mitarbeitern

Bereits im Herbst vergangenen Jahres hatte es Vorwürfe gegen das Unternehmen gegeben: Nach Recherchen von Panorama 3 hatte Secura Protect Nord seinen Angestellten weniger als die laut Vergabegesetz vorgeschriebenen 9,18 Euro pro Stunde gezahlt. Anfang November war bekannt geworden, dass der private Sicherheitsdienst auch straffällig gewordene Mitarbeiter in Erstaufnahmen für Flüchtlinge in Schleswig-Holstein eingesetzt hatte. Laut Innenministerium wurden rund 300 Beschäftigte der Firma durch das Landeskriminalamt überprüft. Dabei wurden 65 Personen identifiziert, deren Beschäftigung in den Erstaufnahmen des Landes untersagt wurde. Der Bundesverband der Sicherheitswirtschaft, in dem Secura Protect Nord Mitglied ist, prüft deshalb aktuell, dem Unternehmen die Mitgliedschaft zu entziehen. Die damaligen Erkenntnisse stünden jedoch nicht in Zusammenhang mit der jetzt erfolgten Kündigung, sagte Staatssekretärin Söller-Winkler.

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Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Magazin | 11.02.2016 | 19:30 Uhr