Stand: 07.03.2016 16:59 Uhr

Neue G8-Debatte: Abi-Jahrgang fällt kleiner aus

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Deutlich weniger Ansturm auf die Abiturprüfungen: Der aktuelle Jahrgang fällt nicht doppelt so groß aus wie 2015.

Der doppelte Abiturjahrgang in diesem Jahr fällt deutlich kleiner aus als gedacht: Die Zahl der Schüler, die an den G8-Gymnasien ihr Abitur machen, ist im Vergleich zu den ursprünglichen Prognosen deutlich gesunken. 11.200 Schüler wechselten im Sommer 2008 an die neuen G8-Gymnasien, um das Abitur nach acht Jahren zu machen. Aber nur 6.400 von ihnen dürften im Sommer wirklich mit dem Abschluss dastehen, sagte ein Sprecher des Bildungsministeriums und bestätigte einen Bericht der "Kieler Nachrichten". Der Anteil liegt damit bei etwa 57 Prozent.

Ministerium: holpriger Start

Unter den Parteien im Landeshaus sorgen die neuen Zahlen für Diskussionen. Der Ministeriumssprecher erklärte, beim Abitur nach acht Jahren habe es einen holprigen Start gegeben. Viele Schulen hätten sich in der Startphase mehr Unterstützung gewünscht. Mittlerweile nähere sich, so die Prognose, die Ausfallquote aber dem alten G9-Durchschnitt an, so der Sprecher. Den neunjährigen Weg brechen etwa 30 Prozent der Schüler ab oder müssen eine Klasse wiederholen.

CDU: falsche Politik, zu wenig Personal

"Allein mit Startschwierigkeiten der Schulen ist diese hohe Quote nicht zu erklären", sagte die bildungspolitische Sprecherin der CDU, Heike Franzen. Sie forderte Bildungsministerin Britta Ernst (SPD) auf, für bessere Rahmenbedingungen zu sorgen. Franzen kritisierte unter anderem, dass die Koalition von SPD, Grünen und SSW die Empfehlung für die verschiedenen Schularten gestrichen habe. Außerdem reiche das Personal an den Gymnasien in Schleswig-Holstein nicht aus. Franzen warf der Landesregierung vor, sie wolle die Gymnasien scheitern lassen, um eine Einheitsschule durchzusetzen.

Koalition sieht G8 auf einem guten Weg

SPD, Grüne und SSW erklärten dagegen, es sei die richtige Entscheidung gewesen, in Schleswig-Holstein drei Wege zum Abitur anzubieten: an den Gymnasien, den Gemeinschaftsschulen und den beruflichen Gymnasien. "Die Umstellung ist in Schleswig-Holstein nicht optimal gelungen, inzwischen haben sich die Gymnasien aber konzeptionell auf G8 eingestellt", sagte der SPD-Bildungsexperte Martin Habersaat. Die bildungspolitische Sprecherin der Grünen, Anke Erdmann, erklärte, beim Umstieg sei der Frage keine Beachtung geschenkt worden, inwieweit Schülerinnen und Schüler entlastet werden müssten. Inzwischen laufe es aber an den meisten Schulen rund.

In diesem Jahr rechnet das Bildungsministerium damit, dass 8.200 G9- und 6.400 G8-Abiturienten ihren Abschluss machen werden. Nach Angaben der SPD ist der Abiturjahrgang damit nicht doppelt so groß wie im vergangenen Jahr, sondern in etwa anderthalbmal so groß.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 07.03.2016 | 12:00 Uhr