Stand: 04.03.2016 17:00 Uhr

Mossad im Matsch: Feuerwehr hilft Israelis

von Patrik Baab, Eike Lüthje, Stefan Eilts

Eigentlich sollten sie die Überführung eines neuen U-Bootes von Land aus absichern. Doch dabei fuhren sich zwei bewaffnete israelische Agenten im Dezember im Matsch am Ufer des Nord-Ostsee-Kanals fest. Die Polizei und die Freiwillige Feuerwehr Quarnbek halfen den Männern aus der Patsche. Nun will sich der Bürgermeister die Einsatzkosten von der israelischen Botschaft erstatten lassen.

Ältere Dame wird stutzig

"Betreten verboten" steht auf einem Schild. Ein Zaun umschließt die Uferfläche am Nord-Ostsee-Kanal bei Quarnbek. Zwei Männer öffnen im Dezember, eine Woche vor Weihnachten, trotzdem das Tor und fahren auf das Gelände direkt am Wasser. Nur wenige Meter später bleiben sie mit ihrem Ford Focus aber im Morast stecken. Sie versuchen Hilfe zu holen. Eine ältere Anwohnerin wird auf die beiden aufmerksam, erzählt Quarnbeks Bürgermeister Klaus Langer: "Die Dame ist nicht auf den Mund gefallen und hat sich erkundigt, was denn da los sei. Und da haben die beiden behauptet: Sie seien hier, um das Gelände zu erkunden. Im Sommer solle hier nämlich ein Segelwettbewerb stattfinden."

Eine Segel-Regatta als Legende

Eine Segel-Regatta auf dem schmalen Nord-Ostsee-Kanal? Diese Geschichte kommt der Frau merkwürdig vor. Sie informiert den Bürgermeister – und der ruft die Polizei. Als die Beamten auf der Suche nach "verdächtigen Personen" am Ufer eintreffen, kommen ihnen die beiden Männer bereits entgegen und geben ihnen offenbar zu verstehen, dass sie israelische Agenten sind.

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Mission endet im Matsch

Bei einer U-Boot-Überführung lösten zwei israelische Agenten am Nord-Ostsee-Kanal einen Feuerwehreinsatz aus. Quarnbeks Bürgermeister hat nun eine Rechnung an die israelische Botschaft geschickt. Bildergalerie

NDR 1 Welle Nord und Schleswig-Holstein Magazin konnten den Polizeibericht einsehen. Darin heißt es: "Auf Frage erklärten beide sofort auf Englisch, dass sie den Status von israelischen Diplomaten hätten und beide Waffen führten. Entsprechende Pässe und Erlaubnisse wurden vorgelegt."

U-Boot-Verkauf als Hintergrund des Einsatzes

Hintergrund des Einsatzes war dem Polizeibericht zufolge eine U-Boot-Überführung: Die Kieler Werft "Thyssen Krupp Marine-Systems" hatte für die israelische Regierung ein Unterseeboot gebaut, das nun auf dem Weg in seine neue Heimat war. Die beiden Israelis sollten die Überführung durch den Nord-Ostsee-Kanal offenbar von Land aus absichern.

Dass israelische Agenten das Boot begleiten würden, war den Beamten vorab bekannt, sagt Rainer Wetzel von der Polizei Neumünster. Sogar eine Namensliste lag vor: "Die beiden Männer haben auch gleich klargemacht, dass sie Schusswaffenträger sind und hatten auch die entsprechenden Berechtigungen dabei, die dann von uns überprüft werden konnten."

Traktor zieht Wagen aus dem Schlamm

Alles in Ordnung also aus Polizei-Sicht. Anders sieht es Quarnbeks Bürgermeister. Die Menschen in seiner Gemeinde seien beunruhigt, so Langer: "Die Anwohner fragen sich natürlich, wie es sein kann, dass hier junge Männer offenbar im Rahmen geheimdienstlicher Tätigkeit mit Feuerwaffen rumlaufen dürfen." Auf Fragen zu den Rechtsgrundlagen des israelischen Einsatzes antwortete das Berliner Innenministerium: Der Vorgang sei dort nicht bekannt.

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Florian Molt von der Freiwilligen Feuerwehr half den Israelis am Nord-Ostsee-Kanal aus dem Matsch.

Vor Ort im Morast des Kanal-Ufers standen derweil ganz praktische Fragen im Vordergrund: Die Polizei rief die Freiwillige Feuerwehr Quarnbek herbei, um das Auto der Israelis aus dem Matsch zu befreien. Der erste, völkerübergreifende Versuch, das Auto per Hand aus dem Schlamm zu schieben, misslang, erinnert sich Feuerwehrmann Florian Molt. Ein kleiner Gabelstapler kam hinzu und fuhr sich ebenfalls fest: "Wir haben dann einen örtlichen Landwirt eben mit der Bergung beauftragt. Der kam mit seinem Traktor hierher und hat dann mit einem Seil das Fahrzeug aus dem Morast gezogen."

Einsatzkosten: Wer zahlt die Zeche?

Als der Einsatz beendet war, ging alles ganz schnell. Im Polizeibericht hält der Beamte fest: "Der 'Mossad' bedankte sich mit einem feuchten Händedruck und setzte seinen Weg fort." Was bleibt, sind die Kosten für den Feuerwehr- und Traktoreinsatz. Die Rechnung über 1.263,01 Euro hat der Quarnbeker Bürgermeister nun an die israelische Botschaft in Berlin geschickt. Eine Antwort steht bislang aus. Auch auf NDR-Anfrage äußerte sich die Botschaft bislang nicht.

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Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Magazin | 04.03.2016 | 19:30 Uhr