Stand: 17.10.2016 11:40 Uhr

Modellprojekt: Föhr sagt Nein zu Plastik

von Janine Kühl, NDR.de

Plastikmüll in den Meeren ist ein Riesenproblem. Und es wird täglich größer: Mehrere Millionen Tonnen Kunststoff schwimmen bereits in den Weltmeeren. Die Initiative "Plastikfrei wird Trend" hat unter Federführung des BUND auf der Insel Föhr und auf Hallig Hooge ein Projekt gestartet: Das Leben auf den Inseln soll möglichst plastikfrei werden. Die Umweltlotterie Bingo! unterstützt das Vorhaben mit 60.000 Euro.

Strandmüllboxen für angeschwemmten Plastikmüll

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Acht Strandmüllboxen regen am Strand von Föhr zum Sammeln von angetriebenem Plastik an.

Natürlich kann nicht von heute auf morgen alles ohne Plastik funktionieren. Projektmitarbeiter Frank Timrott und seine Mitstreiter möchten vor allem "ein Bewusstsein für das Problem schaffen". Zum Beispiel mit den acht Strandmüllboxen, die an den Stränden aufgestellt wurden. Hier können Besucher Plastikmüll, den sie am Strand gefunden haben, entsorgen. Der plastikfreie Montag lädt dazu ein, einmal in der Woche bewusster mit dem Thema umzugehen.

In Zukunft Souvenirs ohne Plastik

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Dieses Geschäft auf Föhr beteiligt sich an der Aktion und verkauft nur Waren ohne Plastikverpackung.

Zur praktischen Umsetzung des Projekts konnte die Initiative zahlreiche Partner gewinnen. Dazu gehören die Wyker Dampfschiffs-Reederei, Einzelhändler, aber auch ein Fischer. Allerdings weiß Timrott: "Für Kaufleute muss es sich rentieren." Auch die Föhr Tourismus GmbH will einen Beitrag leisten. Nach dem Abverkauf der im Handel befindlichen Artikel will sie nur noch plastikfreie Souvenirs anbieten. Bis 2017 soll zunächst auf Föhr, später auch auf Hooge eine plastikarme Ferienwohnung eröffnen.

Plastikarm einkaufen auf Hallig Hooge

Neben Föhr beteiligt sich auch die Hallig Hooge an dem Projekt. Der Hallig-Kaufmann Ove Lück stellt um. "Wenn wir die Wahl haben, entscheiden wir uns für plastikfreie Produkte", erklärt Lück. (Fast) ausschließlich Glasflaschen, keine Plastiktüten, plastikarme Verpackungen - der Einzelhändler aus Niebüll will vor allem versuchen, seine Mitarbeiter und Kunden zu sensibilisieren. "Was an Plastik ersetzbar ist, versuchen wir zu vermeiden. Aber ich muss auch meinem Auftrag gerecht werden, die Versorgung der Bevölkerung zu gewährleisten", gibt Lück zu bedenken.

Beim Hallig-Kaufmann legen die Kunden das Obst unverpackt in den Einkaufswagen, Sichtfensterbeutel für Brot wurden abgeschafft, Chips in plastikfreieren Tüten angeboten. Gern würde Lück Müsli in Fallrohren zum Abfüllen in eigene Behältnisse anbieten. Doch durch das Desinfizieren der Rohre würde das Müsli zusätzlich belastet, zudem bestünde das Problem, dass sich Schädlinge leichter verbreiteten. Es ist ein Balanceakt zwischen dem, was möglich und rentabel ist, den Ansprüchen der Kunden und dem Lebensmittelrecht, das zum Teil wenig Spielraum lässt. Kaufmann Lück versucht, mit Augenmaß zu handeln.

Strandreinigungsaktionen und Vorträge

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Plastikmüll ist eine starke Bedrohung für alle Meeresbewohner. Auch wir Menschen nehmen über die Nahrungskette Plastikpartikel auf.

Immer wieder laden die Aktivisten zum Mitmachen ein. Zu den regelmäßigen Strandreinigungsaktionen sind Einheimische wie Gäste eingeladen. Die Menge des gesammelten Mülls führt die Notwendigkeit des Handelns vor Augen: Bei einer Aktion sammelten die Beteiligten auf einem einen Kilometer langen Strandabschnitt ganze 26 Müllsäcke voller Müll - zumeist aus Plastik. Zudem veranstaltet der BUND Vorträge und organisiert Ausstellungen.

Fischer will tödliche Scheuerfäden ersetzen

Auch in der Fischerei besteht Handlungsbedarf: Dolly Ropes - was so niedlich klingt, kann für Seevögel und Fische lebensgefährlich sein. Die Scheuerfäden an den Fischernetzen bestehen aus Kunststoff, der durch Abnutzung oder Abreißen in den Meeren landet. Als Plastikknäuel landen diese Dolly Ropes an den Stränden und werden versehentlich von Vögeln gefressen - ein oft tödlicher Irrtum.

Der Wyker Krabbenfischer Henning Dulz ist selbst auf Scheuerfäden angewiesen, die seine Netze schützen. Aber die sollen in Zukunft aus alternativen natürlichen Materialien bestehen. Dazu will er sich im Rahmen des Projekts mit Fischern in den Niederlanden und Großbritannien austauschen, die an einer Lösung des Problems arbeiten.

Initiative hofft auf weitere Finanzierung

Die Resonanz auf das Projekt, das seit Anfang 2016 läuft, ist überwiegend positiv. Deswegen wird der BUND erneut Fördergelder bei der Umweltlotterie beantragen. "Die Förderung sollte längerfristig sein. Denn das dauert alles", weiß Timrott. "Erste kleine Schritte " seien gemacht. Wenn das Projekt auf den Inseln Erfolg hat, soll es auch auf andere Regionen ausgeweitet werden.

Aktiv gegen Plastikmüll im Meer

Zahlreiche Umweltorganisationen engagieren sich gegen die Verschmutzung der Meere durch Plastikmüll. Eine Auswahl norddeutscher Gruppen, die Projekte und Aktionen zur Vermeidung und Sammlung von Plastikmüll betreiben:
NABU
BUND
Plastikfrei wird Trend
Küste gegen Plastik

Weitere Informationen
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Dieses Thema im Programm:

NDR Info | 17.10.2016 | 09:50 Uhr

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