Stand: 31.10.2015 19:06 Uhr

Mit freiem Kopf steil nach oben klettern

Es sind 14 Meter, die es in sich haben: 48 Sportler versuchen sich an diesem Sonnabend in Lübeck an einer zum Teil überhängenden Steilwand. Ihr Ehrgeiz: Die Norddeutsche Meisterschaft im Klettern gewinnen. Auch Eliza Schöler aus Lübeck nimmt den Aufstieg über die kleinen bunten Halte- und Griffsteine in Angriff. Die 20-Jährige hat sich für das Finale qualifiziert. "Es ist meine erste Meisterschaft und ich bin stolz, überhaupt dabei zu sein", sagt die Lübeckerin zu Beginn. Ihr geht es vor allem darum, Erfahrungen zu sammeln. Erst vor vier Jahren startete sie mit ihrem neuen Hobby.

"Cliffhanger" in Lübeck

Klettern hilft gegen Stress

Klettern wird offensichtlich auch im Norden immer beliebter. "Dieser Sport kombiniert körperliche und geistige Fitness, auch der soziale Aspekt kommt nicht kurz", erklärt Barbara Ernst vom Deutschen Alpenverein Nord. Geklettert wird im Team. Der Partner am Boden sichert und gibt Tipps für die Route. "Vertrauen spielt eine wichtige Rolle," sagt Ernst. Nicht jeder fühle sich wohl dabei, seine Gesundheit in die Hände des sichernden Kletterpartners zu legen. "Vielen Menschen hilft der Sport, nach einem stressigen Arbeitstag abzuschalten. In zahlreichen Städten entstehen gerade neue Kletterhallen", berichtet Ernst.

"Alles muss automatisch laufen"

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Vertrauen spielt beim Klettern eine große Rolle, schließlich sorgt der Partner am Boden für die Sicherung.

Der Wettkampf in Lübeck ist die erste offizielle Meisterschaft überhaupt in Schleswig-Holstein. Vor dem Finale dürfen sich die Sportler die Routen noch einmal ganz genau anschauen. "Dann können wir uns überlegen, wie die Route am einfachsten geklettert werden kann", erklärt Eliza Schöler. Die 20-Jährige geht die einzelnen Bewegungen vor ihrem Wettkampf nochmal im Kopf durch. "In der Wand muss dann alles automatisch ablaufen. Zeit zum Denken habe ich da nicht. Der Kopf muss frei sein", sagt die Lübeckerin.

Abgucken verboten

Während sich die Sportler an der Wand versuchen, müssen die anderen Kletterer in einen gesonderten Isolationsbereich. Dort versperren große Wolldecken die Sicht. "Niemand soll sich vom Anderen etwas abgucken", erklärt Organisator Nick Mammel. Am Ende gewinnen Lars Hoffmann und Laura Polomsky, die beide aus Hannover kommen. Eliza Schöler wird - auch für sie selbst - völlig überraschend Dritte bei den Damen. "Das hätte ich niemals geglaubt", sagt sie über ihren unverhofften Sprung aufs Treppchen. Bei der nächsten Meisterschaft will sie auf jeden Fall wieder dabei sein.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Schleswig-Holstein Aktiv | 31.10.2015 | 15:15 Uhr