Stand: 26.10.2015 08:06 Uhr

Mit einer Schnapsidee in die Selbstständigkeit

Eine Kneipendiskussion mit viel Bier hat Michael Hackmann den Weg in die Selbstständigkeit und zur Gründung eines Start-up-Unternehmens geebnet. Ist Lübeck eine Stadt, in der Studenten etwas erleben können? Über diese Frage stritt der 28-Jährige Lübecker mit Freundin Fiona Leal. Der Informatikstudent war der Meinung, dass man die Stadt mit ihren Bars und Kneipen nur gut genug kennen müsse. Und so kamen die beiden auf die Idee, eine Barfinder-App zu entwickeln.

Wer sucht, der findet: Die Navigations-App

App für Stadt und Uni-Campus

Ihr Geschäftsmodell: Kneipen, Restaurants und Museen bezahlen eine monatliche Gebühr und werden dafür in den Barfinder aufgenommen. Zusätzlich programmierte Hackmann mit seinem Kommilitonen Patrick Zenker ein Campusnavi, das Studierenden helfen sollte, den richtigen Hörsaal zu finden. "Gerade Erstsemester verlaufen sich oft auf dem Campus", erklärt BWL Studentin Fiona Leal. Sie kümmert sich um den Vertrieb der App. Der Vierte im Bunde ist Grafiker Kaya Wünsch. Er entwickelte das Design.

Studium lief nebenher

"Wir saßen Tage und Nächte lang in Michaels Wohnzimmer tatsächlich an einem großen Tisch und haben an der App gearbeitet", sagt Wünsch. Nebenbei mussten die vier Lübecker ihr Studium vorantreiben. So fuhren sie dann oft völlig übermüdet in die Uni und versuchten, den Vorlesungen und Seminaren zu folgen. Einfach sei das nicht gewesen, berichten sie. An dem Projekt gezweifelt haben sie aber nicht. Die App hatte oberste Priorität: "Was die Selbstständigkeit angeht, waren wir alle kompromisslos", betont Wünsch. So habe der Weg zum eigenen Unternehmen keine nennenswerten Probleme bereitet. Kürzer getreten seien sie nur bei ihren Nebenjobs.

Mehr als 2.000 Downloads

Fünfteilige Start-up-Serie bei NDR.de

Mit der eigenen Idee durchstarten? Klingt verlockend. Einige Schleswig-Holsteiner haben den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt. Wir stellen fünf Start-ups vor.

Die Gründer berichten uns über Herausforderungen, Startschwierigkeiten - und natürlich auch über ihre Erfolgserlebnisse. In unseren Geschichten geht es aber nicht nur um Firmenkonzepte und Finanzen, sondern um die Menschen dahinter.

"Unser erstes Projekt ist wirklich gut gelaufen", resümiert Fiona Leal. Bis heute wurde die Barfinder App von mehr als 2.000 Menschen heruntergeladen. "Der Erfolg hat uns den Mut gegeben, den Schritt in die Selbstständigkeit zu wagen", sagt Leal. Das Geld aus der Barfinder App brachte sogar ein kleines Grundkapital für die Realisierung weiterer Ideen. Die Truppe gründete das Unternehmen "Catchup Applications KG". Mit eigener Firma und kleinem Büro in den Lübecker Mediadocks wurde die Sache dann richtig ernst. Nachdem der Barfinder auf dem Markt war, kamen Folgeaufträge. Mehrere große Kliniken meldeten sich bei den jungen Unternehmern. "Die waren an einer Navigations-App für ihr Gelände interessiert", erzählt Hackmann.

Navigations-App für Krankenhäuser

Patienten, Besucher und Mitarbeiter sollten sich besser orientieren können. "Auf einem Areal mit tausenden Mitarbeitern und Krankenbetten, verschiedensten Stationen und Gebäuden ist es schwer, sich zurecht zu finden", erklärt Hackmann. Das Team hofft mit seiner App nun auf den großen Durchbruch. Ihr Studium haben die Lübecker inzwischen erfolgreich beendet. Derzeit laufen Vertragsgespräche mit zwei Kliniken. Ende des Monats sind die Unternehmensgründer auf einer großen Krankenhaus-Messe. Bei der "Hospital concepts" in Berlin werden Hackmann und seine Kollegen einen Vortrag halten. Ihr Ziel: Noch mehr Kliniken auf die Firma "Catchup Applications KG" aufmerksam machen.

Die Vier sind von ihrer Idee überzeugt

"Bisher gibt es wenig Konkurrenz in unserem Gebiet", meint Hackmann. Als Angestellte würden die Vier zwar deutlich mehr verdienen. Das Geld, das die Firma einbringt, reicht aber zum leben. Nicht selten muss die Truppe die Wochenenden durcharbeiten. Trotzdem: Die jungen Unternehmer sind von ihrer Idee überzeugt, und die Arbeit macht Spaß. "Selbst nach Nachtschichten kommen wir mittags gut gelaunt und pfeifend wieder ins Büro. Sein eigener Chef zu sein, macht einfach Spaß", berichtet Hackmann.

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