Stand: 19.06.2017 12:40 Uhr

Mit dem eigenen Floß zur Kieler Woche

von Sebastian Duden

Leon Schroller, Thorben Beyersdorf und Vincent Vollmers sind Zimmerleute auf der Walz. Die drei Jungs Anfang 20 haben sich unterwegs kennengelernt, nachdem sie nach ihrer Ausbildung losgezogen sind. Als sie vor ein paar Wochen in Schleswig-Holstein an der Schlei sitzen, kommt ihnen die Idee, mit einem Floß auf dem Meeresarm der Ostsee zu fahren - mit Holz umgehen können sie schließlich.

Die Schnapsidee wächst

In einer Kneipe vertiefen sie den Gedanken und kommen mit anderen Gästen ins Gespräch. Und wie das im Leben so ist, sitzt am Nachbartisch jemand, der einen wichtigen Kontakt für die jungen Zimmermänner hat: Sebastian Wähnert, ein Sägemüller aus Büstorf bei Rieseby (Kreis Rendsburg-Eckernförde). Der braucht zuerst einmal Hilfe bei der Arbeit. Nach und nach begeistern sie ihn für ihre Floßidee. Die haben sie mittlerweile auch schon erweitert, und zwar um das Ziel: mit dem selbstgebauten Floß zur Kieler Woche fahren. Das ist jetzt der Plan. Wähnert sagt sofort seine Hilfe zu, in Form von Unterbringung, Verpflegung und Holz, denn davon hat er genug.

Golfabschlag und Sonnendeck

Sechs Tage bauen die Handwerker am Floß. Sieben mal vier Meter groß wird allein die Basis des Wasserfahrzeugs. Alte Kunststofffässer, in denen vorher Oliven eingelegt waren, sollen es über Wasser halten. Das Holz wird nebenan im Sägewerk frisch gesägt. Entscheidungen treffen sie oft mit einem Münzwurf - zum Beispiel, als es um die Breite der Kabinentür geht. Die misst jetzt 70 Zentimeter. Vorne zimmert Thorben Beyersdorf Wellenbrecher vor die Fässer, damit sie auf der Ostsee besser voran kommen.

Die Liebe steckt in den anspruchvollen Details

Den Jungs sind aber vor allem die "Extras" des Floßes wichtig: Ein großes Sonnendeck hinterm Bug, eine geräumige Kajüte für drei Hängematten, obendrauf ein Golfabschlag. Dann gibt es noch Verpflegungskisten, vor allem für Bier. Eine Toilette soll das Floß auch noch bekommen - was muss, das muss. Ans Heck wollen die Handwerker später einen kleinen Aussenborder bauen, aber unter 15 PS, damit er führerscheinfrei ist. Den Motor müssen sie aber noch organisieren. "Fürs Gröbste haben wir uns schlau gemacht: über Motorisierung, Versicherung und so weiter", erzählt Leon Schroller. "Was soll schon passieren?! Das wird schon alles." Die drei Freunde sind zuversichtlich. Sie lachen zwar, sind sich aber darüber bewusst, dass die Ostsee auch gefährlich werden kann. Und dem versuchen sie entgegenzuwirken: Eine Reling soll ans Floß, ebenso eine Rundum-Leuchte, die Pflicht bei Wasserfahrzeugen unter acht Metern Länge sind. Und Schwimmwesten werden sie auch einpacken.

Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Magazin | 19.06.2017 | 19:30 Uhr

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