Stand: 13.08.2017 14:00 Uhr

Mit dem Gentest auf der Spur der Wikinger

In kleinsten Knochenresten haben Forscher aus Kiel jetzt globale Handelsbeziehungen bereits zur Wikingerzeit nachweisen können. Die Dorschknochen stammen aus den Ausgrabungen in der mittelalterlichen Wikingersiedlung Haithabu an der Schlei, nahe der heutigen Stadt Schleswig. Archäologen finden in den Abfallgruben der Wikinger immer wieder auch Überreste von Wikingermahlzeiten. Darunter sind auch immer in großen Mengen Knochen vom Dorsch gefunden worden. Aber weiter kamen die Archäologen nicht, denn die Knochen verschiedener Dorscharten sehen einander zu ähnlich. Um herauszufinden, wo die Fische ursprünglich gefangen wurden, mussten Genetiker ran.

Gentest für Dorschknochen

Am Geomar Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung in Kiel sitzen die Spezialisten für Fische aller Art aus allen Meeren der Welt. Die Forscher haben die DNA-Spuren in den Fischknochen aus Haithabu untersucht und mit heutigen Proben aus ihrer Datenbank verglichen. Schnell war klar, die Knochenreste aus der Wikingerstadt an der Schlei stammten nicht aus der nahen Ostsee. Es ist ein Puzzle, dass zu einer spektakulären Entdeckung führt. Die Wikinger aus Haithabu hatten bereits vor über 1.000 Jahren lebhafte Handelsbeziehungen zu den 1.500 Kilometer entfernten Lofoten-Inseln vor der Küste Nord-Norwegens. Mittelalterliche Handelswege, die also deutlich weiter und deutlich älter sind, als Archäologen und Historiker es bislang vermutet haben.

Vom Dorsch zum Stockfisch nach Haithabu

Damit konnten die Wissenschaftler nicht nur die Herkunft der Dorschknochen klären. Jetzt ist auch bewiesen, dass der Fisch in getrockneter Form als Stockfisch von den Lofoten nach Haithabu gekommen sein muss. In den offenen Booten der Wikingerzeit wäre der Fisch anders nicht haltbar gewesen. Bis jetzt galt nämlich: Stockfisch war die Grundlage des Handels in der Hansezeit, also erst etwa 400 Jahre später. Auf den Lofoten ist der Dorschfang bis heute der meist gefangene Fisch und bleibt die Basis der lokalen Wirtschaft.

Weitere Informationen

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Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Magazin | 13.08.2017 | 19:30 Uhr

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