Stand: 15.02.2016 13:41 Uhr

Missbrauch im Verein: Urteil sorgt für Tränen

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Der ehemalige Übungsleiter des TuS Holstein Quickborn legte vor Gericht ein umfassendes Geständnis ab.

Wegen sexuellen Missbrauchs in 15 Fällen hat das Landgericht Itzehoe einen Fußballtrainer zu einem Jahr und zehn Monaten auf Bewährung verurteilt. Mit seiner Entscheidung blieb das Itzehoer Landgericht am Montag deutlich unter der Forderung von Staatsanwaltschaft und Nebenklage, die für eine dreijährige Haftstrafe plädiert hatten. Der Verteidiger des 42-Jährigen hatte sich für eine Bewährungsstrafe ausgesprochen. Der ehemalige Übungsleiter des TuS Holstein Quickborn hatte vor Gericht ein umfassendes Geständnis abgelegt. Der 42-Jährige räumte ein, im Zeitraum von 2013 bis 2015 drei Jungen aus seiner Mannschaft im Alter von neun und zehn Jahren sexuell missbraucht zu haben. Er könne sich selbst nicht erklären, warum er die Jungs angefasst habe. Anschließend habe er immer ein schlechtes Gewissen gehabt.

Geständnis wirkt strafmildernd

Die Angehörigen der Opfer reagierten am Montag mit Tränen und Kopfschütteln auf das von den Richtern verhängte Strafmaß. Sie konnten das - aus ihrer Sicht zu milde - Urteil nicht nachvollziehen. Nach Angaben der Vorsitzenden Richterin habe sich zum einen das umfassende Geständnis strafmildernd ausgewirkt. Der Mann habe sogar mehr Taten zugegeben als ihm zur Last gelegt worden waren, so die Richterin. Außerdem sei er vorher noch nicht straffällig geworden und habe bereits zu Beginn des Prozesses angekündigt, sich in therapeutische Behandlung zu begeben. Der Angeklagte hatte sich im Vorfeld zudem bereit erklärt, den drei Jungen ein Schmerzensgeld in Höhe von insgesamt 9.000 Euro zu zahlen.

Jungs müssen nicht aussagen

Eine Mutter hatte Anzeige gegen den Trainer erstattet. Für die Angehörigen war es zum Prozessauftakt offensichtlich kein leichter Gang in den Verhandlungssaal. Vor der Tür brach eine Frau in Tränen aus, als der Angeklagte hereingeführt wurde. Während der Mann später die Fragen der Richterin nach dem genauen Hergang der Übergriffe ruhig beantwortete, schüttelten einige Zuhörer immer wieder den Kopf. Ein Mann im Gerichtssaal musste mehrmals von der Richterin zur Ordnung gerufen werden, weil er die Aussagen des Angeklagten immer wieder laut kommentierte. Der Angeklagte sagte zu dem Missbrauch eines Jungen: "Ich wollte ihn auf andere Gedanken bringen." Und zu einem anderen: "Hätte er Stopp gesagt, hätte ich aufgehört." Durch sein Geständnis ersparte der Angeklagte den mutmaßlichen Opfern eine Befragung vor dem Gericht.

Verein fordert Führungszeugnis

Die sexuellen Übergriffe sollen sich während gemeinsamer Trainingscamps abgespielt haben - nach dem Training in der Dusche oder im Auto. Zu einem der mutmaßlichen Opfer soll der Mann ein engeres Verhältnis gehabt haben - samt gemeinsamen Kinobesuchen und Geschenken. Die arglosen Eltern des Jungen sollen den Trainer sogar darum gebeten haben, Ausflüge mit ihrem Kind zu unternehmen. Der TuS Holstein Quickborn hat den Angeklagten nach Bekanntwerden der Vorfälle fristlos entlassen und eine vereinseigene Kinderschutzbeauftragte eingesetzt. Außerdem muss jeder, der dort Trainer werden will, ein polizeiliches Führungszeugnis vorlegen.

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NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 15.02.2016 | 13:00 Uhr