Stand: 22.11.2017 08:44 Uhr

Mangelnde Scheu wird Fischottern zum Verhängnis

von Thilo Buchholz

Die Autos und Lastwagen fahren mit 120 Kilometern pro Stunde an ihm vorbei. Arne Drews vom Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume stapft neben der Autobahn 7 bei Warder durchs Dickicht. In den vergangenen Wochen wurden hier zwei tote Fischotter gefunden. Das sei ungewöhnlich, so Drews. Er will wissen, warum an dieser Stelle mehrere davon in so kurzer Zeit leblos gefunden wurden. Nach wenigen Minuten hat der Verwaltungsbeamte gefunden, wonach er gesucht hat: Der Zaun an der Wennebeks-Au hat zwei Löcher. Da seien die Tiere offenbar durchgeschlüpft und so auf die Autobahn gelangt. Zwei gelbe Markierungen kennzeichnen jetzt die kaputten Stellen. Mitarbeiter des Landesbetriebs Straßenbau und Verkehr sollen in den kommenden Wochen den Zaun reparieren.

Biologe, der Fischotter-Bestände untersucht.

Fischotter erobern die Pinnau

Schleswig-Holstein Magazin -

Der Fischotter steht auf der Liste bedrohter Tierarten. Doch an der Pinnau in Pinneberg scheinen sich die Tiere wohlzufühlen. Dabei ist der Mensch ihr größter Feind.

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Fischotter sind jetzt besonders aktiv

Seit einigen Jahren werden wieder vermehrt tote Fischotter gemeldet. Die Tiere werden meist überfahren. Im Jahr 2016 waren es 18 tote Fischotter, 14 sind es in diesem Jahr. Vor zehn Jahren waren es nur vier. Die meisten Totfunde gibt es im Süd- und Nord-Osten von Schleswig-Holstein. Arne Drews vermutet, dass sich die Fischotter zur kalten Jahreszeit auf den Weg in größere Gewässer machen, denn kleinere Seen oder Bäche frieren zu. Deswegen seien die Tiere jetzt so aktiv.

Artenschutz an der A 7

An der A 7 sucht Arne Drews auch bei Henstedt-Ulzburg nach Spuren von Fischottern. Unter der Autobahn fließt die Pinnau. Im Zuge des dreispurigen Ausbaus wurde die Unterführung an dieser Stelle neu gebaut. "Vorher gab es nur ein schmales Rohr", sagt Drews. Seit einem Jahr ist die Brücke fertig und für die Tiere breit genug. Sogar Spuren anderer Tiere wie zum Beispiel von Dachs, Marder oder Bisam hat er schon gefunden. Fußspuren von Fischottern findet er diesmal nicht, dafür aber Kot. Das ist ein Beweis dafür, dass die Tiere tatsächlich hier vorkommen. Die Stelle gilt als Beispiel für den Artenschutz.

Der Fischotter ist zurück

Autobahn-Unterführungen erweitern den Lebensraum

Fischotter können an einem Tag bis zu 30 Kilometer wandern. Die neuen Unterführungen entlang der A 7 gelten deshalb als ideale Korridore für die Lebensräume der Tiere. Zwischen Bordesholm und Hamburg sind es etwa 20 kleine Bäche oder Auen, die die A 7 kreuzen. Ende 2018 soll die Autobahn fertig ausgebaut sein. Wenn dann alle Unterführungen erneuert sind, könnten sie in Zukunft etwa 30 bis 40 Tieren im Jahr das Leben retten und so den Fischottern helfen, neue Lebensräume zu erschließen, erklärt Arne Drews.

Fischotter in Pinneberger Innenstadt

Fischotter sind meist nachtaktiv und deshalb schwer zu entdecken. Das ist auch ein Grund, weshalb Arne Drews bislang erst zwei Tiere zu Gesicht bekommen hat. Umso mehr war er verblüfft, als er mitten in Pinnebergs Innenstadt einen lebenden Fischotter sah. "Die meisten Bereiche der Pinnau in Pinneberg sind naturfern ausgebaut und wenig attraktiv für Fischotter", so der Verwaltungsbeamte. Offenbar finde der Fischotter mitten in der Stadt aber einen Rückzugsraum und ausreichend Nahrung. Viele Stellen des Ufers entlang der Pinnau sind zudem eingezäunt und schützen den Otter so vor Menschen und Hunden. Die Abzäunung bietet aber noch einen weiteren Schutz: Der Weg über die viel befahrenen Straßen ist den Ottern versperrt. Die Tiere werden nicht überfahren.

Fischotterbestand im Land erholt sich

In Schleswig-Holstein galten Fischotter lange als ausgestorben. Inzwischen ist Arne Drews seit mehr als 20 Jahren den Ottern auf der Spur, die zu den am stärksten gefährdeten Säugetieren Europas gehören. Jahrelang hatte er an den fast 700 Kontrollpunkten im Land nicht einmal Spuren gefunden. Die Tierart sei in Schleswig-Holstein intensiv bejagt worden, sagt Drews zur Begründung. Anfang des 20. Jahrhunderts bis in die 1960er Jahre wollte man den "Fischereischädling" verdrängen. Auch heute noch ist die Tierart vom Aussterben bedroht. Aber der Bestand erhole sich langsam wieder, sagt Arne Drews. Seit Ende der 1990er Jahre konnte er wieder erste Tiere nachweisen. Eider, Treene, Stör - mittlerweile kommen überall Fischotter vor. "Es macht beim Kartieren einfach mehr Spaß, wenn man die Art auch findet - vor allem dann, wenn Spuren von Jungtieren darunter sind."

Wieder genug Nahrung für Otter

Arne Drews vermutet landesweit 200 Fischotter, denn im gesamten Bundesland hat er Kot und Pfotenabdrücke entdeckt. Da die Tiere jetzt nicht mehr bejagt würden, trauten sie sich wieder mehr in die Nähe des Menschen, erklärt Drews. Die Tiere, die heute wieder in Schleswig-Holstein heimisch sind, sind ursprünglich eingewandert aus Dänemark und Mecklenburg-Vorpommern. Sie blieben, weil sie in den Gewässern wieder genug Nahrung finden. Vielleicht könne die Tierart in ein paar Jahren von der "Roten Liste" genommen werden, hofft Arne Drews und fügt hinzu: "Vielleicht kann ich bald ja einen dritten Fischotter in der Natur sehen."

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Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Magazin | 21.11.2017 | 19:30 Uhr

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