Stand: 03.02.2016 15:17 Uhr

Mädchen in Kiel missbraucht: 30-Jähriger in Haft

Ein 30-Jähriger soll in Kiel ein siebenjähriges Mädchen verschleppt und sexuell schwer missbraucht haben. "Gegen den Mann wurde am Dienstag Haftbefehl erlassen", sagte der Kieler Oberstaatsanwalt Axel Bieler. Der Mann war Polizei und Staatsanwaltschaft jedoch schon bekannt und hat sich nach Angaben der Ermittler möglicherweise nicht zum ersten Mal an einem Kind vergangen. Der Haftbefehl lautet daher auf schweren sexuellen Missbrauch in zwei Fällen.

Staatsanwaltschaft: "Keine Haftgründe gesehen"

Anfang Januar war der Mann schon einmal in den Fokus der Beamten geraten, weil er eine Fünfjährige in einem Kindergarten in Gaarden missbraucht haben soll. "Es lag eine Anzeige gegen ihn vor. Wir haben zum damaligen Zeitpunkt keinen dringenden Tatverdacht gesehen und auch keine Haftgründe, so dass die Person damals nicht in Untersuchungshaft gegangen ist", sagte Bieler dem Schleswig-Holstein Magazin. "Das ist jetzt in Anbetracht des neuen Vorfalls sehr tragisch, was wir außerordentlich bedauern." Die Staatsanwaltschaft geht jetzt davon aus, dass der Mann auch für diese Tat verantwortlich ist.

Erhebliche Verletzungen

Mit einer Puppe in der Hand sprach der Mann nach ersten Erkenntnissen am Sonntagvormittag zwei Mädchen auf einem Schulhof im Kieler Stadtteil Gaarden an. Die Siebenjährige lockte er dann nach bisherigen Erkenntnissen der Ermittler unter einem Vorwand in seine Wohnung. Das andere Mädchen folgte ihm jedoch nicht. In seiner Wohnung missbrauchte der Mann die Siebenjährige nach Informationen von Polizei und Staatsanwaltschaft schwer. Anschließend soll er das Mädchen freigelassen haben. Das Mädchen offenbarte sich seiner Mutter und konnte Angaben zum Tatort machen. Dadurch seien die Beamten bei ihren Ermittlungen schnell auf den 30-Jährigen gekommen, so Bieler. Rechtsmediziner stellten erhebliche Verletzungen fest. Der Mann habe sich bislang nicht zur Tat eingelassen.

Ist der mutmaßliche Täter schuldfähig?

Nach Angaben von Staatsanwalt Bieler bestehen Zweifel an der Schuldfähigkeit des Mannes. "Es wird jetzt ein Gutachter bestellt, der sich mit dem Beschuldigten auseinandersetzt. Sollte der Beschuldigte vermindert oder gar schuldunfähig sein, wird aus der Untersuchungshaft ein Unterbringungsbefehl", sagte Bieler. Das könnte dann bedeuten, dass der Mann in ein psychiatrisches Krankenhaus kommt. Sollte er doch schuldfähig sein, könnte er im Falle einer Verurteilung mindestens vier Jahre ins Gefängnis kommen.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 02.02.2016 | 15:00 Uhr