Stand: 20.03.2017 18:54 Uhr

Lotsen helfen auf Pinneberger Kröten-Piste

Es ist ein Weg mit tonnenschweren rollenden Hindernissen für Hunderte Kröten - und das jedes Jahr. Von Ende Februar bis Mitte April sind sie in Pinneberg unterwegs von ihrem Winterquatier zu den Laichgewässern. Die Strecke führt vom Friedhofsgelände zu einem kleinen Teich wenige hundert Meter entfernt. Das Problem: Dazwischen liegt eine Straße. Und es ist nicht nur der Autoreifen, der die Kröten tötet. Es sei auch der Unterdruck, der durch ein schnell vorbeifahrendes Auto entsteht, sagt Tierschützer Rainer Reischuck. Dabei werden innere Organe so schwer verletzt, dass die Kröten daran sterben.

Im Eimer über die Straße

Deswegen hat Reischuck zusammen mit anderen Helfern einen 300 Meter langen Zaun mit einer Plane aufgebaut. Die Kröten können dadurch nicht mehr auf die Straße hüpfen und landen in Plastikeimern. Jeden Morgen bringt Reischuck zusammen mit 20 Helfern die Tiere dann sicher über die Straße. Seit zwei Jahrzehnten macht er das. In dieser Zeit hat er mit seinem Verein Umwelthaus nach eigenen Angaben fast 20.000 Kröten retten können. Allein im vergangenen Jahr seien es knapp 1.700 Erdkröten gewesen. Aber auch 260 andere Amphibienarten waren laut dem Tierschützer in die Eimer gerutscht. "Das ist das Tolle, dass die Arten zugenommen haben. Wir hatten im letzten Jahr 60, 70 Wasserfrösche. Das ist auch ein Zeichen, dass sich hier etwas ganz Tolles entwickelt."

Weniger Kröten - mehr Schädlinge

Die Kröten spielten nicht nur eine wichtige Rolle für das Ökosystem, sondern auch für die Landwirtschaft, sagen die Tierschützer. Mehr Kröten bedeuten nämlich weniger Insekten - auch Schädlinge. Dadurch bräuchten die Landwirte weniger Pestizide zur Schädlingsbekämpfung.

Rückweg ist für Kröten ungefährlicher

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Seit 20 Jahren rettet Rainer Reischuck in Pinneberg Kröten.

Am Pinneberger Teich angekommen krabbeln die größeren Weibchen mit dem Männchen auf dem Rücken ins Wasser. Hier bleiben sie, bis die Kaulquappen schlüpfen. Im Spätsommer machen sich die Kröten dann auf den Weg in ihr Winterquartier, für einige von ihnen ist das auf der anderen Straßenseite. Das geht dann allerdings wesentlich schneller: Kröten sind wechselwarme Tiere und können sich bei entsprechender Wärme flotter bewegen. Und weil sie dann nicht in Massen gleichzeitig und häufig erst nachts unterwegs sind, sei die Wahrscheinlichkeit, dass sie überfahren werden, deutlich geringer, sagen die Tierschützer. Anders sieht es dann im kommenden Frühjahr aus. Dann wollen Rainer Reischuck und seine Helfer wieder an der Straße stehen - als Kröten-Lotsen von Pinneberg.

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Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Magazin | 20.03.2017 | 19:30 Uhr

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