Stand: 08.03.2016 17:31 Uhr

Leiter von Jugendwohnung verklagt Ministerium

Nach der Schließung der "Jugendwohnung Wrangelstraße" in Flensburg hat der Betreiber Rolf Nagel beim Verwaltungsgericht Schleswig Klage gegen das Sozialministerium eingereicht. Er fordert die Betriebsgenehmigung zurück. Das Landesjugendamt hatte die Einrichtung nach einem Polizeieinsatz am Freitag geschlossen. In einem offenen Brief beschwert sich Nagel nun über die Mitarbeiter des Jugendamtes. Dabei geht es um eine örtliche Prüfung Mitte Februar: "Die bereits psychisch instabilen Mädchen wurden massiv verängstigt, bedrängt und sollten negative Aussagen zu Protokoll geben", so der Betreiber. Das Sozialministerium bestreitet das.

Gericht entscheidet möglicherweise noch diese Woche

Außerdem will Nagel mit einem Eilverfahren die Erteilung einer Betriebsgenehmigung für eine neue Einrichtung für Mädchen in Langballig (Kreis Schleswig-Flensburg) erreichen. Nach Angaben eines Sprechers wird das Gericht darüber "möglicherweise noch in dieser Woche entscheiden". Laut Ministerium liegen die "Voraussetzungen für die Erteilung einer Betriebserlaubnis" derzeit aber nicht vor.

Hinweise auf Speed-Konsum

In der Nacht zu Freitag hatte es nach Angaben von Sozial-Staatssekretärin Anette Langner (SPD) anonyme Hinweise auf den Konsum harter Drogen in der Einrichtung gegeben. Daraufhin durchsuchten Staatsanwaltschaft, Beamte der Flensburger Kriminalpolizei und der Jugendämter am Freitagnachmittag vier Stunden lang die privat betriebene Einrichtung. "Bei dieser Vor-Ort-Überprüfung hat sich der Verdacht auf dem Konsum harter Drogen erhärtet. Es sind zwar keine harten Drogen gefunden worden, aber es war offensichtlich, dass dort Drogen konsumiert werden", so Langner. Vier der zehn Bewohnerinnen bestätigten dem Schleswig-Holstein Magazin, dass bei der Durchsuchung mit Spürhunden Verpackungen der Droge Speed gefunden worden seien. Vom Konsum der Droge hätten die Mädchen gewusst.

Ministerium: Kindeswohl nicht sichergestellt

Nach Angaben des Sozialministeriums war die Heimleitung aus Sicht des Landesjugendamtes nicht in der Lage, das Kindeswohl sicherzustellen. Deshalb sei der Entzug der Betriebserlaubnis angeordnet worden. Die jungen Frauen und Mädchen im Alter zwischen 14 und 18 Jahren wurden anderweitig untergebracht. Sozialministerin Kristin Alheit (SPD) erklärte, der Fall mache deutlich, wie das Landesjugendamt arbeitet. Wenn Hinweise eingingen, ergreife man sofort die erforderlichen Maßnahmen. Nach Informationen des Schleswig-Holstein-Magazins war die Einrichtung aber schon länger im Visier der Jugendämter. Bereits vor zwei Wochen hätte es Auflagen von den Behörden gegeben. Dabei ging es um Mängel beim Personal und mangelnde Kommunikation mit der Heimaufsicht. "Am 2. März haben wir deswegen einen Belegungsstopp über die Einrichtung verhängt, weil sich abzeichnete, dass die Mängel nicht so schnell behoben werden könnten", sagte die Staatssekretärin des Sozialministeriums.

Leiter: Wohl der Kinder mit Füßen getreten

Die Schließung der Einrichtung bezeichnete Rolf Nagel als Überreaktion. Das Wohl der Kinder sei von der staatlichen Heimaufsicht mit Füßen getreten worden, sagte der Leiter dem Online-Portal shz.de. Er sieht im Vorgehen des Landesjugendamtes eine Übersprungshandlung. "Das soll offenbar vom langjährigen Versagen in der Friesenhof-Affäre ablenken", erklärte er mit Bezug auf die mittlerweile geschlossenen Mädchenheime in Dithmarschen. Der Drogenfund sei von einer Jugendlichen inszeniert worden, die demnächst entlassen werden sollte und dies nicht wünschte, erklärte der Leiter laut shz.de. Weitere anonyme Hinweise seien offenbar von zwei entlassenen Mitarbeiterinnen ausgegangen, sagte er.

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Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Magazin | 07.03.2016 | 19:30 Uhr