Stand: 07.06.2017 05:00 Uhr

Lauenburger warten auf Schutz gegen Elbe-Hochwasser

von Katrin Bohlmann

Diese beängstigenden Bilder aus der schönen Lauenburger Altstadt bewegten im Juni vor vier Jahren ganz Deutschland: Straßen, Gänge und Häuser unter Wasser. Nicht nur die Keller, sondern die Erdgeschosse vieler Fachwerkhäuser mit Wohnzimmern und Küchen überschwemmt. Verkehrsschilder, von denen nur noch die Spitzen aus dem bräunlichen Wasser ragen. Einsatzkräfte von Feuerwehr und Technischem Hilfswerk, die in einer kniehohen Brühe durch die Elbstraße waten. Der Pegelstand des Flusses erreichte damals 9,64 Meter und stand damit mehr als doppelt so hoch wie normal. Von einem "Jahrhundert-Hochwasser" war die Rede. 400 Bewohner der Altstadt bangten um ihre Häuser, die Schäden summierten sich am Ende auf insgesamt rund 27 Millionen Euro. Politiker von Land und Bund versprachen wenig später einen umfangreichen Hochwasserschutz für Lauenburg. Doch heute, vier Jahre später, ist die Altstadt noch immer nicht geschützt. Erst 2024 soll es so weit sein - bis dahin bleibt das historische Viertel der Elbe weitgehend schutzlos ausgeliefert.

Einmalige Lage macht Altstadt zum Sorgenkind

Immerhin hat sich inzwischen in anderen Bereichen Lauenburgs einiges getan. Von der Marina über die Schleuse bis hin zum Industriegebiet ist der Hochwasserschutz bereits abgeschlossen. Doch in der Altstadt müssen viele planerische Klippen umschifft werden. Eine einfache und schnelle Lösung wie eine Spundwand gibt es hier nicht. So müssen zum Beispiel viele Aspekte des Natur- und des Denkmalschutzes berücksichtigt werden. "Die Lage der Lauenburger Altstadt ist einmalig an der Elbe. Wir verlieren diese Einmaligkeit, wenn wir einfach eine 9,60 Meter hohe Spundwand davor bauen", erklärt Lauenburgs Bauamtsleiter Reinhard Nieberg. Es fließe sehr viel Geld vom Land nach Lauenburg, weil die Altstadt eine historische Kulisse sei.

Viele Hürden für die Planer

Extra 3 - Der reale Irrsinn

Realer Irrsinn: Denkmalschutz sticht Flutschutz

extra 3 -

30 Ziegel, die eine Lücke in der Mauer zur Elbuferpromenade schließen, sind die Steine des Anstoßes. Der "private Flutschutz" steht nicht im Einklang mit dem Denkmalschutz.

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Nun gilt es, in einem Interessenkonflikt zu vermitteln: Die Denkmalschutzbehörden von Kreis und Land möchten baulich möglichst wenig verändern. Die Stadtverwaltung dagegen fordert einen modernen Hochwasserschutz. Für Verzögerungen sorgen auch Auflagen des Naturschutzes. Ohne eine Umweltverträglichkeitsstudie geht nichts. "Ein Jahr lang müssen wir beobachten, was an der Elbe wächst, welche Tiere hier leben, welcher Fisch hier wann lang schwimmt. Das macht die Sache so kompliziert", sagt Lauenburgs Projektleiter Christian Asbo.

Hochwasserschutz "mitten durchs Schlafzimmer"

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Zu den Aufgaben des Lauenburger Bauamtsleiters Nieberg gehört es, für das Hochwasserschutzkonzept zu werben.

Doch damit nicht genug. Hinzu kommen langwierige Ausschreibungsverfahren. Jeder Auftrag muss europaweit ausgeschrieben werden, da es um Fördergelder des Landes von rund 30 Millionen geht. Solche Verfahren dauern. Und nicht zuletzt müssen regelmäßig Gespräche mit den Bewohnern in der Altstadt geführt werden. Schließlich geht es ja um ihre Häuser, und sie müssen mitmachen. Denn das vorliegende Konzept sieht vor, auf den Privatgrundstücken eine Schutzwand zu bauen. Die erste Häuserreihe in der Elbstraße ist zugleich Uferlinie, und es liegt auf der Hand, dass dort der Hochwasserschutz greifen muss. Doch laut Bauamtsleiter Nieberg sind noch viele offene Fragen zu klären: "Es gibt in Einzelfällen auch die Situation, dass wir mit unserem Hochwasserschutz praktisch durch das Schlafzimmer müssen. Das stößt natürlich nicht auf einhellige Zustimmung des betroffenen Ehepaares, das ist verständlich." Und es koste eben auch Zeit, diese Anwohner zu überzeugen und zu verdeutlichen, dass diese Lösung für alle die beste sei.

Geld und Rat aus Kiel

Das Land Schleswig-Holstein unterstützt den Hochwasserschutz in Lauenburg - nicht nur mit Geld. Er habe eine sehr hohe Priorität, betont das Umweltministerium. "Es ist wichtig, dass Lauenburg für künftige Hochwasser besser gerüstet ist, und daher beraten wir die Stadt sowie die Wasser- und Bodenverbände intensiv", erklärt Ministeriumssprecherin Nicola Kabel. Zur Unterstützung gehöre es auch, bei den rechtlich komplexen EU-weiten Ausschreibe- und Vergabeverfahren zu helfen. Alle Beteiligten seien im engen, regelmäßigen Austausch, so Kabel. Das Land rechnet damit, dass der Hochwasserschutz in Lauenburg insgesamt 30 Millionen Euro kosten wird, und will davon den größten Teil stemmen.

Noch sieben Jahre bangen und hoffen

Die Schutzwand soll bis zu elf Meter hoch und sechs Kilometer lang werden. Für Mitte 2018 ist der Start des offiziellen Planfeststellungsverfahrens geplant, das voraussichtlich ein Jahr dauern wird. Der Bau des Hochwasserschutzes kann frühestens 2020 beginnen, zumindest im sogenannten Bereich B zwischen Ruferplatz und Lösch- und Ladeplatz. Im besonders komplizierten Bereich A, der Altstadt, geht es noch später los. Deshalb ist mit dem Abschluss sämtlicher Arbeiten nicht vor 2024 zu rechnen. Bis dahin können die Lauenburger nur hoffen, von den Launen der Elbe verschont zu bleiben.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 07.06.2017 | 12:00 Uhr

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