Stand: 11.12.2015 14:25 Uhr

Keine Anwesenheitspflicht mehr in Hochschulen?

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SPD-Fraktionschef Ralf Stegner lehnt eine zweite Anhörung zum Hochschulgesetz ab.

Trotz der massiven Kritik an ihren Reformplänen wollen die Koalitionsfraktionen in der kommenden Woche das umstrittene Hochschulgesetz im Landtag verabschieden. "Alles bleibt so, wie es ist", sagte SPD-Fraktionschef Ralf Stegner. Am Donnerstag hatte der Bildungsausschuss die Änderungsanträge von SPD, Grünen und SSW beschlossen. Die Reformpläne für die Hochschulen im Land sorgen für Kritik. Die Spitzen der Universitäten und Fachhochschulen fühlen sich nach eigenen Angaben bei dem Gesetzesvorhaben übergangen und fordern eine zweite Anhörung im Gesetzgebungsverfahren. Die Opposition hat deshalb eine dritte Lesung des Hochschulgesetzes beantragt.

Modern oder bürokratisches Monster?

Nach Ansicht von SPD, Grünen und SSW bekommt Schleswig-Holstein ein "modernes und demokratischeres Hochschulgesetz". Von einem "bürokratischen Monstrum" spricht dagegen Flensburgs Uni-Präsident Werner Reinhart. Er ist der Vorsitzende der Landesrektorenkonferenz. Die Änderungen zeugten von viel Unwissen und seien mit den Hochschulen weder diskutiert noch abgestimmt worden. Die Landesregierung will unter anderem die Anwesenheitspflicht für Lehrveranstaltungen abschaffen. Theoretisch könnte dann jemand sein Studium abschließen, ohne jemals ein Seminar besucht zu haben, bemängelt die Rektorenkonferenz. Mit der Abschaffung der Anwesenheitspflicht bei Vorlesungen hätte er kein großes Problem, sagte der Kieler Uni-Präsident Lutz Kipp. Für Seminare sollte sie aber weiter bestehen bleiben, weil der Dialog mit anderen Studenten wichtig sei.

SPD: Hochschulen müssen sich öffnen

Die Koalition plant außerdem, dass Senate und Fachbereichskonvente öffentlich tagen. Sollte dies so kommen, würden bestimmte Themen dort nicht mehr angesprochen, monieren die Hochschulen. "Es wird dann wieder Küchenkabinette geben", sagte der Präsident der Fachhochschule Kiel, Udo Beer. SPD-Bildungspolitiker Kai Vogel hält dagegen: "Hochschulen sind gesellschaftliche Einrichtungen, die von den Steuerzahlern finanziert werden. Wir streben deshalb an, dass sie sich weiter als bisher gegenüber der Gesellschaft öffnen."

Kubicki: "Es ist ein Treppenwitz"

CDU-Fraktionschef Daniel Günther sprach angesichts der Änderungen an der Reform von einer "Handstreichstrategie", das werde man nicht durchgehen lassen. Auch der FDP-Fraktionsvorsitzende Wolfgang Kubicki wetterte: "Es ist ein Treppenwitz, dass die Koalition ständig von mehr Demokratie, mehr Mitbestimmung und mehr Transparenz spricht und dann bei der Verabschiedung des Gesetzes genau das Gegenteil tun will - und letztlich mit dieser Initiative auch das Gegenteil erreicht."

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 11.12.2015 | 14:00 Uhr