Stand: 17.04.2014 07:56 Uhr

Zukunft des Lübecker Flughafens in Gefahr?

Der Flughafen Lübeck ist durch einen überraschenden Eigentümerwechsel in Turbulenzen geraten - und mit ihm auch die Lübecker Politik. Die Grünen fordern deshalb eine Sondersitzung des Hauptausschusses gleich nach Ostern. Sie sehen in Bürgermeister Bernd Saxe (SPD) den Verantwortlichen für das Dilemma. Dagegen betonte der SPD-Fraktionsvorsitzende Jan Lindenau, es sei noch gar nicht klar, ob der Eigentümerwechsel schlecht sei - er wolle zunächst die Fakten prüfen. Mit der gleichen Begründung hält sich auch Bürgermeister Saxe bisher bedeckt. CDU-Politiker sprechen von einer besorgniserregenden Entwicklung und fordern, beim heutigen Treffen der Fraktionsvorsitzenden mit dem Bürgermeister müssten alle Fakten auf den Tisch.

 

100 Beschäftigte bangen um ihre Jobs

Auch der Betriebsrat des Airport Lübeck ist besorgt. Es seien sehr beunruhigende Nachrichten für die 100 Beschäftigten, hieß es von den Arbeitnehmervertretern. Wie sich der Verkauf auswirkt, weiß niemand, da bis jetzt nur wenige Informationen vorliegen. Am Montag war bekannt geworden, dass seit dem 8. April der Berliner Unternehmer Adam W. alleiniger Besitzer und Geschäftsführer der Flughafen-Muttergesellschaft 3Y Logistic und Projektbetreuung GmbH ist. Der bisherige Geschäftsführer, der deutsch-ägyptische Geschäftsmann Mohamad Rady Amar, hat seinen Posten aufgegeben. Hinter ihm stand ein saudischer Investor, der sich von seinen Flughafen-Anteilen getrennt hat. Rady Amar war bislang weder telefonisch noch per E-Mail zu erreichen.

Mutterkonzern in Finanznot?

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Da war die Welt im Luftraum über Lübeck noch in Ordnung: 2013 übergeben Lübecks Bürgermeister Saxe (r.) und Flughafen-Geschäftsführer Friedel den symbolischen Schlüssel an Rady Amar (li.)

Nach Informationen der Wirtschaftsauskunftei Creditreform hat der Mutterkonzern 3Y eine mangelhafte Bonität. Auch der eigentliche Eigentümer des Flughafens, Yasmina Flughafenmanagement, soll Zahlungsrückstand haben. Beide Unternehmen waren für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Ende 2012 hatte Rady Amar als Geschäftsführer der 3Y den Flughafen für den symbolischen Preis von einem Euro gekauft. Er kündigte Investitionen von mehreren Millionen Euro in den ersten fünf Jahren an und versprach, den Flughafen bis 2018 in die schwarzen Zahlen zu führen. Doch daraus wird nun nichts mehr.

Bürgerentscheid verhinderte Aus für Flughafen

Der Airport Blankensee ist seit Jahren ein großes Streitthema in der Kommunalpolitik, weil er die klamme Stadt schon viel Geld kostete. Im Jahr 2009 wollte die Mehrheit in der Lübecker Bürgerschaft den Flughafen schließen, nachdem ein Investor mit seinen Ausbauplänen gescheitert und der Airport wieder in den Besitz der Stadt übergegangen war. Doch ein Bürgerentscheid im April 2010 verhinderte das. Die Lübecker stimmten für den Ausbau und Erhalt des Flughafens.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 16.04.2014 | 17:00 Uhr