Stand: 11.01.2016 20:32 Uhr

Infraschall bei Windrädern: Sorge um Gesundheit

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Von Windrädern gehen Schallwellen aus - und der Infraschall ist womöglich gefährlich für die Gesundheit.

In Schleswig-Holstein erzeugen zurzeit rund 2.700 Windräder Strom. Und je mehr hinzukommen, desto stärker werden die Proteste aus der Bevölkerung. Gegner sagen, dass die Windanlagen das Landschaftsbild zerstören. Sie klagen über Schlagschatten der Rotoren, Blinklichter und Lärm. Außerdem machen sich viele Menschen auch Sorgen um die Schallwellen, die von Windkraftanlagen ausgehen. Denn sie sind womöglich gefährlich für die Gesundheit und belasten den Organismus des Menschen. Für Kuno Veit aus Norderwöhrden (Kreis Dithmarschen) ist Infraschall kein neues Problem. Der Hausarzt weist seit zehn Jahren auf mögliche Gefahren hin.

Tinitus, Nasenbluten, Schlafstörungen

Nur ganz wenige Menschen können den tieffrequenten Schall wahrnehmen, zum Beispiel durch ein sehr leises Summen. Infraschall entsteht zum Beispiel an Autobahnen, an Flughäfen und eben auch an Windrädern, die zu Hunderten um das Haus von Kuno Veit stehen. Die Wirkung auf die Gesundheit von Menschen ist umstritten. Immer mehr Menschen berichten davon, dass sie einen Tinitus, Nasenbluten oder Schlafstörungen haben, es gebe sogar ein so genanntes "Wind Turbinen Syndrom". Die letzte große Studie zum Thema wurde 2007 von einer Expertenkommission veröffentlicht.

"Infraschall kann Körperteile in Mitschwingung bringen"

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Der Mediziner Kuno Veit weist seit zehn Jahren auf mögliche Gefahren des Infraschall hin.

Kuno Veit erklärt: "Da heißt es, dass Infraschall im Körper durch Resonanzprobleme zu Störungen führt. Das heißt, diese niedrigen Schwingungen, die der Infraschall darstellt, können Körperteile in Mitschwingung bringen. Und das ist das, was den Infraschall gefährlich macht." Infraschall kann den Gleichgewichtssinn stören, Bluthochdruck erzeugen und laut EU-Arbeitsschutz dürfen schwangere Frauen nicht im Bereich von Infraschall arbeiten.

Doch keine Gesundheitsgefahr zu erwarten?

Ungeklärt ist die Frage, welchen Mindestabstand Windkraftanlagen als Quelle von Infraschall von Wohngebäuden einhalten sollen. Das Bundesumweltamt empfiehlt, das Risiko zu erforschen. Schleswig-Holsteins Energiestaatssekretärin Ingrid Nestle sieht aber keinen Bedarf: "Es haben sich viele Fachgremien schon intensiv mit der Frage beschäftigt und die sind explizit für die Windenergie. Sie sind zu dem Schluss gekommen - bei den Abständen, die wir haben und nach allem, was man heute weiß -, dass da keine Gesundheitsgefährdung zu erwarten ist."

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Wo stehen Windräder in Schleswig-Holstein?

Die Karte zeigt die Windkraftanlagen, die das Land seit 1990 genehmigt hat (Quelle: Umweltministerium). Inzwischen stehen in Schleswig-Holstein etwa 3.000 Anlagen - vor allem an der Westküste. Video (00:28 min)

Dabei dürfen Windkraftanlagen in Schleswig-Holstein bis zu 400 Meter nah an Gebäuden stehen. Der Mediziner und Windkraftgegner Kuno Veit kritisiert die Aussage der Staatssekretärin: Die Aussage, es sei kein Problem oder ungefährlich, sei im Grunde aus der Luft gegriffen. "Es ist nicht untersucht worden. Und das finde ich ganz schön dreist", sagt Veit.

Dänemark baut zurzeit keine Windräder

Die dänischen Nachbarn bauen zurzeit keine neuen Windräder, weil sie die Ergebnisse von einer von der Regierung in Auftrag gegebenen Studie zum Thema Infraschall abwarten wollen. Das wünscht sich Kuno Veit eigentlich auch für Schleswig-Holstein. Bis das Gesundheitsrisiko durch Infraschall genau untersucht ist, fordern er und die Gegner mindestens drei Kilometer Abstand zwischen Windkraftanlagen und Gebäuden.

Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Magazin | 11.01.2016 | 19:30 Uhr