Stand: 19.08.2017 10:00 Uhr

Im Kaffee liegt die Kunst

von Lisa Pandelaki

Mit einem dumpfen Schlag treffen die beiden Holzlatten aufeinander und zerquetschen die leere Kaffeekapsel zu einem flachen Taler. Mit einer Heißklebepistole fügt Regine Broscheit zwei solcher Taler zusammen. Dann verziert sie sie mit einem Schmuckstein und legt das Ganze zum Trocknen zur Seite. Ein weiterer Kettenanhänger ist so gut wie fertig. Nur etwa zwei Minuten dauerte der Vorgang. Allerdings ist der Kleber erst in 24 Stunden vollständig getrocknet, erst danach kann der Anhänger zu den anderen in die Schmuckschatulle wandern.

Kunst aus Kaffeekapseln

Idee kam durch eine Bekannte

Regine Broscheit ist eigentlich Prophylaxehelferin beim Zahnarzt. Schmuck fertigt sie nach Feierabend oder am Wochenende. "Nachdem unser Sohn ausgezogen war, brauchte ich eine Freizeitbeschäftigung. Zuerst habe ich angefangen, Perlenketten zu machen, und vor drei oder vier Jahren sind dann die Ketten aus Kaffeekapseln dazugekommen", erzählt die 58-Jährige. Auf die Idee kam sie durch eine Bekannte. Die brachte aus einem Urlaub in Süddeutschland einen Kettenanhänger aus Kapseln mit. An dem Schmuckstück waren Steine abgegangen und die Bekannte fragte Broscheit, ob sie das wieder hinkriegen könnte. Sie konnte - und so kam die Idee des Kaffeekapselschmucks nach Borstel-Hohenrade im Kreis Pinneberg.

"Eigentlich bin ich Teetrinker"

Der Tisch in dem kleinen Zimmer mit schwarz-weiß gemusterter Tapete und dem roten Teppich ist mit Bastelzubehör bedeckt. Eigentlich ist es das Esszimmer des Ehepaares, doch solange kein Besuch ansteht, kann Regine Broscheit sich hier ausbreiten. Da stehen Kisten mit Perlen und Schmucksteinen, Döschen mit Glitzer, Zangen, Schmuckkleber, eine Klebepistole, eine Schatulle mit fertigen Anhängern und ein Schuhkarton mit gereinigten Kaffeekapseln in verschiedenen Farben. "Ich selbst trinke nur ganz selten Kaffee, eigentlich bin ich Teetrinker", verrät Regine Broscheit. "Mein Mann muss immer den Kaffee trinken, von dem ich gerade die Farbe brauche", fügt sie hinzu und schmunzelt.

Ehemann bastelt mit

Zu Beginn der Bastelarbeiten hatten die Broscheits nur eine Filterkaffeemaschine. Regine Broscheit kaufte die Kapseln, die sie für ihren Schmuck brauchte, ging damit zu Freunden und bat sie, ihr die benutzten Kapseln zurückzugeben. Doch das waren auf Dauer zu viele - und so kaufte ihr Mann eine entsprechende Kaffeemaschine. Zwei bis drei Tassen Kaffee am Tag trinkt er nun für die Bastelleidenschaft seiner Frau. Und manchmal setzt er sich zu ihr ins Esszimmer und bastelt ein bisschen mit.

Pure Entspannung

Gegenüber von Regine Broscheits Bastelplatz geht ein Fenster in den grünen Vorgarten. Doch ihr Blick ist fest auf die Aluminiumtaler vor sich gerichtet. Ein Klecks Heißkleber, Taler auflegen, zusammenpressen. Kurz erhebt sie sich von ihrem Stuhl, aber nur, um über den Tisch zu greifen und einen blauen Schmuckstein aus einer der Kisten zu nehmen. Den befestigt sie mithilfe von Schmuckkleber und einer Pinzette auf dem blauen Untergrund. Was ihr dabei durch den Kopf geht? Gar nichts. "Manchmal, wenn ich kaputt und genervt bin von der Arbeit, setze ich mich hin - und nach einer Stunde geht's mir besser." Das Basteln ist für sie reine Entspannung.

Schmuckstand auf Hobbymärkten

"Es gibt Tage, da ist man sehr kreativ, an anderen überhaupt nicht und dann kommt auch nichts zustande", sagt Broscheit während sie sich über ihr Schmuckstück beugt. Alle Kettenanhänger fertigt sie nach ihrem eigenen Geschmack. Und trifft damit anscheinend auch den Geschmack von anderen. Gemeinsam mit einer Freundin steht sie immer wieder auf Hobbymärkten in der Umgebung und bietet ihre Kunst zum Verkauf. Zehn Euro kostet ein Anhänger im Schnitt. Ketten in verschiedenen Ausführungen gibt es auf Wunsch auch zu kaufen.

Es geht nicht ums Geld

An guten Tagen nimmt sie am Ende des Marktes eine leere Schatulle mit nach Hause. 24 Anhänger hat sie dann verkauft. Doch auch wenn es mal nicht so gut läuft - Regine Broscheit geht es bei der Fertigung nicht ums Geld. Es geht um die Freude am kreativen Arbeiten und um einen Ausgleich zum Alltag. Und dafür, dass ihr Mann sie so toll unterstützt, führt sie ihn nach jedem Markttag zum Essen aus -  bezahlt von dem Geld aus dem Verkauf des Kaffeekapsel-Schmucks. Aber bis es das nächste Mal soweit ist, greift Regine Broscheit erst noch einmal in den Karton mit den Kaffeekapseln und macht sich an den nächsten Anhänger.

Dieses Thema im Programm:

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