Stand: 29.03.2017 20:46 Uhr

Hungerlöhne in SH - Berater helfen Ausländern

Nur zwei Euro Stundenlohn fürs Tellerwaschen, keine Krankenversicherung, mangelnder Gesundheitsschutz: Vor allem Menschen aus den östlichen EU-Staaten und Flüchtlinge nehmen teils extreme Arbeitsbedingungen in Kauf, wenn sie in Schleswig-Holstein arbeiten. "Vor einigen Wochen haben wir mit dem Bus direkt an einer Baustelle in Wedel vier Rumänen samt Gepäck abgeholt und ihnen umgehend Bustickets zurück in ihre Heimat besorgt", berichtete Horst Hopmann vom Verein "Arbeit und Leben in Schleswig-Holstein". Die Männer hätten keinen Lohn bekommen und auf dem Betonboden einer Baustelle schlafen müssen. Um solche Zustände zu ändern, gibt es nun eine Beratungsstelle speziell für ausländische Arbeitskräfte.

Land spendiert mehr als 300.000 Euro

Hopmanns Verein ist eng mit dem Deutschen Gewerkschaftbund (DGB) verbunden und betreibt die neue Beratungsstelle. Dazu gehört auch ein Bus, mit dem die Berater direkt zu Betroffenen im ganzen Land fahren. Vor Ort bieten sie Hilfe in verschiedenen Sprachen an- etwa Polnisch, Bulgarisch, Rumänisch, Ungarisch und Arabisch. Arbeitsminister Reinhard Meyer (SPD) lobte das Projekt und überreichte dem Verein am Mittwoch einen Förderbescheid über 326.000 Euro. "Viele EU-Bürgerinnen und Bürger kommen zu uns, arbeiten in Deutschland. Aber auch durch die Sprachbarrieren wird da einfach nicht nachgefragt", erklärte Meyer im Interview mit NDR 1 Welle Nord.

Oft menschenunwürdige Unterkünfte

Ausbeutung und menschenunwürdige Praktiken gebe es zum Beispiel in Schlachthöfen, auf Werften, Feldern, dem Bau oder in der Gastronomie, berichtete der Vorsitzende des DGB Nord, Uwe Polkaehn, bei der Eröffnung der Beratungsräume. Er schilderte die Erfahrung eines Flüchtlings, der zwei Euro pro Stunde fürs Tellerwaschen erhalten habe. Von diesem Dumpinlohn sei dann noch das Geld für die Unterkunft abgezogen worden, so Polkaehn. Eine solche Unterkunft sei oft menschenunwürdig, aber teuer - in manchen Fällen würden dafür 200 Euro verlangt.

Beratung nicht nur für EU-Bürger

Die Mitarbeiter der neuen Beratungsstelle helfen nicht nur in Extremfällen, sie beantworten auch alle Fragen rund ums Arbeitsrecht: Wie viele Wochenstunden darf ich arbeiten, wie hoch ist der Mindestlohn und wann habe ich Anspruch auf eine Pause? "Wir helfen Arbeitsnehmern nicht nur aus EU-Ländern, sondern auch aus anderen Staaten", betonte Hopmann. Das sei eine Besonderheit im Vergleich zu ähnlichen Projekten.

 

Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Magazin | 29.03.2017 | 19:30 Uhr

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