Stand: 09.03.2016 19:41 Uhr

Lauenburg: Neue Mauer soll die Altstadt schützen

Seit dem Hochwasser 2013 wird in Lauenburg intensiv um einen nachhaltigen Hochwasserschutz gestritten. Damals waren Teile der tief gelegenen Altstadt überflutet worden. Mehrere hundert Anwohner mussten deshalb für eine Woche ihre Häuser verlassen. Das Land will jetzt bestehende Mauern verstärken und abschnittsweise eine neuneinhalb Meter hohe, vorgesetzte Mauer bauen. Sie soll im Notfall um weitere anderthalb Meter durch Aufsätze erweitert werden. "Ziel ist es, dass der Wohnraum in der Lauenburger Altstadt künftig trocken bleibt, das Möbelrücken wegfällt", sagte Umweltminister Robert Habeck (Grüne) am Mittwochabend in Lauenburg.

Was müssen die Anwohner zahlen?

Die geplante Verbesserung des Hochwasserschutzes der Lauenburger Altstadt kostet voraussichtlich knapp 19 Millionen Euro. "Die Baukosten für den klassischen Altstadtbereich liegen bei 16 Millionen Euro", sagte Habeck. Hinzu kämen etwa 2,5 Millionen Euro Investitionskosten. "Da ist vielleicht aber noch etwas einzusparen." Inklusive weiterer - zum Teil bereits erfolgter Schutzmaßnahmen wie im Bereich des Stecknitzdeiches und der Palmschleuse - liegen die Gesamtkosten demnach bei 34 Millionen Euro. Nach Ministeriumsangaben tragen Bund und Land zusammen 80 Prozent der Kosten. Den Rest müssen die Stadt Lauenburg beziehungsweise die Anwohner beisteuern. "Unser Ziel ist es, dass die Bürger nicht mit den kompletten 20 Prozent belastet werden", sagte Lauenburgs Erster Stadtrat Jens Meyer.

Bürger finden Beteiligung ungerecht

Im niedersächsischen Hitzacker wurden schon nach 2002 mobile Spundwände angeschafft. Hohnstorf, genau gegenüber von Lauenburg, hat Deiche verstärkt und erhöht - bezahlt vom Land Niedersachsen und durch Deichverbände. Nur noch Lauenburgs Altstadt steht den Fluten weiterhin schutzlos gegenüber. Viele Lauenburger empfinden es als ungerecht, dass sie sich an den Kosten beteiligen sollen. "Auf Sylt wird so viel Sand aufgespült und über den Küstenschutz - sprich über alle Bundesbürger - finanziert", sagte Anwohnerin Dodo Mayer-Gevert dem Schleswig-Holstein Magazin.

Baubeginn in zwei Jahren möglich

Faktisch könne die Arbeit sofort beginnen, sagte Habeck. Zuvor seien aber Ausschreibungen nötig. "Nach meiner Schätzung kann in Lauenburg in zwei Jahren gemörtelt werden." Er wollte sich nicht konkret festlegen, wie lange die Arbeiten dauern werden. Grundlage der Pläne sind die Ergebnisse von zwei Gutachten zum geologischen Schichtaufbau und der Tragfähigkeit des Untergrundes, deren Ergebnisse am Mittwochabend in Lauenburg vorgestellt wurden.

Habeck: "Promenade brauchen wir nicht"

Vor gut einem Jahr hatte das Umweltministerium in Kiel die beiden Baugrunduntersuchungen in Auftrag gegeben. Dabei ging es besonders um die Frage, ob der Elbhang möglicherweise vom Abrutschen bedroht ist und ob Spundwände das verhindern könnten. Die Experten sind der Ansicht, eine Spundwand müsse nicht gebaut werden. "Das Elbhang rutscht nicht, zumindest nicht wegen des Hochwassers", sagte Habeck NDR 1 Welle Nord. "Entsprechend hat sich die Spundwand erledigt. Wir brauchen die nicht und auch nicht die Promenade vor der Stadt."

Stadtrat Jens Meyer bezeichnete die Altstadt als Kulturdenkmal. "Dieses bedarf eines besonderen Schutzes", sagte er. Aus Sicht der Kommune spiele dabei keine Rolle, ob dieses Projekt "5, 10, 20 oder 30 Millionen Euro kostet".

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Schleswig-Holstein Magazin | 09.03.2016 | 19:30 Uhr