Stand: 18.07.2017 08:16 Uhr

Hochleistungskabel sorgen für Ärger bei Landwirten

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Experten befürchten, dass die Kabel das Ökosystem durcheinanderbringen.

Der Netzausbau im Norden ist ein wichtiger Bestandteil der Energiewende. Riesige Stromleitungen sollen schon bald Windenergie von Schleswig-Holstein nach Süddeutschland transportieren. Seit einiger Zeit ist klar, dass ein Großteil davon unterirdisch verlaufen wird. Die 380 kV starken Erdkabel gelten für viele als Alternative zu Hochspannungsleitungen. Doch nun schlagen Landwirte Alarm. Denn sie fürchten, dass auf den 20 Meter breiten Streifen über den Kabeln das Ökosystem durcheinander gerät, der Boden geschädigt wird und dort nichts mehr wächst. Der Grund: Böden von Äckern könnten sich um bis zu 50 Grad erwärmen.

Tennet und Landwirtschaftsministerium sehen weniger Probleme

Der Stromnetzbetreiber Tennet und das Landwirtschaftsministerium in Kiel sehen die Lage weniger dramatisch: Man gehe davon aus, dass lediglich Bäume mit tief liegenden Wurzeln nicht mehr auf den Flächen wachsen werden. Daher sei man bereit, den Landwirten eine einmalige Entschädigung zu zahlen. Kommt es zu Ernteausfällen, bekommen die Landwirte laut dem Netzbertreiber einen weiteren Ausgleich.

Nicht genug, findet der betroffene Landbesitzer wie Tile Abel: "Diese Dinge sind nicht einfach so wieder herzustellen, wie sie einmal waren. Es wird Generationen dauern, bis sich der Boden wieder beruhigt hat." Er komme sich vor wie ein Versuchskaninchen.

Einmalige Entschädigung ist Bauern zu wenig

Der Bauernverband will erreichen, dass die Grundbesitzer regelmäßig und immer wieder Gebühren bekommen für die Flächen, um die es geht, also wie bei einer Pacht oder einer Miete. Tennet-Sprecher Mathias Fischer hält das für überzogen und gibt zu bedenken, dass all diese Zahlungen auf den Strompreis umgelegt würden.

Abel und 30 Mitstreiter aus dem Kreis Segeberg wollen nun Einspruch gegen die Planung von Tennet einlegen, um im Idealfall zu erreichen, dass die Trassen nicht über ihre Felder verlaufen. Volker Wolfram ist landwirtschaftlicher Sachverständiger und forscht in Niedersachsen seit den 80er-Jahren zu landwirtschaftlich genutzten Böden und teilt die Bedenken der Landwirte: Es könne sein, dass auf den Flächen über den Leitungen gar nichts mehr wächst und man dann vielleicht breite Schneisen in den Feldern sieht - oder dass Pflanzen zu völlig untypischen Jahreszeiten sprießen.

Der Baustart für die 132 Kilometer lange Stromautobahn im Osten Schleswig-Holsteins ist für 2019 geplant. Drei Jahre später sollen die Kabel dann komplett verlegt sein.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 18.07.2017 | 06:00 Uhr

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