Stand: 19.09.2016 16:30 Uhr

Hat Carsharing auf dem Land eine Chance?

von Niels Walker, NDR Info

Carsharing erfreut sich in Großstädten wachsender Beliebtheit. Doch auf dem Land gibt es noch kaum Angebote. Die nordfriesische Gemeinde Klixbüll weiß sich mit einem eigenen Carsharing-Projekt zu helfen.

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Das "Dörpsmobil" der Gemeinde Klixbüll hat derzeit eine Auslastung von etwas mehr als zwei Stunden pro Tag.

Klixbüll ist nicht groß. 968 Menschen wohnen hier entlang einer sehr langen Straße in der Nähe in Nordfriesland. Dänemark ist nicht weit, die Nordsee auch nicht. Hier gibt es viel Landwirtschaft, viele Windkraftanlagen und seit fünf Monaten ein Elektroauto zum Teilen: "Wir fahren lieber mit Strom vom Deich als mit Öl vom Scheich", sagt Hauke Harder. Er ist Mitinitiator des örtlichen Dörpscar-Vereins. Viele im Dorf seien mit Windenergie zu Geld gekommen, berichtet Harder. Gemeinsam habe man so die Anschubfinanzierung für ein Elektroauto leisten können. Die laufenden Kosten sollen durch die Nutzungsgebühr gedeckt werden: 3,50 Euro pro Stunde. Dieses Modell rechnet sich jedoch nur, wenn die Auslastung hoch genug ist: "Wenn man diese Pauschale hochrechnet für die finanziellen Bedürftigkeiten, die wir in einem Monat haben, benötigen wir eine Auslastung von drei Stunden pro Tag, damit sich das Projekt trägt."

Professionelle Anbieter haben es schwer

So weit sind die Klixbüller noch nicht. Derzeit liegt die Auslastung bei etwas mehr als zwei Stunden pro Tag. Das mag daran liegen, dass erst sieben Menschen das Auto aktiv nutzen. Professionelle Anbieter gibt es auf dem Land noch nicht. "Ein Carsharing-Auto muss gereinigt werden, und man muss sich um die Technik kümmern", sagt Carsten Redlich vom Carsharing-Anbieter Cambio, der in vielen mittelgroßen Städten im Norden vertreten ist. Bei Cambio würden diese Aufgaben von festangestelltem Personal erledigt. In ländlichen Regionen funktioniere das nicht. Dort sei man vielfach auf Ehrenamtliche angewiesen. meint Redlich.

Mehr Nutzer von der Idee überzeugen

So ist es auch in Klixbüll. Hauke Harder ist ein Überzeugungstäter. Doch auch er weiß, dass er mehr Nutzer anwerben muss. Damit am Ende der Leasingphase für das Carsharing-Auto das Projekt nicht scheitert. Zurzeit versucht er, seine Nachbarin zu überzeugen. Wenn das gelänge, gäbe es in Klixbüll acht Menschen, die am Carsharing teilnehmen. In Unternehmenszahlen hieße dies: ein Zuwachs von 14 Prozent.

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NDR Info | 20.09.2016 | 07:41 Uhr

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