Stand: 29.04.2016 16:11 Uhr

Hans Böbs: 5.000 Meilen allein auf See

von Benedikt Stubendorff

"Für mich war das eine tolle Reise. Und wenn mir dafür noch der Bauch gekrault wird - das finde ich toll", Hans Böbs lacht. Seine "Snowball" ist schon wieder zurück aus dem Winterlager. Leise schwappt das Wasser gegen die Bordwand der weißen, zehn Meter langen Stahljacht. Von einem der dicken Eichenpoller schielt eine Möwe rüber in die Plicht, in der es sich der 63-Jährige auf einem ausgeblichenen roten Sitzkissen bequem gemacht hat. Die wasserblauen Augen blitzen, wenn er von seiner Leidenschaft dem Segeln erzählt. "Das ist viel ursprünglicher als die christliche Seefahrt", erzählt er. "Viel archaischer. Ich bin kein Regattasegler. Segeln ist für mich 'auf zu fernen Ufern'". Er liebt das Ursprüngliche, das Kochen an Bord mit einfachsten Mitteln. Vor ein paar Jahren hat Böbs das Brotbacken für sich entdeckt. Das ist für ihn Ernährung und Beschäftigung auf den langen Törns.

Commodore-Preis für 4.965 Seemeilen in 64 Tagen

Drei Monate im Jahr muss er aufs Wasser

Drei Monate ist der schlanke Mann mit dem eisgrauen Vollbart jedes Jahr unterwegs. Meistens 'Einhand', wie es in der Seglersprache heißt - also alleine. Und seine Frau ist dann - ebenfalls alleine - für den gemeinsamen Schmuckladen in der Nähe des Travemünder Fischereihafens verantwortlich. "Sie sagt, ihr ist es lieber, neun Monate einen zufriedenen Mann um sich zu haben, als zwölf Monate einen, der immer quengelt, dass er segeln gehen will."

Commodore-Preis für 64 Tage Einhand-Segeln

In einer polierten Holzkiste steht der "Commodore-Preis“ - auf einem Schrank im ehemaligen Kinderzimmer seiner Tochter. Der Preis ist die höchste Auszeichnung, die der Deutsche-Segler Verband für eine 'breitensportliche Reise' vergibt. 1988 hat Hans-Otto Schümann, dreifacher Admiral's-Cup-Gewinner, den goldglänzenden Sextanten als 'ewigen Wanderpreis für eine besondere Leistung im Fahrtenwettbewerb' gestiftet. Und jetzt ist auf dem Sockel des Sextanten schon das dritte Messingschild mit "Hans Böbs" graviert.

Abwettern unter Deck mit Schokolade

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Dick eingemummelt übersteht Hans Böbs selbst Nebel und viel Wind.

4.965 Seemeilen, umgerechnet 9.195 Kilometer, in 64 Tagen - das war der Törn, für den der Treavemünder 2015 zum dritten Mal mit dem Preis geehrt wurde. Es ging vom Fischereihafen Travemünde durch den Nordostseekanal nach Cuxhaven - dann weiter durch die Nordsee, den Ärmelkanal und den Nordatlantik bis zu den Azoren. "Das war eigentlich eine klassische Reise rund um das Azorenhoch", erklärt der ehemalige Nautiker: "Auf der Ostflanke nach Süden und auf der Westflanke wieder nach Norden. An der irischen Westküste entlang, durch die Hebriden, den kaledonischen Kanal, Skagen, Skagerrak und wieder zurück nach Hause."

Gefährlich sei das eigentlich nie gewesen, sagt der erfahrene Seemann. Naja, es hätte ein paar Mal Nebel gegeben und auch viel Wind, und von Irland nach Schottland rüber, da hätte er in "richtig dickem Wetter gesteckt". Mit Mühe und Not sucht Hans Böbs einen Ankerplatz für seine "Snowball". In einer einsamen, wellengeschützten Bucht lässt er schließlich den Anker fallen. "Ringsherum ist es stockfinster. Kein Licht an Land. Der Wind heult durch die Wanten, der Regen prasselt nur so auf das Oberdeck", erzählt er. "Das war einfach großartig. Unten - unter Deck - der Ofen an, Essen auf dem Herd, hinterher 'n kleiner Whisky, ein Stück Schokolade, Musik an. Wie eine Raumkapsel im 'Outer Space', so habe ich mich gefühlt. Keiner wusste, wo ich bin. Das war einfach richtig klasse."

Berufswunsch als Knirps: Kapitän

Die Begeisterung für die See und die Seefahrt hat Hans Böbs schon, seit er denken kann. Sein Vater befeuerte seinen Kindheitswunsch, Kapitän zu werden. Immerhin ist es eine Familientradition. Und Böbs macht schließlich sein Kapitänspatent und fährt einige Zeit zur See. "Wie das Leben so spielt, hat sich dann was anderes ergeben und ich habe damit aufgehört." An Land betreibt er mit seiner Frau Andrea Läden mit maritimem Schmuck. Die Muschel, der Seestern, der Fußabdruck im feuchten Sand - gemeinsam versuchen sie, in ihren Kollektionen den 'Geist des Meeres' wiederzugeben.

Nächster Törn ist ein Geheimnis

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Die "Snowball" ist bereit für das nächste Abenteuer.

Der Fahrtensegler sitzt schon wieder auf gepackten Seesäcken. Im Mai soll es mit seiner "Snowball" wieder losgehen. Das Ziel bleibt geheim. "Das kann nämlich beim Segeln leicht passieren, dass man nicht da war, wo man groß angekündigt hat, hinzufahren. Dann heißt das schnell 'Naja, das war wohl nicht so doll diesmal', obwohl man trotzdem vielleicht 'ne tolle Reise gemacht hat". Deswegen pflegt Hans Böbs immer erst hinterher zu erzählen, wo er war. "Ich bin bereit", strahlt er.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Von Binnenland und Waterkant | 29.04.2016 | 20:50 Uhr

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