Stand: 15.02.2017 14:06 Uhr

Habeck: "Schmeißt keine Tabletten ins Klo!"

Antibiotika, Psychopharmaka oder Schmerzmittel: In nahezu allen Seen, Flüssen und Bächen in Deutschland können Arzneimittelrückstände nachgewiesen werden. Diese sind zwar nicht für Menschen gefährlich - für Fische, Frösche aber auch Pflanzen können sie laut Umweltministerium jedoch schon bei geringen Konzentrationen gefährlich werden. Ein möglicher Grund für die Verunreinigung: Viele Deutsche spülen abgelaufene oder überflüssige Medikamente einfach in der Toilette herunter. Um Flora und Fauna zu schützen, hat Umweltminister Robert Habeck (Grüne) am Mittwoch in Kiel eine Informationskampagne vorgestellt. Sie soll darüber aufklären, wie Verbraucher ihre Medikamente richtig entsorgen.

Pillen gehören in den Hausmüll

In einem Flyer, den das Umweltministerium herausgegeben hat, wird beschrieben, wie Medikamente richtig entsorgt werden: Pillen bleiben hierfür im Blister und Hustensäfte in der Flasche. Anschließend können Verbraucher sie regulär in den Hausmüll werfen oder - je nach Kreis - auf den Recyclinghof bringen. Wie die Entsorgung in welchem Kreis läuft, all dies steht ebenfalls im Informationsblatt des Ministeriums, das demnächst landesweit in Arztpraxen und Apotheken ausliegen soll.

Schmerzmittel in kleinen Dosen

Allein in Schleswig-Holstein haben Experten nach Angaben des Umweltministeriums neun medizinische Wirkstoffe bei Gewässerproben entdeckt. Dabei wurden die Proben direkt hinter fünf unterschiedlichen Kläranlagen im Land genommen. Unter den gemessenen Stoffen waren nicht nur Anti-Depressiva und -Biotika, sondern auch Röntgen-Kontrastmittel und Schmerzmittel - ganz vorn der Wirkstoff Diclofenac. Die gemessenen Konzentrationen seien jedoch allesamt "unterhalb therapeutischer Dosen", sagte Apothekerkammer-Geschäftsführer Frank Jaschowski. Um eine Wirkung zu erlangen, müsste ein Schwimmer schon mindestens 1.000 Liter Wasser trinken, so seine Einschätzung. Er geht davon aus: "10 bis 20 Prozent der Medikamente landen garantiert irgendwann auf dem Müll."

Tiere verweiblichen oder bekommen Nierenschäden

Einer Studie des Instituts für sozial-ökologische Forschung zur Folge entsorgt jeder zweite Deutsche seine flüssigen Medikamente in Ausguss oder Toilette. 20 Prozent der Verbraucher entsorgen laut Untersuchung feste Medikamente über diesen Weg. Wenn die Tiere diese über das Wasser aufnehmen, können sie Nierenschäden bekommen, andere Arten verweiblichen oder bekommen Kiemenschäden.

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NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 15.02.2017 | 17:00 Uhr

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