Stand: 28.06.2017 05:00 Uhr

Günther vor der Wahl: "Klar bin ich aufgeregt"

Der Koalitionsvertrag in Schleswig-Holstein ist unter Dach und Fach. CDU, Grüne und FDP haben sich auf ein "Jamaika"-Bündnis verständigt. Heute folgt nun der nächste Akt. CDU-Landeschef Daniel Günther will sich zum Ministerpräsidenten wählen lassen. Wir übertragen die Wahl ab 10.15 Uhr im Video-Livestream. Vor der Wahl ist ihm vieles durch den Kopf gegangen. Bin ich der Aufgabe gewachsen? Wie wirkt sich das Amt auf mein Privatleben aus? NDR.de hat mit Günther darüber gesprochen.

Die Wahl zum Ministerpräsidenten steht bevor. Können Sie das eigentlich schon fassen?

Daniel Günther: Langsam wird mir bewusst, was da auf mich zukommt. Ich habe mich natürlich immer damit beschäftigt: Was ist, wenn du die Wahl gewinnst? Ich habe versucht, das in den letzten Wochen auszublenden, als die ganzen Verhandlungen liefen, weil darauf der Fokus stehen musste, dass man wirklich einen guten Koalitionsvertrag aushandelt. Aber jetzt ist das sozusagen vorbei. Mir wird immer mehr bewusst, welche verantwortungsvolle Aufgabe auf mich zukommt. Ich nehme das alles mit Demut - auch mit großem Respekt - vor diesem wichtigen Amt auf.

Sind Sie aufgeregt?

Günther: Ich bin aufgeregt, wenn ich an den Tag denke. Wenn ich an die Zeit danach denke, wenn ich dieses wichtige Amt ausübe. Natürlich stelle ich mir die Frage, wie es wohl jedem geht, der wirklich ein neues Amt annimmt: Kann ich das überhaupt? Wie viel Arbeit kommt da auf mich zu? Wie viele Entscheidungen muss ich treffen? Was muss ich da alles tun?

Wer wird Sie begleiten?

Günther: Auf der Besuchertribüne wird meine Familie sitzen - meine Frau, mein Vater und meine Geschwister. Mein Bruder reist extra aus Süddeutschland an, um bei dem Erlebnis live dabei zu sein. Ein paar enge Freunde sitzen auch auf der Tribüne. Diejenigen, die ich mir auch wünsche, dass sie mit dabei sind, kommen glücklicherweise alle.

Haben Sie mal gedacht, Ministerpräsident zu werden? Geht damit ein Traum in Erfüllung? Oder ist das eher ein Ergebnis von Zufällen?

Günther: Eher ein Ergebnis von Zufällen. Ich glaube, mir wird schon nachgesagt, dass ich durchaus ehrgeizig bin. Aber, dass ich immer gesagt hatte, ich will dieses Amt irgendwann mal erreichen, das konnte ich nie feststellen. Ich finde das total beeindruckend. Jemand, der wie ich Wahlkampf für Gerhard Stoltenberg gemacht und seinen Bundestagswahlkampf geleitet hat, da muss ich mich schon ab und zu mal kneifen, dass derjenige, den ich immer bewundert habe, der für mich großes Vorbild ist und elf Jahre lang erfolgreicher Ministerpräsident war. Dass ich dieses Amt jetzt auch selbst ausüben werde - wenn alles gut geht. Es ist für mich wirklich ein ganz einschneidendes Erlebnis.

Das zukünftige Kieler Kabinett

Wer Sie noch nicht kennt: Wo kann man Sie einsortieren - konservativ, ein bisschen grün?

Günther: Ja, es darf jetzt bitte nicht beliebig klingen. Ich würde mich schon eher als liberalen Konservativen bezeichnen. Ich bin eher konservativ, was innere Sicherheit angeht. Mir ist schon wichtig, dass der Staat auch dafür sorgt, dass sich die Menschen sicher fühlen. Was Gesellschaftspolitik angeht, bin ich sicherlich sehr liberal. Auch in der CDU liberal. Ich habe nie einen Hehl daraus gemacht, dass es mir überhaupt nicht schwerfällt, die Ehe für alle zu vertreten. Das finde ich überhaupt keinen Kompromiss, den wir geschaffen haben, sondern meine persönliche Meinung. Bin eher stolz darauf, dass dies im Koalitionsvertrag drinsteht.

Denken Sie auch an die Einschränkungen, die das Amt mit sich bringt - Sicherheitsvorkehrungen zum Beispiel?

Günther: Es ist schon immer noch etwas ungewöhnlich, gerade wenn man abends über die Kieler Woche geht und dann sind immer Personenschützer mit dabei. Das war ja vorher eher anders. Ich sehe das aber wirklich völlig entspannt. Das ist für mich keine persönliche Einschränkung, sondern das gehört zum Amt mit dazu. Damit lebe ich wirklich ausgesprochen gut bisher.

Mittlerweile kennt Sie jeder oder lernt Sie kennen. Können Sie Landesvater? Macht das Spaß?

Günther: Das macht mir wirklich Spaß. Bis Mitte April, würde ich sagen, war ich schon bekannt. Es haben mich auch mal Leute angesprochen. Aber jetzt ist es schon so, wenn ich über die Straßen laufe, dann drehen sich viele Leute nach mir um. Bisher zumindest, sehr wohlwollend, aber das ist schon ein schönes Gefühl, muss ich sagen, wenn einem schon jetzt so viele erkennen und positiv auf einen reagieren. Einige wollen Selfies machen und mal mit mir sprechen. Ob man das als Landesvater bezeichnen sollte, dazu fühle ich mich fast noch ein bisschen zu jung. Aber ich glaube schon, dass ich ein guter Repräsentant für Schleswig-Holstein sein werde.

Sie sind auch junger Vater. Wie wollen Sie das Familienleben trotzdem erhalten - bei dem Stress?

Downloads

Koalitionsvertrag von CDU, Grünen und FDP

Der Koalitionsvertrag für die angestrebte Regierung in Schleswig-Holstein von CDU, Grünen und FDP steht. Er umfasst 114 Seiten. Hier gibt es den Vertrag als PDF-Dokument zum Herunterladen. Download (619 KB)

Günther: Ich bin diszipliniert. Die Familie ist mir so wichtig, dass ich dafür auch klar sage, dass es auch Grenzen bei diesem Amt gibt. Ich weiß, dass es ein wahnsinnig anstrengender Job ist, der auch sehr zeitintensiv ist. Aber ich habe auch klare Vorstellungen von dem, was ich will und was ich nicht will. Ich will nicht, dass ich sieben Tage die Woche nichts anderes mache, als Ministerpräsident zu sein. Ich will einen Tag in der Woche für meine Familie haben. Will morgens auch mal etwas später losfahren können, damit ich meine Tochter auch als Ministerpräsident noch sehen kann. Ich will genauso auch mal Urlaub zwischendurch machen mit der Familie.

Gibt es für Sie zwischendurch Urlaub?

Ich werde das jetzt auch im Sommer machen. Auch wenn der eine oder andere sagt: Meine Güte, er ist jetzt erst gerade sein Amt angetreten - nach vier Wochen geht er schon in Urlaub. Ich habe jetzt sieben Monate lang Wahlkampf am Stück gemacht - viele Entbehrungen gehabt und wie jeder andere Schleswig-Holsteiner, der Urlaub braucht, braucht ein Ministerpräsident Urlaub. Das werde ich auch im Amt für mich einfordern.

Das Interview führte Stefan Böhnke, NDR 1 Welle Nord.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 28.06.2017 | 08:00 Uhr

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