Stand: 26.04.2016 15:58 Uhr  | Archiv

Gewässer um Biogas-Anlage stark belastet

von Jörg Hilbert

Eigentlich hatte Panorama 3 die Aktenordner aus dem Frühjahr 2015 schon eingemottet. Damals ging es um Biogasanlagen, die Gräben und Bäche mit Gärsäften verschmutzen. Insgesamt hatten wir Wasserproben aus der Umgebung von sechs Biogas-Anlagen in Niedersachsen und Schleswig-Holstein in einem Labor untersuchen lassen. Das Ergebnis: Alle Proben waren mit Gärsäften, wie sie in der Biogasindustrie anfallen, belastet.

Anlass für die Recherchen war eine Biogas-Anlage in Hennstedt, Kreis Dithmarschen. Damals glichen die Gräben an der Anlage einem Abwasserkanal. Alles deutete darauf hin: Hier sind illegal Gärsäfte in die Gräben eingeleitet worden. Dadurch wird dem Wasser der Sauerstoff entzogen, das ursprüngliche Leben stirbt. Wir haben darüber berichtet, die Wasserschutzbehörde des Kreises war informiert und wollte die Verschmutzungen abstellen.

Ein Mann riecht an einer Wasserprobe

Gewässer um Biogas-Anlage stark belastet

Panorama 3 -

Verschmutze Bäche und Gräben rund um Biogas-Anlagen fand Panorama 3 letzten Sommer. Obwohl die Wasserschutzbehörde eine Überprüfung zugesagt hatte, wurde nichts geändert.

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Neue Hinweise auf Verschmutzungen

Deshalb waren wir erstaunt über einen erneuten Hinweis aus der Region vor einigen Wochen. Was wir dann in Hennstedt zu sehen bekamen, das überraschte uns. Ein kleiner Teich, ganz in der Nähe der Biogas-Anlage war nur noch eine stinkende faulige Brühe. In der Nähe eines Gewächshauses neben der Biogasanlage endeckten wir ein Rohr. Aus dem sprudelte stoßweise, wie von einer Pumpe befördert, stinkendes Wasser direkt in den kleinen Teich. Proben sollten Aufschluss geben, woher das Wasser kam. Das Labor findet Essigsäure (130mg/L) und Ammonium (46mg/L).  Schon mit einem Milligramm Ammonium pro Liter gilt Wasser als belastet. Das Labor teilt uns mit: "Es ergeben sich Hinweise auf eine Kontamination mit Silagesickerwässern." Damit war klar: Die Brühe aus dem Rohr kam offensichtlich wieder aus der Biogas-Anlage.

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Behörde präsentiert anderen Verursacher

Doch ganz so einfach ist es nicht. Aufgeschreckt durch unsere Untersuchungen machte sich auch die Wasserschutzbehörde des Kreises Dithmarschen auf die Suche nach der Ursache für die erneute Verschmutzung. Der Kreis teilte uns mit, die Einleitung sei über eine Pumpe in der Gewächshausanlage erfolgt. Nach Angaben des Betreibers der Gewächshausanlage habe es sich um Kondenswasser gehandelt. Warum allerdings ausgerechnet in Kondenswasser derartig hohe Essigsäure- und Ammoniumwerte vorkommen sollen, zumal die Gewächshäuser schon lange nicht mehr in Betrieb sind, das teilte uns der Kreis nicht mit. Der Betreiber der Anlage bestreitet allerdings nicht, dass über eine Pumpe Wasser in den Teich eingeleitet wurde. Der Biogemüseanbauer hat die Gewächshäuser erst kürzlich übernommen, will dort zukünftig Biotomaten anbauen. Geschäftsführer Rainer Carstens, will nun dafür sorgen, dass nichts mehr in den Teich gepumpt wird. Er sei selbst von dem Vorfall überrascht worden. Man habe nach dem Hinweis durch die Behörde sofort "den Stecker gezogen, damit erst einmal nichts mehr raus geht". Jetzt erforsche man die Ursache und arbeite an einem Entwässerungskonzept.

Biogas-Anlage weiter im Visier

Es ist allerdings zu bezweifeln, dass die leeren Gewächshäuser allein für die neuen Verschmutzungen verantwortlich sein können. Auch, weil unsere Untersuchungsergebnisse auf Gärsäfte aus der Biogas-Industrie hindeuten. Der Landkreis teilte Panorama 3 allerdings dazu mit: Man habe zum Zeitpunkt der Überprüfung keine Einleitung von verunreinigten Flüssigkeiten von der Biogas-Anlage feststellen können. Auch der Projektleiter der Biogas-Anlage, Olaf Brandes, erklärte uns gegenüber, dass die jüngste Verunreinigung "definitiv nicht von der Biogas-Anlage" stammen könne. Er räumt allerdings Probleme bei der Entsorgung von Gärsäften ein. Olaf Brandes ist erst seit wenigen Monaten für die Anlage verantwortlich, auch hier gab es einen Wechsel des Betreibers. Offenbar will Brandes offen mit den Problemen umgehen. Ohne große Umschweife durften wir mit Kamerateam auf das Gelände der Anlage. Klar wurde dabei: Die Sammelbecken für mit Gärsäften belastetes Wasser auf dem Gelände reichen offenbar nicht aus, um die anfallenden Mengen ganzjährig aufzunehmen. Gemeinsam mit der Behörde und Spezialisten werde man nun ein tragfähiges Konzept für die Entwässerung erarbeiten. Damit könnte dann Panorama 3 die Akte Biogas-Anlage Hennstedt endlich einmotten

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Dieses Thema im Programm:

Panorama 3 | 26.04.2016 | 21:15 Uhr

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