Stand: 28.04.2017 05:00 Uhr

Generationswechsel in grünen Stadtoasen

von Hauke von Hallern

Mit einer kleinen Schaufel zieht Dennis Hemmersbach Saatrillen für seine Radieschen im Beet. Immer wieder schaut er dabei auf die Verpackung der Samen und liest in der Anleitung. Aha, einen Zentimeter tief soll die Rille sein. Mit einem Zollstock misst Hemmersbach nach. "Ich bin eben Perfektionist", schmunzelt der 28-Jährige. In der Lübecker Kleingarten-Kolonie Besenkamp gehört er zum "jungen Gemüse", der neuen Generation der Laubenpieper. Laut Landesverband Schleswig Holstein der Gartenfreunde sind Schrebergärten wieder angesagt. Junge Familien machen inzwischen mehr als die Hälfte aller neuen Pächter aus.

Graben, gießen, grillen - Kleingärten im Trend

Gesunde Ernährung als Motivation

Für Hemmersbach ist es die erste Saison im Schrebergarten. "Hier kann ich mich austoben", erklärt er. Eine willkommene Abwechslung, denn er lebt mit seiner Freundin in einer kleinen Stadtwohnung. Die rund 300 Quadratmeter große Grünoase ist praktisch um die Ecke gelegen, nur wenige hundert Meter entfernt. Im Sommer will der gelernte Fahrradmechaniker mehrmals die Woche seinen Kleingarten genießen. Der lädt neben der Arbeit im Gemüsebeet schließlich auch zum Relaxen ein. Hemmersbach deutet auf das kleine Steinhaus mit Terrasse und Springbrunnen: "Ich will hier aber nicht nur grillen und Bier trinken, sondern auch gärtnern." Seine Motivation ist eine gesunde Ernährung. Für diese Saison plant er, vor allem Salat und Kartoffeln anzubauen. Aber erstmal bleibt der Lübecker bei seinen Radieschen und schaut sich auf dem Handy ein YouTube-Video mit Tipps für den Anbau an. "Vom Gemüse-Anbau habe ich wenig Ahnung", gesteht er.

Schrebergärten in Schleswig-Holstein

Sie dienen Stadtbewohnern für die Erholung in der Natur, sollen aber nach dem Vorbild alter Bauerngärten vor allem auch den Anbau von Obst und Gemüse ermöglichen. Heute findet man in Schrebergärten auch Zierpflanzen und Rasenflächen. Nach Angaben des Landesverbandes der Gartenfreunde gibt es rund 50.000 Kleingärten in Schleswig-Holstein. Etwa drei Viertel davon sind im Verband organisiert. Sieben Prozent der Parzellen sind aktuell noch zu haben, meist in kleineren Städten. Wer sich dagegen für einen Kleingarten in großen Städten wie Kiel oder Lübeck interessiert, landet bei einigen Vereinen zunächst auf der Warteliste.

Wie Dennis Hemmersbach geht es vielen Nachwuchsgärtnern. "Junge Menschen haben oft keine Erfahrung im Gemüsebeet und fangen deshalb bei Null an", weiß auch Thomas Kleinworth vom Landesverband der Gartenfreunde. Nach seinen Worten bieten viele Vereine inzwischen Schulungen an, um das nötige Grundwissen zu vermitteln.

Gärtnerische Hilfe von Nachbarn

Doch auch Inga Stolz und Freund Alex Hein, seit gut einem Jahr Besitzer eines Schrebergartens an der Wakenitz, verzichten auf Anfängerschulungen, obwohl ihnen das Know-How fehlt. "Gerade der Anfang war schwer", gesteht der 36-jährige Hein, "wann wird welches Gemüse gepflanzt, wie viel muss gegossen werden, was tut man gegen Schädlinge?" Trotzdem setzt das Paar statt eines Kurses auf Eigeninitiative: "Wir holen uns das Wissen lieber aus dem Internet, und ansonsten haben wir auch hilfsbereite Nachbarn."

"Wollen nicht nur faul in der Hängematte liegen"

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Auf die Idee, sich eine Parzelle zuzulegen, sind Stolz und Hein aus verschiedenen Gründen gekommen. "Für uns ist der ruhige Kleingarten ein Rückzugsort vom stressigen Alltag", erklärt die 28-Jährige. "Aber wir wollen nicht nur faul in der Hängematte liegen, sondern auch anbauen." Lebensmittelskandale hatten die beiden nachdenklich gemacht. Hundertprozentig sicher sein könne man nur, wenn man selbst anpflanzt. "Es ist einfach ein gutes Gefühl zu wissen, was man isst."


Gegenseitige Rücksicht für gutes Miteinander

Was jeder Nachwuchsgärtner auch wissen muss: In Kleingartenvereinen gibt es Regeln. Wichtig ist dabei vor allem die Pflege der Gemeinschaftsanlagen, also Müll sammeln, Rasen mähen, Unkraut jäten. Für Dennis Hemmersbach kein Problem: "Mit den Regeln hier komme ich klar. Es gibt regelmäßige Arbeitseinsätze, daran beteilige ich mich." Auch was die Lautstärke beim gelegentlichen Feiern angeht, nimmt der 28-Jährige Rücksicht und passt sich an. Probleme mit den Nachbarn hatte er bisher nicht, zumal auch sie Rücksicht nehmen. "Ich war auch mal jung", erklärt eine Parzellen-Nachbarin von Dennis. Die 86-Jährige freut sich über den Gärtner-Nachwuchs. "Wenn es was anzupacken gibt, dann sind die jungen Leute sehr hilfsbereit. Dafür gibt es dann auch ein paar Gratis-Tipps fürs Gemüsebeet", schmunzelt die Seniorin.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 28.04.2017 | 08:00 Uhr

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