Stand: 16.10.2017 15:36 Uhr

Garg bittet um Entschuldigung für Medikamententests

von Eike Lüthje, Christian Schepsmeier und Julia Schumacher 

Vor einem Jahr hatte der NDR das erste Mal über dieses Thema berichtet: Ärzte im früheren Landeskrankenhaus Schleswig hatten vom Ende der 50er- bis Ende der 70er-Jahre Medikamente an Heimkindern und an psychisch kranken Erwachsenen getestet - laut NDR-Recherchen sind es mindestens 3.500 Probanden, 1.000 davon Kinder und Jugendliche. Viele der noch lebenden Opfer fordern vom Land, dass dieses Kapitel aufgearbeitet und das Unrecht anerkannt wird. Im Interview mit NDR 1 Welle Nord und Schleswig-Holstein Magazin bat nun Sozialminister Heiner Garg (FDP) um Entschuldigung für das Geschehene.

Garg: "Ich sehe mich in der moralischen Verpflichtung"

Garg sagte wörtlich: "Ich weiß, dass das, was die Menschen erlitten und erduldet haben, im Zweifel - das kann man nicht mit einer Entschuldigung wiedergutmachen. Aber trotzdem sehe ich mich in der moralischen Verpflichtung. Das tue ich auch von Herzen, mich im Namen der Landesregierung für dieses Leid zu entschuldigen."

Der Verband ehemaliger Heimkinder in Schleswig-Holstein sieht darin ein spätes, aber richtiges Signal. Die Landesregierung müsse sich jetzt daran messen lassen, ob sie eine echte Aufklärung ermögliche.

Studie soll bis 2020 fertig sein

Sozialminister Garg hatte vor knapp zwei Wochen angekündigt, dass eine Studie das Thema nun aufarbeiten und Fragen klären soll. Wie viele Menschen genau waren von den Tests betroffen? Welche Belege gibt es, etwa in den Archiven der Pharmafirmen und hatte der Umgang mit Psychiatriepatienten damals vielleicht System? Um das zu beantworten, wird derzeit eine wissenschaftliche Studie ausgeschrieben, sie soll bis Anfang 2020 fertig sein. Nach Informationen von NDR 1 Welle Nord und Schleswig-Holstein Magazin nimmt das Land dafür insgesamt 100.000 Euro in die Hand. Vom Ergebnis dieser Studie hängt laut Garg ab, welche Maßnahmen das Land für die Opfer ergreifen wird.

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Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Magazin | 16.10.2017 | 19:30 Uhr

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