Stand: 20.07.2017 12:36 Uhr

Heißes Eisen im Landtag: Rückkehr zu G9

Weg vom sogenannten Turbo-Abi G8 - zurück zum Abschluss nach neun Jahren: So steht es im Koalitionsvertrag der "Jamaika"-Koalition von CDU, Grünen und FDP. Allerdings haben die Gymnasien die Möglichkeit, bei ihrem bisherigen G8- oder Y-Modell (eine Kombination aus G8 und G9) zu bleiben, wenn die Schulkonferenz dies mit Dreiviertel-Mehrheit beschließt. Im Landtag ging es am Donnerstag um die Umstellung im Schulsystem.

Hürde für Abi nach acht Jahren zu hoch?

Bei der Debatte gab es immer wieder laute Zwischenrufe. Der bildungspolitische Sprecher der SPD-Fraktion, Martin Habersaat, sagte zur Ministerin Prien: "Sie machen keinen besseren Dialog, sie machen gar keinen." Habersaat kritisierte den Plan, dass Schulkonferenzen für ein Festhalten am Abi nach acht Jahren eine Dreiviertel-Mehrheit brauchen und nannte dieses eine "wahnsinnig hohe Hürde". Auch die Grünen kritisierten die ihrer Meinung nach hohe "G8-Hürde". Der SSW appellierte, die Menschen mitzunehmen und nicht über die Köpfe von Eltern, Lehrern und Schülern hinweg zu entscheiden.

Prien: Wir wollen G9 als Regelfall

Die CDU ging in der Debatte dann nicht auf die Frage ein, warum die G8-Hürde für die Schulkonferenzen so hoch gesetzt wurde. Eine flächendeckende Rückkehr zu G9 war ein zentrales Versprechen der CDU im Wahlkampf. Der Umfang der Veränderungen werde sich in Grenzen halten, weil es im Land bereits G9-Erfahrungen gebe, sagte die Bildungsministerin: "Wir wollen G9 als Regelfall an den Gymnasien in Schleswig-Holstein, wir sind dafür gewählt worden und wir werden diesen mehrheitlichen Elternwillen gut vorbereitet und begleitet jetzt umsetzen."

Viele Gespräche geplant

Zunächst einmal will die Bildungsministerin zahlreiche Gespräche führen - mit Schulleitungen, mit Elternvertretern, mit Schülervertretern mit der Lehrergewerkschaft (GEW) oder mit dem Philologenverband. Diese sollen im August und September stattfinden. Ihr sei es wichtig zu prüfen, wie die Reform möglichst ohne Probleme umgesetzt werden kann, so die CDU-Politikerin. Prien kündigte an, den Prozess mit allen Kräften zu flankieren, zu informieren und zu diskutieren. Die notwendige Schulgesetzänderung soll durch die regierungstragenden Fraktionen nach der Sommerpause eingeleitet werden.

Geplante Reform soll 2019/2020 in Kraft treten

Prien geht davon aus, dass die Änderung dann Ende des Jahres in Kraft tritt. Im Januar und Februar hätten dann die Schulkonferenzen das Wort. Die Eltern sollen bereits Ende Februar 2018, wenn sie ihre Kinder für die weiterführende Schulen anmelden, Klarheit haben. In Kraft treten soll die Reform 2019/2020 für die Klassen 5 und 6. "Ich möchte die Schulen nicht mit einer lange andauernden Debatte über G9 belasten", sagte Prien.

Derzeit gibt es 84 sogenannte G8-Gymnasien

Derzeit gibt es nach Angaben des Bildungsministeriums in Schleswig-Holstein 99 Gymnasien, hinzu kommt ein Abendgymnasium. Davon seien 84 sogenannte G8-Gymnasien, in denen auf die Grundschule eine achtjährige Gymnasialzeit folgt. Elf Schulen böten das Abitur nach insgesamt 13 Schuljahren an. Weitere vier hätten sich für das Y-Modell entschieden, bei dem sowohl G8 als auch G9 angeboten wird.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 20.07.2017 | 08:00 Uhr

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