Stand: 02.02.2016 20:58 Uhr

Flughafen Lübeck: Aller guten Dinge sind vier?

Die Gespräche laufen. Klaus Pannen verhandelt mit möglichen Investoren. Mal wieder. Der Lübecker Flughafen und die Privatisierungsversuche - auch für den Insolvenzverwalter ist das mittlerweile ein Dauerthema. Noch im Februar würde er der Öffentlichkeit gerne einen neuen Betreiber präsentieren. Mit drei Bewerbern ist Pannen aktuell noch im Gespräch: "Einer der Interessenten hat ein wie ich meine sehr schlüssiges Konzept, das den Flughafen einbindet in eine wirtschaftliche Tätigkeit, die wiederum sehr erfolgversprechend ist."

Drei Investoren in elf Jahren

Die Lübecker und ihr Flughafen - es ist mittlerweile eine lange Leidenszeit. Der neue Investor wäre der vierte seiner Art. Schon 2006 hatte die Stadt zum ersten Mal versucht, den Flughafen langfristig an einen privaten Betreiber abzugeben. Das Unternehmen "Infratil", ein Flughafenbetreiber aus Neuseeland, stieg damals in Lübeck ein und setzte wohl auf eine starke Partnerschaft mit dem Billigflieger "Ryanair". Als der geplante Ausbau der Landebahn gerichtlich ins Stocken kam, wurde Ryanair immer zögerlicher - und "Infratil" stieg 2009 wieder aus. Es folgte der Ägypter Rady Amar, der im Auftrag eines arabischen Investoren den Flughafen übernahm und scheiterte: 2014 kam es zur Insolvenz. Das letzte Kapitel: Das Intermezzo mit dem Chinesen Chen und seiner "PuRen" Group, das im Herbst in der nächsten Insolvenz mündete.

Flughafen Lübeck: Ein Investor jagt den nächsten

"Im Grunde überflüssig"

Experten sind skeptisch, ob nach drei missglückten Versuchen Bewerber Nummer vier mehr Glück haben kann. "Regionalflughäfen wie der Flughafen Lübeck können sich nicht selbst tragen, das zeigt der Markt nicht nur im Moment, sondern dauerhaft", sagt der Flughafen-Berater Dieter Faulenbach. Im Grunde sei der Airport überflüssig: "Man kann ihn nur sinnvoll betreiben, indem man ihn in ein größeres Geschäftsmodell einbindet und nicht als Einzelflughafen betreiben will."

"Niemand will wissen, ob der Investor gut ist"

Auch die bisherigen Investoren hatten solche Konzepte: Der Ägypter Rady Amar wollte eine Produktionsstätte für Flugzeugteile errichten, der Chinese Chen eine Flugschule für seine Landsleute eröffnen. Welches Modell den neuen Interessenten vorschwebt, ist nicht bekannt. Gerhard Haase von der Lübecker Schutzgemeinschaft gegen Fluglärm glaubt, dass das Konzept die Entscheidungsträger auch kaum interessiert: "Niemand will genau wissen, ob der Investor nun gut ist und ob er es tatsächlich kann. Hauptsache der Flughafen wird weiter betrieben. Das ist die Prämisse von allen und auch von Seiten der Politik."

Fördergelder an Betrieb des Flughafens gebunden

Dass der Betrieb weiterläuft, ist für die Stadt Lübeck finanziell tatsächlich bedeutsam. Sie hat nämlich Fördergelder vom Land erhalten, die aber an den Betrieb des Flughafens gebunden sind. Wird der Betrieb eingestellt, müssen Gelder zurückgezahlt werden. Rund dreieinhalb Millionen Euro wären momentan fällig. Der Betrag sinkt mit jedem Monat, wenn der Betrieb weiter läuft. Außerdem rechnet die Stadtverwaltung in internen Papieren vor, dass bei einem Betriebs-Stopp der Rückbau des Flughafens erfolgen müsse. Kosten: Mehr als 30 Millionen Euro. Allerdings bezweifeln Flughafen-Kritiker wie Gerhard Haase, dass ein Rückbau zwingend vorgeschrieben wäre. Und auch Thorsten Fürther, Fraktionsvorsitzender der Lübecker Grünen, sagt: "Es gibt keinen Automatismus, dass sofort Millionen für den Rückbau fällig werden."

Kapital ausgegangen

Also doch den Laden zumachen? Oder weiter die Hoffnungen in neue Investoren stecken? Lübecks Bürgermeister Bernd Saxe will sich zum Flughafen nicht mehr äußern und verweist auf den Insolvenzverwalter. Klaus Pannens Haltung ist eindeutig: Lieber ein neuer Investor. Auch der Auftritt des Chinesen Chen sei kein totaler Misserfolg gewesen: "Chen hatte angefangen, seine Pläne in die Tat umzusetzen. Das waren nicht nur Träumereien." Ihm sei lediglich das Kapital ausgegangen. Trotzdem habe das Intermezzo etwas gutes gehabt: "Immerhin ist es gelungen, ein Jahr lang den Betrieb aufrecht zu erhalten und auch die meisten Arbeitsplätze für den Moment zu sichern." Pannen glaubt weiter an eine Zukunft für den Lübecker Flughafens.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 01.02.2016 | 19:00 Uhr