Stand: 08.03.2016 18:15 Uhr

Feuerwehreinsatz: Israelis wollen Rechnung zahlen

von Stefan Eilts, Patrik Baab und Eike Lüthje

Die Freiwillige Feuerwehr und ein Landwirt in der kleinen Gemeinde Quarnbek bei Kiel sind im Dezember zu einem ungewöhnlichen Einsatz ausgerückt: Sie mussten den Wagen von zwei bewaffneten, israelischen Sicherheitsleuten aus dem Matsch ziehen. Die beiden Männer hatten sich auf einem gesperrten Uferweg am Nord-Ostsee-Kanal festgefahren. Die israelische Botschaft in Berlin will nun die Kosten für den Einsatz übernehmen. Das geht aus einem Schreiben an den Quarnbeker Bürgermeister hervor, das NDR 1 Welle Nord und dem Schleswig-Holstein Magazin vorliegt.

Mission endet im Matsch

Beamte sollten U-Boot bewachen

Hintergrund des damaligen Einsatzes war die Überführung eines U-Bootes: Die Kieler Werft TKMS hatte das Boot für die israelische Regierung gebaut und eine Woche vor Weihnachten an die neuen Besitzer übergeben. Die beiden israelischen Beamten sollten die anschließende Überführung durch den Kanal in die Nordsee offenbar von Land aus absichern. Sie mussten von der Feuerwehr und einem örtlichen Landwirt mit dem Trecker aus dem Morast gezogen werden. Die Kosten für den Einsatz, rund 1.300 Euro, hatte Quarnbeks Bürgermeister Klaus Langer der israelischen Botschaft vergangene Woche in Rechnung gestellt.

Botschaft: "Wir wollten niemanden verunsichern"

Die Antwort der Botschaft liegt dem NDR vor. Der Gesandte der Botschaft schreibt darin, der Einsatz sei mit den deutschen Behörden koordiniert und gesetzesgemäß gewesen: "Es tut uns leid zu hören, dass dies offenbar Ihren Seelenfrieden gestört hat. Wir wollten niemanden verunsichern."

Langer hatte sich beunruhigt darüber gezeigt, dass die beiden Männer mit Feuerwaffen unterwegs waren, "offenbar im Rahmen geheimdienstlicher Tätigkeit". Im Polizeibericht waren die israelischen Beamten als Mossad-Agenten bezeichnet worden. Auch Feuerwehrleute hatten von Geheimdienst-Mitarbeitern gesprochen. In dem Schreiben der Botschaft ist stattdessen nun von Wachleuten beziehungsweise Sicherheitskräften die Rede.

Quarnbeks Bürgermeister ist zufrieden

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Der Brief der Botschaft an Quarnbeks Bürgermeister liegt dem NDR vor.

Der Gesandte bedankt sich in seinem Brief auch bei den Mitarbeitern der Freiwilligen Feuerwehr und schreibt an den Bürgermeister: "Natürlich steht es Ihnen zu, dafür eine Rechnung zu stellen. Und selbstverständlich bezahlen wir unsere Rechnungen." Kritisch merkt er darüber hinaus an, dass die Rechnung ihren Weg in die Medien gefunden habe, bevor sie in der Botschaft eintraf.

Bürgermeister Klaus Langer zeigte sich zufrieden mit der Antwort. Dass die Botschaft sich nun so schnell melde, freue ihn: "Noch mehr hätte ich mich zwar gefreut, wenn die Botschaft sich gleich nach dem Vorfall gemeldet hätte." Für ihn zähle aber vor allem, dass die Gemeinde nun ihre Auslagen erstattet bekommt - mehr habe er nicht gewollt.

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Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Magazin | 08.03.2016 | 19:30 Uhr