Stand: 17.06.2015 13:40 Uhr

Falsche Lehrerin: Zwei Jahre auf Bewährung

Die Lehrerin, die jahrelang mit gefälschten Zeugnissen unterrichtet hat, ist vom Amtsgericht Kiel zu zwei Jahren Haft auf Bewährung verurteilt worden - wegen Betrugs und Urkundenfälschung. Die Richterin bescheinigte der 50-Jährigen aus Wismar am Mittwoch eine hohe kriminelle Energie. Sie sah es als erwiesen an, dass die Frau zunächst ihr Lehrer-Diplom in Deutsch und Staatsbürgerkunde manipuliert hatte, um als Lehrerin zu arbeiten. Das Diplom stammte aus der DDR. In den folgenden Jahren hatte sie dann immer wieder Urkunden mit Abschlüssen gefälscht, die sie nie erhalten hat, um weiter in dem Beruf tätig sein zu können.

Gericht folgt dem Antrag der Anklage

Sowohl Verteidigung als auch die Staatsanwaltschaft hatten Bewährungsstrafen gefordert. Letztlich folgte das Gericht dem Antrag der Anklage. Die Frau habe einen hohen Schaden angerichtet, aber sie werde nie wieder als Lehrerin arbeiten können, so der Staatsanwalt in seinem Plädoyer: "Sie ist bundesweit bekannt als eine Frau, die keine Staatsexamina hat." Dass sie die gleiche Straftat nochmals begehen werde, sei also sehr unwahrscheinlich.

Auch die Verteidigerin ging von Vorsatz aus

Die Verteidigerin hatte auf eine Strafe von eineinhalb Jahren plädiert. Auch sie gehe davon aus, dass die 50-Jährige aus Wismar mit Vorsatz gehandelt habe, sagte die Anwältin. Als strafmildernd müsse aber ihr umfassendes Geständnis bewertet werden. Auch die geschilderte Angst vor Arbeitslosigkeit in der Umbruchszeit der Wendejahre müsse berücksichtigt werden.

Erst vor zwei Jahren aufgeflogen

Die falsche Lehrerin war zunächst in Mecklenburg-Vorpommern tätig, später in Brandenburg, Berlin, Schleswig-Holstein und wieder in Mecklenburg-Vorpommern. Immer, wenn ihre Tätigkeit aufzufliegen drohte, wechselte sie die Schule oder das Bundesland. Erst 2013 flog sie endgültig auf.

Zuletzt in Lübeck, Mölln und bei Schwerin tätig

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Als die Fotografen zugelassen waren, versteckte sich die Angeklagte im Kieler Amtsgericht.

Zuletzt war die Frau aus Wismar (Mecklenburg-Vorpommern) zwischen 2008 und 2013 an schleswig-holsteinischen Schulen in Lübeck und Mölln sowie bei Schwerin tätig gewesen. Das Land Schleswig-Holstein fordert die fälschlicherweise gezahlten Gehälter in Höhe von 133.000 Euro zurück.

Aus Staatsbürgerkunde wird Sozialkunde

Zum Prozessauftakt hatte die Frau gestanden, dass sie ihre Staatsexamina, mit denen sie sich jahrelang in mehreren Bundesländern beworben hatte, in einer Druckerei habe fälschen lassen. 1990 soll die 50-Jährige ihr Lehrerdiplom in der DDR erworben haben, in den Fächern Deutsch und Staatsbürgerkunde. Um nach der Wende als Lehrerin übernommen zu werden, machte sie daraus Sozialkunde und fälschte ihre Abschlussnoten: von befriedigend zu sehr gut.

Direktor versetzt Frau in Schulbibliothek

Ihren Kollegen kam die Deutschlehrerin wegen fachlicher Ungereimtheiten und Fehlern an der Tafel sowie in Klassenarbeiten komisch vor. Nachdem sich auch Schüler über schlechten Unterricht beschwerten, reagierte der Schulleiter und setzte sie in die Schulbibliothek. Der Schulleiter benachrichtigte das Kieler Bildungsministerium darüber, dass die Frau wegen ihrer mangelnden Kompetenz und ihrer Fehlzeiten eine Belastung sei. Nach ein paar Nachforschungen flog die Sache dann 2013 auf. Hinterher mussten viele ihrer ehemaligen Schüler den fehlenden Stoff nacharbeiten.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | 17.06.2015 | 14:00 Uhr