Stand: 25.01.2016 16:50 Uhr

Fall "Friesenhof": Fehlen noch mehr Akten?

Ursprünglich wollte die Opposition im Landtag am Montag eine Durchsuchung des Sozialministeriums in Kiel beantragen - und zwar wegen eines Streits um Akten, die dem Untersuchungsausschuss zur Friesenhof-Affäre fehlen. Diese Durchsuchung ist erstmal vom Tisch und der Streit um die Akten in den Hintergrund gerückt. Stattdessen hörte der Ausschuss am Montag eine wichtige Zeugin an - die Chefin des Geschäftsbereichs Familie, Soziales und Gesundheit beim Kreis Dithmarschen, Renate Agnes Dümchen. Dabei stellten die Abgeordneten fest, dass noch ganz andere Akten fehlen.

"Friesenhof war nicht das richtige"

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Renate Agnes Dümchen vom Kreis Dithmarschen: "Der Friesenhof war nicht das richtige."

Die Kinder, die in den Friesenhof-Einrichtungen untergebracht waren, kamen aus anderen Bundesländern und nicht aus Dithmarschen. Der Kreis nutzte die Heime in den vergangenen Jahren nicht - auch weil es Vorwürfe der Kindeswohlgefährdung gab. "Wir hatten nicht die Not, das zu tun", sagte Dümchen. Es gebe sehr viele Einrichtungen im Kreis. Die erste Frage bei einer Unterbringung sei, wie werde man dem Kind gerecht. "Da war der Friesenhof nicht das richtige."

Elf Inobhutnahmen in 15 Monaten

Dümchen berichtete - wie bereits im Juni 2015 vor dem Sozialausschuss - davon, dass seit 2014 innerhalb von rund 15 Monaten elf Mädchen aus den inzwischen geschlossenen Heimen in andere Einrichtungen gebracht worden seien. So viele Inobhutnahmen in einer relativ kurzer Zeit seien sicher ungewöhnlich. Warum wurden die Heime dann erst Mitte vergangen Jahres geschlossen? Dümchen gab an, die entsendenden Jugendämter in den anderen Bundesländern seien zuständig gewesen. Und mit Betriebserlaubnissen und Qualitätsfragen sei das Landesjugendamt betraut, so die Fachbereichsleiterin. Das habe man auch immer informiert: "Wir haben natürlich der Heimaufsicht mitgeteilt, dass wir in Obhut genommen haben, aber nicht mehr und nicht weniger", sagte Dümchen.

Fehlende Akten? "Die sind nicht angefragt gewesen"

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Der Ausschuss diskutierte auch über fehlende Akten.

Und dann ging es im Untersuchungsausschuss mal wieder um fehlende Akten. Denn Dümchen hatte von den elf Inobhutnahmen im Jahr 2014 berichtet, die Abgeordneten fanden in den Ausschuss-Akten aber nur fünf belegte Fälle. Dümchen erklärte das damit, dass für die Fälle eine andere Abteilung im Kreis zuständig sei - die Akten seien aber vorhanden: "Die sind meines Erachtens nicht angefragt gewesen", sagte sie. Bei Obleuten aller Fraktionen sorgten die fehlenden Akten für Kopfschütteln.

Kritik an Betreiberin

Dümchen war am 3. Juni 2015 selbst vor Ort und berichtete von den "chaotischen Zuständen" bei der Schließung der Mädchenheime. Bewohnerinnen hätten versucht wegzulaufen, sagte sie. Zwei Mädchen hätten sich selbst verletzt. Für sie sei es unverständlich gewesen, dass die Betreiberin die Jugendlichen nicht auf die Situation vorbereitet habe. Die Friesenhof-Einrichtung in Dithmarschen war im Juni 2015 nach massiven Vorwürfen wegen unzureichenden pädagogischen Personals und fragwürdigen Methoden im Umgang mit untergebrachten Mädchen geschlossen worden.

Die Opposition hält der Heimaufsicht des Landes und Sozialministerin Kristin Alheit (SPD) als zuständiger Ministerin vor, zu spät und unzureichend im Fall Friesenhof reagiert zu haben. Alheit hat den Vorwurf von Missmanagement entschieden zurückgewiesen. Die internen Abläufe im Ministerium möchte der Ausschuss möglichst ab April näher beleuchten.

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