Stand: 23.01.2016 17:32 Uhr

Erstmals ohne Grass: Literaturtreffen in Lübeck

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Tilman Spengler leitet das Lübecker Schriftstellertreffen.

Rund neun Monate nach dem Tod von Günter Grass haben sich Schriftsteller zum ersten Mal wieder getroffen. Im Jahre 2005 hatte Grass das Literaturtreffen als Kommunikationsplattform für Gegenwartsautoren ins Leben gerufen. Für Journalist und Schriftsteller Tilmann Spengler war das Treffen traurig, doch er sagte: "Es hat auch großen Anlass zur Hoffnung gegeben, denn der Geist von Günter Grass lebt unverkennbar weiter."

"Alle auf dem alten hohen Niveau"

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Zum ersten Mal fand das Treffen ohne Günter Grass statt. "Grass hat enorm gefehlt, aber er war auch enorm präsent", sagte Dagmar Leupold (1.v.l.).

Neben Spengler nahmen in diesem Jahr Nora Bossong, Lena Gorelik, Karen Köhler, Dagmar Leupold, Eva Menasse, Christiane Neudecker, Norbert Niemann und Fridolin Schley teil. Das Treffen fand hinter verschlossenen Türen in Grass' ehemaligem Sekretariat statt. Jeder Teilnehmer konnte eine Passage, an der er gerade arbeitet und zu der er gerne eine Meinung hören wollte, vortragen und darüber diskutieren. "Die Texte, die Diskussionen, die Raufereien waren alle auf dem alten hohen Niveau", sagte Spengler. Das spreche dafür, dass mit dem Autorentreffen etwas nicht sofort Vergängliches geschaffen worden sei.

Mit dem Lübecker Literaturtreffen hatte Grass in Anlehnung an die legendäre Gruppe 47 (1947-1967) eine Plattform schaffen wollen, die der Vereinzelung jüngerer Schriftsteller entgegenwirken sollte. Der Nobelpreisträger starb am 13. April 2015 im Alter von 87 Jahren.

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