Stand: 26.02.2016 17:43 Uhr

Ermittler untersuchen Hubschrauber-Wrack

Nach dem Absturz eines Hubschraubers der Bundespolizei versuchen Experten herauszufinden, wie es zu dem Unglück in Bimöhlen bei Bad Bramstedt (Kreis Segeberg) kommen konnte. Am Freitagmittag wurden die Trümmerteile von dem Acker am Dorfrand auf einen Lastwagen verladen und - verhüllt in Planen - nach Bad Bramstedt gebracht. In einer Lagerhalle der Bundespolizei wollen die Experten der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BFU) das Wrack näher untersuchen. BFU-Experte Axel Rokohl setzt auch auf den Cockpit-Voice-Recorder, der die Gespräche im Hubschrauber aufzeichnet und technische Parameter festhält. "Wir müssen abwarten, was die Auswertung bringt", sagte Rokohl am Freitag.

Hubschrauber bei Bad Bramstedt abgestürzt

Ermittler: Wetter war "eher gut"

Axel Rokohl, der bereits 170 Abstürze untersucht hat, will nicht spekulieren. Erst in zwei bis drei Monaten wollen seine Kollegen und er einen ersten Zwischenbericht vorlegen. An Fakten steht bisher fest: Der Hubschrauber war von der Basis der Bundespolizei in Fuhlendorf bei Bad Bramstedt (Kreis Segeberg) gestartet. Nach etwa 50 Minuten stürzte er auf das Feld neben einer Wohnstraße in Bimöhlen. Die Wetterverhältnisse seien nicht besonders schlecht, sondern für einen Hubschrauberflug eher gut gewesen, sagte Rokohl. Bei dem Absturz kamen der 33-jährige Co-Pilot und ein 42-jähriger Bordtechniker ums Leben. Der 31 Jahre alte Pilot überlebte schwer verletzt. Seine Lage sei stabil, sagten Kollegen am Freitagabend dem NDR.

Bundesinnenminister besucht Absturzstelle

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Interview: Wie Experten nach dem Absturz ermitteln

Ein Team um Axel Rokohl von der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung untersucht den Hubschrauber-Absturz in der Nähe von Bad Bramstedt. Im Interview spricht der Experte über die Ermittlungen. mehr

Die Maschine vom Typ Eurocopter EC 135 gehörte zur Fliegerstaffel der Bundespolizei. Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) besuchte am Freitagmittag die Unglücksstelle. De Maizière drückte seine Trauer und sein Mitgefühl aus. "Unsere Gedanken sind bei den Angehörigen und bei der ganzen Inspektion der Bundespolizei", sagte er. De Maizière bedankte sich auch bei der Polizei, den Rettungskräften und vor allem bei den Feuerwehrleuten für ihren Einsatz. Auch Ministerpräsident Torsten Albig zeigte sich erschüttert: "Ich bin bestürzt über diese Tragödie, die zwei Männer der Bundespolizei so plötzlich und abrupt aus dem Leben gerissen hat", sagte der SPD-Politiker.

Übung mit Spezialeinsatzkommando der Landespolizei

Bei dem Nachtflugtraining handelte es sich um eine gemeinsame Übung mit Beamten des Spezialeinsatzkommandos (SEK) der schleswig-holsteinischen Landespolizei. Die Bundespolizei kooperiert mit dem SEK und übernimmt Flugaufgaben. Was genau geübt wurde an diesem Abend, dazu machten weder de Maizière noch die schleswig-holsteinische Innenstaatssekretärin Manuela Söller-Winkler nähere Angaben. Sie betonte, dass im Hubschrauber keine Landespolizisten saßen, sondern die SEK-Einheit am Boden an der Übung teilnahm.

Absturz nahe Straße und Fußballfeld

Unglücksort ist ein Acker nur etwa 20 Meter neben einer Straße, die nach Bimöhlen führt. Wenige hundert Meter entfernt liegt ein Fußballplatz, auf dem zum Zeitpunkt des Absturzes noch gespielt wurde. Eine Augenzeugin sagte NDR 1 Welle Nord: "Ich habe mich gewundert, dass die Maschine ohne Scheinwerfer so tief geflogen ist. Dann ist der Hubschrauber in kreisförmigen Bewegungen abgestürzt." Die Freiwillige Feuerwehr aus dem Dorf war nach wenigen Minuten vor Ort. "Es war grauenhaft", sagte Gemeindewehrführer Dieter Wagner.

Karte: Hier ist der Hubschrauber abgestürzt

Der Hubschrauber Eurocopter EC 135

Bei der Bundespolizei werden Varianten des siebensitzigen Mehrzweckhubschraubers Eurocopter EC 135 für Verbindungs-, Beobachtungs- und Rettungsflüge eingesetzt.

Der EC 135 war der erste gemeinsam entwickelte Zivilhubschrauber, der aus der französisch-deutschen Partnerschaft zwischen DaimlerChrysler Aerospace und Aérospatiale entstand. Seit Beginn der Serienproduktion 1996 lieferte der Hersteller - inzwischen unter dem Firmennamen Airbus Helicopters - rund 1.200 zivile und militärische Versionen der Maschine in etwa 60 Länder.

Mit zwei Motoren von jeweils mehr als 800 PS erreicht der EC 135 eine Höchstgeschwindigkeit von mehr als 250 Kilometern in der Stunde. Der Hubschrauber kann bei einem Standardleergewicht von 1,45 Tonnen eine Nutzlast von 1,45 Tonnen aufnehmen.

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50 Jahre Fliegerstaffel in Fuhlendorf

Vor 50 Jahren wurde in Schleswig-Holstein die größte Fliegerstaffel der Bundespolizei gegründet. Mittlerweile sind 21 Hubschrauber in Fuhlendorf stationiert. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 26.02.2016 | 22:00 Uhr