Stand: 08.02.2017 16:49 Uhr

Elternzeit für Kühe: Lentföhrdens andere Milch

Es ist ihnen nicht anzusehen - aber Hans Möller, Achim Bock und Heino Dwinger sind echte Exoten in Schleswig-Holstein. Die drei Landwirte betreiben eine muttergebundene Kälberaufzucht. Erst nach drei Monaten, wenn sich die Kälber allein von Gras und Heu ernähren können, werden sie von den Müttern getrennt. Solange darf der Nachwuchs direkt am Euter der Kuh trinken. Ein konventioneller Milchbetrieb arbeitet anders. Dort werden die Kälber den Kühen gleich nach der Geburt weggenommen. Sie bekommen Milch aus Eimern. Durch Keime in den Eimern gebe es aber ein sehr hohes Risiko von Kälberdurchfall, sagt Möller. Viele Kälber überlebten diese Krankheit nicht. "De Öko Melkburen", wie sich Möller und seine zwei Kollegen nennen, setzen quasi auf eine Elternzeit für ihre Kühe.

Milch-Ertrag ist geringer als im konventionellen Betrieb

Auf Möllers Hof in Lentföhrden (Kreis Segeberg) leben beispielsweise 30 Kühe, 14 Kälber und ein Bulle als Herde. Obwohl die Kühe in den ersten drei Monaten hauptsächlich ihr Kalb versorgen, werden sie jeden Tag gemolken. Der Ertrag ist geringer als im konventionellen Betrieb. Das Kalb schöpft viel Milch ab. "Aber das Verhältnis Kuh-Kalb darf gelebt werden, wie es in der Natur üblich ist", sagt Möller. Außerdem verzeichne sein Hof sehr vitale, kräftige Kälber nach drei Monaten. Möller produziert durch dieses Vorgehen etwa ein Drittel weniger Milch als ein konventioneller Betrieb. Dafür habe er aber unter anderem weniger Ausgaben für Medikamente.

Thünen-Institut: Haltungsform hat Vor- und Nachteile

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Das Thema muttergebundene Kälberaufzucht wird zum Teil kontrovers diskutiert. Das Thünen-Institut spricht von einer Reihe von offenen Fragen. Für die konventionelle Haltung von Milchkühen nennen die Experten des Bundesforschungsinstituts zwei Gründe: Bauern wollten das Kalb vor Krankheitserregern schützen, die von der Mutter übertragen werden könnten. Außerdem ziehe eine Trennung von Kuh und Kalb nach einer langen Zeit viel Stress für alle Beteiligten nach sich - auch für die Landwirte. Auf der anderen Seite gibt das Thünen-Institut zu bedenken, dass eine frühzeitige Trennung verhindere, "dass mütterliche Verhaltensweisen von der Kuh ausgeübt und das Kalb positive Zuwendungen wie das Ablecken erfahren kann". Stichwort: Elternzeit.

Andere Betriebe geben ihre Produkte nur direkt ab

Möller, Bock und Dwinger haben die muttergebundene Kälberaufzucht nach eigenen Angaben zwei Jahre lang getestet. Nun seien die ersten Kälber aus der Startphase zu ausgewachsenen Rindern geworden - zu sehr gesunden ausgewachsenen Rindern. "De Öko Melkburen" hoffen, dass Verbraucher ihre ethische Nutztierhaltung unterstützen - auch wenn die Milch teurer ist als im Discounter. Ihre "Vier Jahreszeiten Milch" soll bundesweit die erste sein, die ausschließlich aus dieser Haltungsform stammt und im Einzelhandel vermarktet wird. Die Welttierschutzgesellschaft listet online zwar ähnliche Betriebe auf. Deren Milch wird aber offenbar nur direkt an Kunden abgegeben.

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Schleswig-Holstein Magazin | 08.02.2017 | 19:30 Uhr

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