Stand: 31.01.2016 16:57 Uhr

Eisbein und Kurze: Ein Männerabend in Bad Segeberg

von Tobias Gellert

"Das hier ist einer der Jahres-Highlight-Termine für mich." Falko Holzmann bekommt ein Funkeln in den Augen, wenn er vom traditionellen Eisbeinessen der Freiwilligen Feuerwehr in Bad Segeberg spricht. Er ist er zum "gefühlt 15. Mal hier", meint er und nimmt einen kräftigen Schluck aus seinem Bierglas. Der 45-jährige Reisebüro-Betreiber aus der Kalkbergstadt zählt zu den Stammgästen des wohl größten Männerabends Schleswig-Holsteins. 520 Herren, überwiegend fördernde Mitglieder der Bad Segeberger Feuerwehr, geladene Gäste aus Gemeinden, Kommunen, Kreis und Land - und auch vier Frauen sind gekommen.

Ein Abend rund ums Eisbein

"Legendäre Veranstaltung"

Bad Segebergs Bürgervorsteherin Ingrid Altner ist eine davon. Sie fühlt sich "prächtig unterhalten" unter "all den ganzen Männern". Auch Staatssekretärin Manuela Söller-Winkler (SPD) ist da - zum ersten Mal. "Von meinen Kollegen im Innenministerium habe ich schon viel hiervon gehört. Einige nennen die  Veranstaltung sogar legendär", erzählt sie. Im Schlepptau hat sie Landtagspräsident Klaus Schlie (CDU) , der sich "dieses Ereignis fest im Kalender eingetragen hat", wie er später in seiner kurzen Rede berichtet.

Rund 200 Einsätze im Jahr

Organisiert wird der Abend von der Freiwilligen Feuerwehr der Kreisstadt. "Es hat vor 86 Jahren als Essen mit ein paar dutzend Männern in einem Lokal am Kalkberg angefangen", weiß Stadthistoriker Peter Zastrow. Mit der Stadt sei auch die Wehr und somit das Eisbeinessen größer geworden, meint er. "Wir wollen damit allen, die uns unterstützen, danke sagen", sagt Bad Segebergs Feuerwehrchef Mark Zielinski. Rund 200 Einsätze gäbe es für seine Leute im Jahr - ein Pensum, das für Freiwillige kaum noch leistbar scheine. Dass sein Team es trotzdem geschafft hat, darauf ist Zielinski stolz.

Speck und Erbsenpüree

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Das Eisbein wird mit Beilagen serviert. Besonders beliebt Erbsenpüree.

Für Küchenchef Andreas Schmidt und seinen Stellvertreter Melf Mohrdiek vom Vitalia Seehotel ist die Veranstaltung rund um die gepökelten und dann gekochten Eisbeine eine Herausforderung. In jedem Jahr wieder. 15 Leute sind in der Küche. Fast doppelt so viele wie sonst. Seit 12 Uhr bereiten sie das Festmahl vor: 140 Kilogramm Kartoffeln werden geschält und gekocht. In der anderen Ecke der Hotelküche schmeckt der Küchenchef persönlich die gleiche Menge Sauerkraut ab. Begehrteste Beilage ist das Erbsenpüree. Fast 150 Liter davon werden von den Küchenexperten zusammengerührt. Die Speckstippe wird erst kurz vor dem großen Essen zubereitet. "Der Speck muss heiß sein, dann passt der perfekt zum Erbsenpürree", erklärt der Küchenchef. Die Eisbeine garen derweil in riesigen Töpfen vor sich hin. "Die werden punktgenau fertig, so wie jedes Jahr", verspricht Schmidt.

"Die Leute haben Hunger"

Um kurz nach acht Uhr kommt dann Hektik auf. 50 Feuerwehrleute in Uniform kommen in die Küche. Sie werden gleich das Eisbein servieren. Die Servicekräfte tischen bereits die Beilagen auf. Um viertel nach acht läuft Küchenchef Schmidt dann zur Höchstform auf. "Los, los, los", feuern er und der stellvertretende Hoteldirektor die Servierer an. Im 30-Sekundentakt drücken seine Mitarbeiter und er ihnen einen Teller nach dem anderen mit einem Eisbein die Hand. "Und jetzt raus, die Leute haben Hunger."  Nach dem Servieren geht es wieder zurück in die Küche. Hinten anstellen heißt es dann - und dann die nächsten beiden Eisbeine raus an die Tische bringen.

520 Männer und vier Frauen sind satt

Keine 20 Minuten später wird es ruhiger im Saal. Alle Männer haben ihr ein-Kilo-Eisbein vor sich. 700 Gramm davon sind Fleisch. Leises Schaben und Klappern bildet jetzt die Geräuschkulisse. Falko Holzmann, sein Bruder Torge und die anderen  sechs Männer am Tisch in der Mitte des vollbesetzten Saals füllen sich die Teller auf. "Das Erbsenpürree mit Speckstippe ist immer am schnellsten leer", erzählt Holzmann. Direkt neben drei halben Salzkartoffeln, Sauerkraut und dem
Püree thront in der Mitte seines Tellers das Eisbein. Nach einer guten Stunde fragt der Wehrführer nach guter, alter Tradition: "Hat es euch geschmeckt?" - "Ja!" - 520 Männer und vier Frauen applaudieren, sind begeistert - und richtig satt.

Schlie ist Fördermitglied

Hochgerechnet wurden in den letzten Jahrzehnten in Bad Segeberg fast 43.000 Eisbeine vertilgt. Mindestens drei davon hat auch Landtagspräsident Klaus Schlie schon verspeist. Gleich bei seinem ersten Eisbeinessen in Bad Segeberg ist er als förderndes Mitglied in die Bad Segeberger Wehr eingetreten. "Aber nicht nur wegen des Eisbeinessens", lacht er. "Ich bin stolz auf die Feuerwehr und das muss man unterstützen."

Am Schluss noch ein paar Kurze

Dann beginnt der gesellige Teil des Abends. Die Aufführung der Musik- und Kabarettgruppe der Freiwilligen Feuerwehr gehört dazu, wie das Bier zum Essen. Hier werden lokale und globale Themen aufs Korn genommen. Und Apropos Korn:  Korn und Kümmel als Kurze gehören für viele auch zur Tradition des
Abends.  "Verdauungsschnaps muss sein", schmunzelt Falko Holzmann. Na dann, wohl bekomm's.

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