Stand: 16.04.2017 16:19 Uhr

Einsatz auf See: Luftrettung in den Windparks

von Benjamin Nolte

Sie fliegen kilometerweit raus auf die Nordsee und sind nicht selten die letzte Rettung für verletzte oder erkrankte Arbeiter in den großen Windparks: die Luftretter von Northern Helicopters (NHC) in St. Peter-Ording. Ständig sind zwischen 700 und 1.000 Arbeiter, Ingenieure, Installateure, Monteure und andere Dienstleister vor Ort - in Windparks mit Namen wie Dan Tysk, Butendiek oder Amrumbank. In den Bauphasen vervielfältigt sich diese Zahl. Bei so vielen Arbeitern kommt es auch zu Unfällen oder Erkrankungen, bei denen die Patienten nicht ausreichend vor Ort behandelt oder versorgt werden können.

Rettung aus den Windparks

Das Unternehmen aus Emden ist seit Jahren als betrieblicher Rettungsdienst für die Offshore-Windparks in der ausschließlichen Wirtschaftszone der Bundesrepublik in der Nordsee zuständig. Von den beiden Standorten in Emden und St. Peter-Ording aus fliegen sie Rettungs- und Hilfeleistungseinsätze und sind für 85 Prozent aller Installationen und Windparks in der Nordsee zuständig. "Dabei kommen wir nicht nur an den großen Windkraftanlagen zum Einsatz", berichtet Sönke Dorn, Pilot und Stationsleiter in St. Peter-Ording, "sondern wir sind auch für die Wohnplattformen, Umspannwerke und Schiffe zuständig, die dort vor Ort sind." Die Kosten für die Bereitschaft der Luftretter in St. Peter-Ording tragen die Auftraggeber, die Betreiber der Windparks.

Flüge bei Tag und bei Nacht

Von St. Peter-Ording aus starten die Luftretter von NHC zu ihren Einsätzen in die Windparks. Fünf Mann Besatzung sind notwendig, um mit dem großen Rettungshubschrauber vom Typ Airbus "AS 365 Dauphin" Menschen auf offener See zu retten. "Landen können wir dort draußen in der Regel nicht", erklärt Dorn. "Muss ein Arbeiter aus medizinischer Sicht auf das Festland geflogen werden, setzen wir unser Personal für die Erstversorgung mit der Seilwinde ab und bringen den Patienten anschließend auch auf diesem Weg an Bord unseres Hubschraubers." Zwei Piloten, ein Notarzt, ein Rettungsassistent und ein Bordtechniker, der sogenannte Hoistoperator, sind 365 Tage im Jahr rund um die Uhr in St. Peter-Ording am Flugplatz in Bereitschaft. In wenigen Minuten sind Crew und Hubschrauber bei Tag und Nacht einsatzbereit und können mit 260 Kilometern pro Stunde zum Einsatzort fliegen.

1.700 PS und drei Stunden Flugzeit

Im Vergleich zu den Rettungshubschraubern, die in Schleswig-Holstein für die Luftrettung auf dem Festland und den festlandnahen Inseln eingesetzt werden, ist die AS 365 Dauphin für den Einsatz auf hoher See und bei schlechtem Wetter konzipiert. "Um die Windparks zu erreichen, müssen wir zwischen 13 und 45 Minuten Flugzeit einplanen", weiß Dorn. Ohne Tankstopp schafft der rund 14 Meter lange und fast 1.700 PS starke Hubschrauber drei Stunden Flugzeit.

Bis zu 300 Übungsstunden im Monat

St. Peter-Ording wurde dabei als Standort ganz bewusst gewählt. Es ist der Punkt am Festland, der am weitesten in die Nordsee hineinragt. Laut Dorn ist er deswegen einer der strategisch besten Punkte für das Einsatzgebiet. Im Jahr 2016 flog der Offshore-Rettungshubschrauber von St. Peter-Ording aus im Schnitt 2,6 Einsätze in der Woche. Zu den Einsätzen gesellen sich jedes Jahr bis zu 300 Stunden Einsatztraining. "Im Einsatzfall verlassen sich nicht nur unsere Kunden in den Windparks darauf, dass alles reibungslos funktioniert, sondern auch wir müssen uns darauf verlassen", sagt der Pilot, "somit trainieren wir mehrmals im Monat für unsere Einsätze."

Gemeinsames Training mit der DGzRS

Trainiert wird unter anderem mit den Rettungskreuzern der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS). Nicht selten müssen im Einsatzfall die Patienten von Schiffen an Bord geholt werden. Mit der Seilwinde des Hubschraubers werden Notarzt, Rettungsassistent und Ausrüstung auf das fahrende Schiff abgeseilt und später dann zusammen mit dem Patienten wieder an Bord geholt. Bei einem sogenannten Winsch-Manöver hält der Hubschrauber eine Position in 10 bis 20 Metern über dem Schiff. "Wir fliegen etwas versetzt an, um die Zeit direkt über dem Schiff so kurz wie möglich zu halten", erklärt Dorn - ein Manöver, bei dem von allen Besatzungsmitgliedern höchste Konzentration gefragt ist.

Hat der Hubschrauber die richtige Position erreicht, geht alles ganz schnell: Binnen weniger Sekunden hat der Pilot Crew und Ausrüstung auf dem Schiff abgesetzt - und ebenso schnell wieder an Bord geholt. Die Besatzungen der Rettungskreuzer der DGzRS stehen gerne für gemeinsame Übungen dieser Art zur Verfügung. Sowohl die Hubschrauberbesatzungen als auch die Seenotretter auf den Schiffen müssen sich im Ernstfall aufeinander verlassen können.

Einsätze auf dem Festland

Neben ihren primären Aufgaben für die Betreiber der Windparks, kann der Rettungshubschrauber in St. Peter-Ording in Ausnahmefällen auch für die Notfallrettung der Rettungsleitstellen auf dem Festland eingesetzt werden. "Im Rahmen unserer Kapazitäten", fügt Dorn hinzu, "wenn alle anderen Rettungsmittel ausgeschöpft sind."

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Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Magazin | 22.10.2014 | 19:30 Uhr

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