Stand: 23.10.2015 09:05 Uhr

Diskothek in Groß Weeden: Auch Amt hat Interesse

Der Besitzer der Diskothek "Ziegelei" in Groß Weeden (Kreis Herzogtum Lauenburg) hat am Mittwoch eine Mail aus dem Kieler Finanzministerium erhalten - mit einem Vertragsentwurf. Das Land will auf dem Gelände eine Erstaufnahmeeinrichtung für 1.500 Flüchtlinge errichten. Doch ob es wirklich zu einem Abschluss kommt, ist offen. Denn gleichzeitig wurde bekannt, dass auch die Verwaltung des Amts Berkenthin Interesse an dem Gelände hat. Sie könnte sich vorstellen, hier Holzhäuser zu bauen - als dauerhafte Flüchtlingsunterkünfte. Allerdings nur für ein paar Hundert Menschen.

Keine Gespräche mit Politikern vor Ort?

Bei der Sitzung des Amtes Berkenthin mit allen Bürgermeistern der Amtsgemeinden am Donnerstagabend war die "Ziegelei" aber nach Angaben von Rondeshagens Bürgermeister Andreas Albrecht (CDU) kein Thema. Warum, teilte er NDR 1 Welle Nord nicht mit. Das Vorhaben in Groß Weeden eine Flüchtlingsunterkunft einzurichten, war zuvor unter anderem von Landrat Christoph Mager (CDU) kritisiert worden, weil das Land offenbar nicht mit den Politikern vor Ort gesprochen hatte, bevor es seine Pläne öffentlich machte.

Goldene Zeiten der Disco vorbei

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Sigurd Sierig sucht offenbar nach neuen Nutzungsmöglichkeiten für das Gelände seiner Diskothek.

Die Entscheidung, ob er mit dem Amt oder dem Land einen Kauf- oder Mietvertrag abschließen will, liegt nun bei Discobesitzer Sigurd Sierig. Er sagte dem Schleswig-Holstein Magazin, dass er dem Land das Grundstück bereits vor einigen Wochen zum Kauf oder zur Miete angeboten habe. Einige Beamte seien bereits vor Ort gewesen, um sich das 30.000 Quadratmeter große Gelände und die 4.000 Quadratmeter große Diskothek anzuschauen. Die goldenen Jahre der "Ziegelei" sind vorbei, nur noch einmal im Monat gibt es hier eine Party. Aus Tausenden Tanzwütigen sind ein paar Hundert geworden. Sierig sucht also offenbar nach neuen Möglichkeiten, das Areal zu nutzen.

Anwohner: "Macht mir Angst"

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30.000 Quadratmeter groß ist das Gelände der Diskothek.

Eine so große Flüchtlingsunterkunft macht einigen Bewohnern von Groß Weeden Sorgen. "Ich weiß nicht, ob so viele Menschen in diesem Ort für Unruhe sorgen würden", sagte Einwohner Bernd Stegemann dem Schleswig-Holstein Magazin. Und Mandy Ahrens betonte: "1.500 - das ist schon viel. Das macht mir Angst." Auch Jan Hitscher ist besorgt: "Auf 60 Einwohner von Groß Weeden ist das ziemlich viel. Aber irgendwo müssen die Flüchtlinge hin." Die Groß Weedener sollen nun in einer öffentlichen Versammlung über die genauen Details informiert werden.

Staatssekretärin: "Schwieriger Spagat"

Dann wird es wohl auch darum gehen, warum das Land die Kommunen nicht früher über die Pläne informiert hat. Innenstaatssekretärin Manuela Söller-Winkler (SPD) sagte dazu in einer ersten Erklärung: "Für uns ist das ein schwieriger Spagat. Ich sehe mich nicht in der Lage, über noch nicht konkretisierte Vorhaben zu informieren. Das würde Unruhe schaffen und dazu führen, dass wir zu keinem Ergebnis kommen." Dennoch wolle man so früh wie möglich den Bürger und die kommunale Ebene mit ins Boot holen.

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