Stand: 10.01.2016 12:00 Uhr

Die neuen Kindergarten-Chefs kommen aus Flensburg

von Sebastian Parzanny

Einmal in der Woche sitzt Caroline Axt nach Feierabend in ihrer Flensburger Wohnung vor dem Laptop - genau wie ihre Studienkollegen in ganz Deutschland: 90 Prozent der Vorlesungen laufen beim Studiengang Kita-Master online. Der Professor auf dem Monitor spricht heute über Statistiken und darüber, wie die Kita-Arbeit vorbereitet werden muss. Bis das für Caroline Axt und ihre Kommilitonen soweit ist, dauert es aber noch fast zwei Jahre, denn so lange läuft der neue Studiengang. Obwohl sie an der Europa-Universität Flensburg eingeschrieben sind, kommen die Studierenden während der Zeit nur sieben Mal auf den Campus. Das liegt daran, dass alle 40 bereits in Vollzeit mit Kindern arbeiten, für die Online-Vorlesungen ist erst nach Feierabend Zeit: "Wenn mein eigenes Kind im Bett ist, höre ich bei den Vorträgen zu, dass passt mir ganz gut", sagt Caroline Axt. Tagsüber arbeitet die junge Frau als Tagesmutter, bald will sie Kita-Leiterin werden.

Ein Erfolgsmodell: der Kita-Master

Moderne "Kindergarten-Manager"

In der Online-Vorlesung fallen immer wieder die Begriffe "Qualität" und "Bildung". Und es heißt da auch: Die neuen Fachkräfte werden zu "Managern". Ziel ist es, den Kindern einen möglichst guten Übergang in die Grundschule zu ermöglichen. Die Kita-Manager sollen nach ihrem Abschluss die Einrichtungen so organisieren, dass das auch gut klappt. Daher ist es auch kein Zufall, dass das Kieler Institut für Qualitätsentwicklung an Schulen Schleswig-Holstein (IQSH) den neuen Studiengang mitentwickelt hat. Leiter des IQSH Dr. Thomas Rieke-Baulecke erklärt: "Wir hatten vorher schon sehr gute Erfahrungen mit einem Studiengang speziell für Leitungspositionen an Schulen. Dort heißt das 'Schulmanagement-Master' und das wollten wir nun auch für den Bereich der frühkindlichen Bildung."

Nachfrage ist hoch

Offenbar haben viele nur auf diesen Studiengang darauf gewartet: Wie die Flensburger Hochschule meldet, ist die Nachfrage von Interessenten so hoch, dass bereits zum Sommersemester die nächsten Studenten starten. Eigentlich war der nächste Jahrgang erst für Herbst geplant. Vom Sommer an werden es dann insgesamt 60 Studierende sein - ursprünglich sollten pro Jahr nur 20 ausgebildet werden.

Der Erfolg hat einen guten Grund: Vor einigen Jahren waren Kita-Chefs noch für einzelne Einrichtungen zuständig. Heute sind es häufig gleich mehrere Häuser, die sie leiten. Die Gruppen sind größer geworden, in vielen Fällen gehört auch die Organisation der Krippen zu ihrem Aufgabenbereich. Außerdem müssen Schulungen für die Kollegen organisiert werden. Recht, Finanzen, Öffentlichkeitsarbeit - auch das sind Teile des Paketes, dass die Europa-Universität Flensburg nun lehrt.

Aber was haben die Kinder davon?

In Tarp (Schleswig-Flensburg) sitzt an diesem Abend Heidi Lauiing an ihrem Laptop und lauscht der Vorlesung. Sie arbeitet bereits seit 20 Jahren als Pädagogin in einem Kindergarten und betreut zurzeit eine Waldgruppe. Obwohl sie sich darüber freut, im Kita-Master neue Inhalte zu lernen, sieht sie den Studiengang auch kritisch: "Wenn man seit 20 Jahren diesen Job macht, ohne Studium, ist das manchmal ja auch so ein bisschen gruselig. Denn: Natürlich ist das alles sehr viel Theorie. Manchmal frage ich mich schon: Was haben eigentlich die Kinder davon? Andererseits geht es ja schon auch um die Größe der Räume, die richtigen Spielsachen und so etwas."

Mit dem Begriff des Kita-Managers kann sie nicht so viel anfangen, sagt Heidi Lauiing, während sie ihren Laptop nach dem Online-Seminar zuklappt. Schließlich sei doch bei aller Diskussion um Qualität und Bildung eines am wichtigsten: Dass die Kinder eine schöne Zeit in der Kita haben und sich auch später gern daran erinnern.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 10.01.2016 | 13:00 Uhr