Stand: 16.11.2017 19:07 Uhr

Dialog soll Disput um Traditionsschiffe lösen

Dampfer auf der Flensburger Förde: Viele Traditionsskipper kritisieren die neuen Auflagen.

Ein Dialog soll Abhilfe schaffen im Konflikt um die Traditionsschifffahrt: Bundesverkehrsminister Christian Schmidt (CSU) und Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) vereinbarten am Donnerstag einen weiteren Termin, damit betroffene Vereine und Verbände sowie die Küstenländer die Möglichkeit erhalten, erneut ihre Anliegen einzubringen. Offene Punkte wollen Schmidt und Günther dann prüfen, um schnell Klarheit zu schaffen. Hintergrund: Das Bundesverkehrsministerium will neue, strengere Regeln und Auflagen für Traditionsschiffe.

Der Dreimast-Toppsegelschoner "Albatros" beim Segeltörn auf der Ostsee © Clipper Fotograf: Clipper

Neue Verordnung: Gesprächsbereitschaft ist da

NDR 1 Welle Nord - Nachrichten für Schleswig-Holstein -

In den Streit um die neue Verordnung für Traditionsschiffe kommt offenbar Bewegung. Das Bundesverkehrsministerium hat jetzt Gesprächsbereitschaft signalisiert.

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Ursprünglicher Termin gekippt

"Ich freue mich, dass wir nach meinem Gespräch mit dem Bundesverkehrsminister nun keinen starren zeitlichen Rahmen mehr für das Inkrafttreten der neuen Sicherheitsvorschriften haben", sagte Günther. Die neue Sicherheitsverordnung sollte ursprünglich am 1. Januar 2018 in Kraft treten. Günther hatte das Vorgehen des Bundesverkehrsministeriums scharf kritisiert. Nun sieht der Ministerpräsident die Chance, rechtzeitig vor der nächsten Saison eine einvernehmliche Lösung zu erzielen. Die Sicherheit müsse genauso berücksichtigt werden wie die Interessen der Traditionsschifffahrt. Für das Tourismusland Schleswig-Holstein sei der Erhalt dieser sehr wichtig.

"Gründlichkeit geht vor Schnelligkeit"

Die Betreiber von Traditionsschiffen hatten bereits mehrfach gegen die neue Verordnung protestiert. Zuletzt waren am Dienstag Traditionsskipper nach Berlin gereist und hatten eine Mahnwache vor dem Verkehrsministerium gehalten. Grund sind unter anderem die Vorgaben für die bauliche Beschaffenheit, den Brandschutz und die Ausrüstung mit Rettungsmitteln. Mit einem hohen Maß an Sicherheit für Besatzung und Passagiere rechtfertigte Schmidt die Strenge des Papiers. Er betonte aber auch, dass er die Traditionsschifffahrt in Deutschland erhalten wolle: "Es gilt der Grundsatz: Gründlichkeit geht vor Schnelligkeit. Gemeinsam wollen wir Lösungen erarbeiten, damit die historischen Schiffe sicher für Besatzung und Passagiere bleiben."

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Doch Verbände und Kapitäne der Traditionsschiffe schlagen Alarm: Wenn weiterhin auf der Kieler Woche oder beim Flensburger Dampf Rundum die alten Segler und Dampfschiffe zu sehen sein sollen, dann müsse diese Verordnung völlig anders werden. Viel zu hoch seien die Auflagen, die dort gefordert würden - rund jedes zweite Traditionsschiff würde stillgelegt werden müssen, sagt Nikolaus Kern vom Dachverband Deutscher Traditionsschiffe. Damit sei ein Teil der deutschen Schifffahrtsgeschichte auf Nord- und Ostsee in Gefahr.

Bestandsschutz mit gültigem Sicherheitszeugnis

Schmidt betont unterdessen, dass es sich bei der Verordnung um eine "atmende" Rechtsvorschrift handle. Aus dem Ministerium hieß es, man wolle sie in regelmäßigen Abständen in einer Arbeitsgruppe mit Traditionsschiffs-Verbänden und Vereinen prüfen und anpassen. Außerdem, so das Ministerium, bestehe für Schiffe, die bis Ende des Jahres ein Sicherheitszeugnis für ihre Traditionschiffe bekommen haben, so lange Bestandsschutz, bis eben dieses Zeugnis ablaufe. "Kein Schiff wird durch die Verordnung an die Kette gelegt", hieß es.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 16.11.2017 | 21:00 Uhr

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