Stand: 06.02.2016 08:00 Uhr

Dem Zika-Virus auf der Spur: Test aus Lübeck

von Katrin Bohlmann

Stolz ist Chef-Entwicklerin Katja Steinhagen nicht unbedingt. Sie und ihr Team - bestehend aus Molekularbiologen, Biotechnologen und medizinisch-technischen Assistentinnen - haben schon einige Tests erarbeitet, zum Beispiel für die SARS-Virus- und MERS-Virus-Diagnostik. Im November vergangenen Jahres hat die 44-Jährige mit ihren Mitarbeitern begonnen, den Test zur Diagnose des Zika-Virus zu entwickeln. Ende Januar kam er auf den Markt. "Das ging so schnell, weil die Entwicklung auf einer langjährigen Erfahrung auf dem Gebiet beruht", sagt Katja Steinhagen. "Wir reagieren einfach auf den Bedarf". Schon 2014 hat es die ersten Fälle von Zika-Virus-Infektionen gegeben. "Die derzeitige Epidemie deutete sich damals schon an", sagt Steinhagen.

Lübecker Team entwickelt Zika-Test

Um den Test zu entwickeln, hat das Team den Zika-Virus gezüchtet

Seit mehr als 20 Jahren ist Katja Steinhagen bei Euroimmun. Sie ist verantwortlich für die Entwicklung von Infektions-Diagnostika. Sie und ihr Team beschäftigen sich mit dem serologischen Nachweis von verschiedenen Erkrankungen. "Der Körper ist ein kleines Wunderwerk - der entwickelt ja sehr schnell eine Immunreaktion gegen das Virus", erklärt die Chemie-Ingenieurin. "Er bildet Antikörper - die gehören bestimmten Antikörperklassen an. Da entsteht zuerst die Klasse "IgM" in der akuten Phase, um möglichst schnell dieses Virus zu bekämpfen. Dann entwickelt der Körper die Antikörper der Klasse "IgG". Und diese Antikörper kann man dann im Blut ermitteln." Die zeigen dann also, dass ein Viruskontakt stattgefunden hat.

Zika-Virus wurde extra gezüchtet

Selbst wenn eine Erkrankung Jahre her ist, können diese Antikörper der Klasse IgG mit dem neuen Euroimmun-Test festgestellt werden. Für die Entwicklung des Tests zur Zika-Virus-Diagnostik brauchte das Team um Katja Steinhagen Proben von echten Patienten. Außerdem musste das Zika-Virus für die Forschungszwecke gezüchtet werden. Auf sogenannten Biochips - Objektträgern - ist das isolierte Virus festgehalten. So hat das Lübecker Unternehmen Euroimmun vom Bernhard-Nocht-Institut aus Hamburg ein Isolat des Zika-Virus bekommen.

Nur Diagnose – keine Medizin gegen das Zika-Virus

Katja Steinhagen betont, dass ihr Team keine Impfstoffe entwickelt, sondern "nur" die Diagnostik optimiert. "Davon ist man auch sehr, sehr weit entfernt, gerade bei diesen Viren", sagt die Lübeckerin. Der Zika-Virus wird in erster Linie durch Moskitos der Gattung Aedes auf den Menschen übertragen. Infektionen mit dem Virus äußern sich durch leichtes Fieber, Kopfschmerzen, Hautausschläge und Bindehautentzündungen. In etwa 80 Prozent der Fälle bleibt eine Infektion unbemerkt, heißt es bei Euroimmun. Dennoch ist die Verunsicherung und Panikmache derzeit groß. "Gerade jetzt, wo so viele Schwangere total verunsichert sind, ist es ja auch erstmal wichtig zu klären, ob es sich überhaupt um Zika-Viren-Infektionen handelt", erläutert Steinhagen. "Es ist tatsächlich nicht therapierbar, es gibt keine Medikamente gegen dieses Virus. Das ist natürlich sehr traurig, aber man kann zur Beruhigung und Aufklärung beitragen." Dabei hilft der neue Antikörper-Test zur Zika-Virus-Diagnostik aus Lübeck. Katja Steinhagen kann also sehr wohl stolz auf ihre Arbeit sein.

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