Stand: 16.02.2016 17:39 Uhr

Das Ende des Arnisser Anglerglücks

Große Krise in der kleinsten Stadt Deutschlands: Die traurige Nachricht kommt vom Band, wenn man im Rathaus in Arnis an der Schlei (Kreis Schleswig-Flensburg) anruft. Nach einem nicht so richtig fröhlich klingenden "Moin, Moin" erzählt eine traurige Stimme, es hätte sich leider eine Veränderung ergeben. Denn: "Wir dürfen zurzeit keine Angelscheine für Gäste ausgeben."

30.000 Euro gingen jährlich flöten

Dass nur Einheimische in der Schlei angeln dürfen, wäre normalerweise kein Grund, einen städtischen Anrufbeantworter neu zu besprechen. In Deutschlands kleinster Stadt schon. Denn die 30.000 Euro, die bisher alljährlich durch den Verkauf von Angelkarten für Gäste eingenommen wurden, sind für den Ort mit knapp 300 Einwohnern ein dicker Batzen.

Der Grund für den Gastangler-Stopp: Ein neugieriger Bürger hatte mal beim Landesamt für ländliche Räume nachgefragt, wie das so überhaupt sei mit den Gäste-Angelscheinen. Das Amt blätterte in vergilbten Verträgen und fand heraus: Arnis darf nur Arnisser angeln lassen.

Arnisser können kämpfen

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Nur Arnisser dürfen "zurzeit" in der Schlei angeln.

Ist das nun das Ende? Wahrscheinlich nicht. Denn die Arnisser können kämpfen. Ist der Ort doch entstanden, weil 64 Familien vor einem bösen Gutsherren auf eine Insel in der Schlei geflüchtet sind. Das war 1666. 1934 schaffte es ein plietscher Bürgermeister in den Wirren einer erneuten preußischen Kommunalreform aus dem ehemaligen Flecken - so hießen Orte in der Preislage zwischen Dorf und Stadt - eben eine Stadt zu machen. Damals wie heute die kleinste Stadt Deutschlands.

Vielleicht wieder zusammen mit Kappeln?

Die Arnisser sind also rebellisch und schlau. So wird auch schon über Lösungen spekuliert. Da gibt es den Nachbarn Kappeln. Der darf - ebenfalls in einem vergilbten Vertrag festgelegt - Angelscheine an Gäste ausgeben. Kappeln ist nicht weit, beide Städte liegen an der Schlei. Allerdings müssten die Arnisser dafür über einen großen Schatten springen. Der böse Gutsherr, vor dem sie 1666 flohen, kam schließlich aus Kappeln. Ausgerechnet. Dennoch: Da könnte noch was gehen. Wie hieß es doch vom Band? "Zurzeit" dürfen keine Scheine ausgegeben werden.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | 16.02.2016 | 13:00 Uhr