Stand: 05.01.2016 17:01 Uhr

Dänische Grenzkontrollen: Polizei zieht Bilanz

Anfang der Woche wurden sie eingeführt: stichprobenartige Passkontrollen durch dänische Sicherheitskräfte an der deutsch-dänischen Grenze. Die großen Grenzstationen sind rund um die Uhr besetzt. Nun hat die dänische Polizei eine erste Zwischenbilanz gezogen: Zwischen Montag 12 Uhr und Mitternacht wurden nach Angaben der Beamten 1.100 Personen kontrolliert. 18 von ihnen wurde die Einreise nach Dänemark verweigert. Außerdem gingen den Kontrolleuren drei mutmaßliche Schleuser ins Netz, die festgenommen wurden. Palle Linné von der Süddänischen Polizei sagte dem Schleswig-Holstein Magazin: "Die ganze Zeit ist es am ersten Tag sehr ruhig abgelaufen. Es hat einige Staus gegeben, aber eigentlich ist es sehr ruhig geblieben."

Dänemark verschärft Grenzkontrollen

Nicht alle müssen ihren Pass zeigen

Die Kontrollen gelten für zunächst zehn Tage, wie der dänische Ministerpräsident Lars Løkke Rasmussen am Montag in Kopenhagen sagte. Sie könnten dann noch um 20 Tage verlängert werden. Dazu sehe sich das Land gezwungen, weil die schwedische Regierung am Montag Kontrollen für Reisende aus Dänemark gestartet habe. "Die Grenzkontrolle wird aus Stichproben des laufenden Verkehrs über die Grenze bestehen", sagte Løkke Rasmussen. Aber nicht jeder, der aus Deutschland nach Dänemark reise, werde kontrolliert. Im deutsch-dänischen Grenzraum müssten sich Pendler oder auch Studenten weiter frei bewegen können. Die Einführung der Kontrollen lösten im Nachbarland Schleswig-Holstein Bedauern aus.

Albig bedauert dänische Kontrollen

Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Torsten Albig (SPD) bedauerte die Einführung der Kontrollen. "Dies kann das gute Zusammenleben in der deutsch-dänischen Grenzregion beeinträchtigen und insbesondere die Pendler belasten", sagte Albig. Ein Lichtblick sei es, dass Kopenhagen die Kontrollen nur vorübergehend und stichprobenartig eingeführt habe. Außerdem begrüßte er es, dass die dänische Regierung die grenzüberschreitend agierenden Verkehrsunternehmen zunächst nicht in die Pflicht nehmen wolle, Reisende zu kontrollieren. Europaministerin Anke Spoorendonk (SSW) hofft, dass die Kontrollen "auch wirklich so kurzfristig laufen werden, wie sie angedacht sind". Sollten sich die Kontrollen über eine längere Zeit hinziehen, "dann sehe ich schon, dass dadurch dann auch der Alltag in der deutsch-dänischen Grenzregion beeinträchtigt wird".

Ziel: Zahl der Flüchtlinge eindämmen

In Schweden überprüfen Verkehrsunternehmen jeden Passagier in Zügen, Bussen und auf Fähren. Die Maßnahme hatte die Regierung in Stockholm ergriffen, um die hohe Zahl der Flüchtlinge einzudämmen. Bereits Mitte Dezember hatte Schweden beschlossen, dass sogar Mitarbeiter in Bussen, Bahnen und Fähren über den Öresund vorübergehend verpflichtet werden können, die Pässe der Reisenden zu kontrollieren. Die staatliche schwedische Eisenbahn hatte daraufhin angekündigt, den Verkehr von Dänemark nach Schweden dann vorübergehend einzustellen. Stichprobenartige Grenzkontrollen gibt es in Schweden bereits seit dem 12. November.

Weitere Informationen

Schwedische Bahn will Personenverkehr stoppen

Weil sie sich nicht in der Lage sieht, die Pässe aller Passagiere zu überprüfen, will die Schwedische Bahn den Personenverkehr ins Land vorübergehend einstellen. (22.12.2015) mehr