Stand: 14.03.2016 11:10 Uhr

Dänemark: Minderheit wirbt für deutsche Schilder

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In Flensburg mittlerweile sebstverständlich, in Dänemark sehr umstritten: zweisprachige Ortsschilder.

Tondern oder Tønder, Schleswig oder Slesvig: Nördlich der deutsch-dänischen Grenze ist der Streit um Ortsschilder neu entfacht. Der dänische Verkehrsminister Hans Christian Schmidt hatte Anfang März angekündigt, die Kommunen sollten selbst bestimmen, ob sie auch deutsche Schilder aufstellen wollten. "Es ist reine Symbolpolitik, und ich kann keinen Sinn darin erkennen", sagte Apenrades (Aabenraas) rechtsliberaler Bürgermeister Thomas Andresen. Auch Hinrich Jürgensen, Hauptvorsitzender des Bundes Deutscher Nordschleswiger (BDN), spricht von Symbolpolitik, findet diese aber wichtig: "Einsprachige Ortsschilder sind auch Symbole", sagte er. "Ein zweisprachiges Schild ist ein Symbol für Toleranz und Offenheit und dass man die jeweils andere Seite der Grenze willkommen heißt."

Vandalismus beendet ersten Versuch mit deutschsprachigem Schild

Wer südlich der Grenze in Flensburg ankommt, wird bereits am Ortseingang schon längst auch in der Sprache der dänischen Minderheit (Flensborg) begrüßt. Dagegen stand das erste zweisprachige Ortsschild auf dänischer Seite nur wenige Tage. Haderslebens (Haderslevs) Bürgermeister Hans Peter Geil hatte es im Frühjahr 2015 aufstellen lassen - heimlich und als Experiment, wie er später sagte. Unbekannte rissen das Schild jedoch nach knapp zwei Wochen aus dem Boden und warfen es über einen Zaun. Pläne für einen neuen Versuch gibt es laut einem Stadtsprecher nicht.

Belastetes Verhältnis

Vorbehalte bei unseren Nachbarn haben insbesondere Anhänger der rechtspopulistischen Dänischen Volkspartei. Mit der Niederlage im deutsch-dänischen Krieg 1864 schrumpfte die einst bedeutende Mittelmacht im Ostseeraum erheblich. Im Bewustsein der Dänen unvergessen ist die Besetzung des Landes durch die Nazis 1940.

Kommunen meiden das Thema noch

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Nördlich der Grenze sind die Ortsnamen bislang nur auf dänisch zu lesen.

Dass Kopenhagen den Kommunen bei Ortsschildern nun freie Hand lässt, freut Minderheiten-Vertreter Jürgensen: "Es zeigt, dass die Politiker im Folketing nichts dagegen haben. Wenn die Entscheidung auf Christiansborg in Kopenhagen fallen würde, wären wir uns längst einig", sagte er. Nun könne Kopenhagen nicht mehr als Ausrede dienen und Süddänemark müsse sich öffnen - auch als Zeichen für die zahlreichen deutschen Touristen. Doch keine der vier südjütländischen Kommunen hat das Thema bislang wieder aufgegriffen. Ein Sprecher der schleswig-holsteinischen Landesregierung sagte, "nördlich der Grenze reagieren die zuständigen Bürgermeister leider noch sehr zurückhaltend".

Diskussion wird sachlicher

So will Apenrades Bürgermeister Andresen lieber prüfen, "ob das Geld nicht besser für andere Dinge verwendet werden sollte" als für deutsche Ortsschilder. "Schmidts Aussage heißt noch längst nicht, dass es dafür zusätzliches Geld gibt", erklärte Andresen. BDN-Mann Jürgensen wirbt seit 2008 für zweisprachige Schilder und findet, dass die Diskussion mittlerweile sachlicher verläuft. "Damals gab es außer jeder Menge Leserbriefe auch Briefe, bei denen ich froh war, dass ich sie geöffnet habe und nicht meine Kinder", sagte Jürgensen. Und sollten sich die zweisprachigen Schilder in Dänemark eines Tages tatsächlich durchsetzen, ist sich der Deutsche mit dem dänischen Pass sicher: "Natürlich werden sie auch beschmiert werden."

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