Stand: 17.02.2016 19:41 Uhr

CDU: WhatsApp-Nachricht mit Beigeschmack

Es rumort in der schleswig-holsteinischen CDU. Im Wahlkreis Dithmarschen-Schleswig hatte sich der Bürgermeister von Erfde, Thomas Klömmer, vergangene Woche gegen die stellvertretende Landesvorsitzende Heike Franzen durchgesetzt. Die langjährige Abgeordnete und Bildungsexpertin der CDU kann in dem Wahlkreis nicht kandidieren und scheidet möglicherweise aus. Das könnte dazu führen, dass die Nord-CDU ab 2017 nur mit drei Frauen im Landtag vertreten sein wird. Thomas Klömmer wurde unter anderem von 80 Neu-Mitgliedern der CDU gewählt, die er persönlich zuvor angeworben hatte.

Klömmer: Vorübergehend in die CDU eintreten

Eine jetzt bekannt gewordene WhatsApp-Nachricht heizt die Debatte weiter an. In dieser Nachricht, die der Schleswig-Holsteinische Zeitungsverlag veröffentlicht hat, bittet Klömmer um Unterstützung:

"Ich möchte am 11.2. im Pahlazzo innerhalb der CDU mich um den Landtagswahlkreis bewerben und benötige dringend noch Unterstützung da ich zwei starke Gegenkandidaten habe! Könntet ihr euch vorstellen mich da abends zu unterstützen? Allerdings müsstet ihr zumindest vorübergehend in die CDU eintreten!"

Arp: Mindestens Vierteljahr Mitglied

"Das ist nicht in Ordnung", kommentiert der parlamentarische Geschäftsführer der CDU-Fraktion, Hans-Jörn Arp. CDU-Fraktionschef Daniel Günther wirft dem Erfder Bürgermeister vor, die partei-internen Spielregeln verletzt zu haben. "Wenn man Mitglieder aktiv wirbt und ihnen danach im Prinzip empfiehlt, aus der CDU wieder auszutreten, wenn sie ihren Dienst geleistet haben, das ist eine Art von Kommunikation, die in der CDU eigentlich nichts zu suchen hat", sagt er. Arp und Günther denken nun über eine Karenzzeit nach, also eine Mindestmitgliedschaft, bis Mitglieder an Personalentscheidungen mitwirken darf. "Für die Teilnahme an Wahlen sollte jeder mindestens ein Vierteljahr CDU-Mitglied sein", schlug Arp vor.

Liebing: Mitgliederprinzip wichtig

"Wir werden jetzt in Ruhe prüfen, ob unsere Satzung ausreichend Vorkehrungen vorsieht, das gewollte Mitgliederprinzip nicht zu missbrauchen", sagte auch CDU-Parteichef Ingbert Liebing. Er betonte aber auch, dass der CDU das Mitgliederprinzip wichtig sei. Der Wunsch nach einer breiten Mitgliederbeteiligung dürfte nicht diskreditiert werden. "In keiner anderen Partei in Schleswig-Holstein entscheiden so viele Mitglieder über die Direktkandidaten mit."

Dankeschön-Abend

Klömmer erklärte am Mittwoch schriftlich, er wolle die neuen Mitglieder aktiv und dauerhaft in die Arbeit einbinden. "Die 80 Neu-Mitglieder im Bezirksverband Stapelholm sind dabei nicht alle durch mich persönlich, sondern auch durch die Ortsvorsitzenden und andere Mitglieder der CDU direkt geworben worden." Für kommenden Sonnabend hat der frisch gewählte Wahlkreiskandidat seine Anhänger zu einem Dankeschön-Abend eingeladen.

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Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Magazin | 17.02.2016 | 19:30 Uhr