Stand: 13.02.2016 10:31 Uhr

CDU-Politikerin scheitert an der eigenen Basis

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Sie ist die Fachfrau der CDU für Bildungsthemen: Heike Franzen.

Diese Nachricht sorgt in der schleswig-holsteinischen Politik für großes Aufsehen: Heike Franzen, die bildungspolitische Sprecherin der CDU-Landtagsfraktion und stellvertretende Landesvorsitzende, wird nicht als Direktkandidatin ihrer Partei im Wahlkreis 6 (Schleswig-Dithmarschen) bei der Landtagswahl 2017 antreten. Sie unterlag in einer Kampfabstimmung gegen zwei weitere Kandidaten deutlich - schon im ersten Wahlgang. Damit ist es unwahrscheinlich, dass sie dem nächsten Parlament angehören wird. Denn die aktuelle CDU-Fraktion besteht nur aus Direktkandidaten, das heißt ohne Listenplatz-Bewerber. Nach dem Scheitern Franzens befürchtet die Landes-CDU jetzt ein Image-Problem vor allem bei Frauen.

Franzen kündigt Auszeit an

"Solche Ergebnisse gehören zur Demokratie dazu, aber natürlich bin ich geschockt und enttäuscht", sagte Franzen, die 2005 in den Landtag kam und 2009 direkt gewählt wurde. Ihr damaliger Wahlkreis Schleswig-Nord wurde bei der jüngsten Reform aufgelöst - deshalb musste sie sich einer anderen Wahlkreis-Mitgliederversammlung präsentieren als zuvor. Nach ihrer Niederlage bei der Abstimmung von rund 500 CDU-Mitgliedern erklärte Franzen, sie werde jetzt erst einmal eine Auszeit nehmen und mit ihrer Familie und Freunden beraten, wie es weitergeht.

Kommentar

Franzens Pleite ist ein Fehlstart für die CDU

Die CDU-Politikerin Franzen ist bei der Nominierung in ihrem Wahlkreis durchgefallen. Für die Partei sollte das ein ernstzunehmender Weckruf sein, meint NDR Redakteur Stefan Böhnke. mehr

Günther: "Das Signal ist verheerend"

Aufmunternde Worte kamen noch am selben Abend unter anderem von CDU-Fraktionschef Daniel Günther, der zeitgleich in Gettorf als Direktkandidat für den Wahlkreis Eckernförde nominiert wurde. Er kommentierte auf Franzens Facebook-Seite und berichtete von "geschockten Gesichtern im ganzen Saal". Günther schrieb wörtlich: "Hier weiß jeder Deine tolle Arbeit für Bildung und Menschen mit Behinderungen zu schätzen, wir brauchen auch in Zukunft Deinen Sachverstand!" Nach Franzens Niederlage befürchtet Günther böse Folgen: "Das Signal an Frauen in und außerhalb unserer Partei ist verheerend."

CDU Landeschef Ingbert Liebing kündigte an, sich dafür einsetzen zu wollen, dass Franzen einen der vorderen Listenplätze erhält. Diese waren bislang meist den Direktkandidaten vorbehalten.

Franzen hatte die Unterstützung ihres Kreisvorstands

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CDU-Landesgeschäftsführer Axel Bernstein will Franzen weiter einbinden in die Fraktionsarbeit.

Auch CDU-Landesgeschäftsführer Axel Bernstein bedauerte die Schlappe. Franzen sei eine sehr profilierte Bildungspolitikerin. "Ich würde mich sehr freuen, wenn wir einen Weg finden, sie einzubinden in die Arbeit der Landtagsfraktion." Über die Gründe für das Wahlergebnis könne man nur spekulieren, erklärte der CDU-Kreisvorsitzende für Schleswig-Flensburg, Johannes Callsen. Er betonte, der Kreisvorstand habe sich im Sommer einmütig hinter die Kandidatur Franzens gestellt. "Möglicherweise lag es an der Mobilisierung der jeweiligen Anhänger der Kandidaten, an der bildungspolitischen Kompetenz von Heike Franzen lag es ganz sicher nicht."

Partei will attraktiver für Frauen werden

Die aktuelle CDU-Landtagsfraktion besteht aus 22 Abgeordneten - Franzen ist eine von nur fünf Frauen. Dabei nehmen sich die Parteitagsdelegierten immer wieder vor, die CDU für Frauen attraktiver zu machen - doch nicht die Delegierten, sondern die Parteibasis entscheidet über den jeweiligen Direktkandidaten.

Frauen Union fordert Quote

Katja Rathje-Hoffmann, selbst Abgeordnete und Vorsitzende der Frauen Union, nannte die Entscheidung gegen Franzen unverständlich. "Alle reden davon, Frauen zu unterstützen und mehr Frauen in die Parlamente zu bringen, jedoch wird - wie in diesem Fall - nicht danach gehandelt", kritisierte Rathje-Hoffmann. Sie erwarte von der CDU Schleswig-Holstein eine verbindliche Quote von mindestens einem Drittel Frauen auf allen Listen durchzusetzen.

Sieger brachte 80 neue Mitglieder mit

Die Abstimmung auf der Wahlkreismitgliederversammlung in der Eiderlandhalle in Pahlen gewann statt Franzen der 33-jährige Thomas Klömmer. Er ist ehrenamtlicher Bürgermeister von Erfde (Kreis Schleswig-Flensburg) und Geschäftsführer der CDU Mittelstandsvereinigung. Vor der Wahl hatte er 80 neue Mitglieder geworben - die wählten Klömmer auf der Versammlung offenbar auch.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 12.02.2016 | 17:00 Uhr