Stand: 04.03.2016 18:52 Uhr

Brandanschlag auf Flüchtlingswohnung in Schleswig

Die Brandstifter kamen in der Dunkelheit: Es war am Donnerstagabend gegen 22:40 Uhr, als laut Polizei zwei Unbekannte einen Brandanschlag auf ein Mehrfamilienhaus in der Schleswiger Bahnhofstraße verübt haben. Nach ersten Erkenntnissen kippten die Täter eine brennbare Flüssigkeit auf eine Fensterscheibe im Erdgeschoss und zündeten sie an. Im Erdgeschoss wohnt eine Flüchtlingsfamilie aus Syrien.

Familie kann Feuer selbst löschen

Die syrische Familie hielt sich zum Zeitpunkt des Anschlags hinter der Scheibe auf. Dort liegt das Wohnzimmer. Gemeinsam mit Verwandten aß sie gerade zu Abend, als sie die Flüssigkeit bemerkte. "Als sie rauskamen sahen sie kleine Flammen am Fenster und zwei Personen wegrennen - Richtung Husumer Baum", sagte Polizeisprecherin Franziska Jurga am Freitag. Die Bewohner konnten die Flammen mit einer Decke löschen. Durch das Feuer wurde niemand verletzt. Aufgrund der Aufregung innerhalb der Wohnung stürzte jedoch ein Kleinkind und zog sich dabei Schürfwunden zu. Am Fenster entstand nur geringer Sachschaden.

"Das hat Schleswig nicht verdient"

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Unbekannte schütteten eine brennbare Flüssigkeit gegen das Fenster.

"Dieser Anschlag macht uns außerordentlich betroffen", sagte Stadtsprecherin Antje Wendt. "Trotzdem oder gerade deshalb werden wir an unserem integrativ ausgerichteten Konzept der Willkommenskultur festhalten." Schleswig bleibe eine Stadt der Hilfsbereitschaft und Offenheit. Noch am Donnerstagabend habe es ein fröhliches, gemeinsames Fest mit Flüchtlingen im betroffenen Stadtteil Friedrichsberg gegeben, so Wendt. Schleswigs Bürgermeister Arthur Christiansen (parteilos) sprach von einem "Anschlag gegen die Zivilgesellschaft" und betonte: "Das hat Schleswig nicht verdient."

Fahndung nach Tätern

Von den Brandstiftern fehlt bislang jede Spur. Sie flüchteten nach der Tat. Die Polizei sucht jetzt nach zwei jüngeren Männern. Sie sollen etwa 1,70 Meter groß sein. Einer der beiden soll einen Bart getragen haben. Bekleidet waren die beiden Personen mit einer dunklen Jacke beziehungsweise einem grünen Kapuzenpullover. Die Kriminalpolizei bittet um Hinweise. Jugendliche sollen bereits mehrfach gegen Fenster geschlagen, gepöbelt und auch einen Böller in die Wohnung geworfen haben, wie eine Polizeisprecherin sagte.

Am Freitagnachmittag versuchten Beamten mit einem Spürhund den Fluchtweg der Täter zu rekonstruieren. Ermittler befragten mit Dolmetschern die syrische Familie, die seit Ende November in der Wohnung lebt.

Staatsschutz und LKA-Experten im Einsatz

Die Abteilung Staatsschutz bei der Flensburger Bezirkskriminalinspektion hat die Ermittlungen übernommen. Unterstützung bekommen die Beamten dabei von Experten des Landeskriminalamtes. "Für die Kriminalpolizei ist es wichtig, wie viel Flüssigkeit aufgebraucht wurde und ob das überhaupt dazu hätte führen können, dass jemand verletzt werden könnte. Im Moment ermitteln wir in Richtung schwere Brandstiftung", sagte Polizeisprecherin Jurga. Die Sachverständigen sollen klären, ob der Anschlag möglicherweise auch das gesamte Mehrfamilienhaus hätte in Brand setzen können. Die Beurteilung der Experten dürfte für die spätere strafrechtliche Bewertung der Tat von Bedeutung sein.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 04.03.2016 | 17:00 Uhr