Stand: 16.03.2016 14:04 Uhr

Bewährungsstrafe für ehemaligen NDR Redakteur

Das Landgericht Kiel hat am Mittwoch einen ehemaligen Redakteur des Norddeutschen Rundfunks (NDR) wegen Bestechlichkeit in 77 Fällen zu einer Bewährungsstrafe von zwei Jahren Haft verurteilt. Zudem müssen der 62-Jährige und seine Frau rund 160.000 Euro an die Landeskasse zahlen. Der ehemalige Redakteur hatte vor seiner Kündigung im Jahr 2010 unangemeldet im Nebenberuf als Medienberater gearbeitet. Der Vorsitzende Richter sagte, er habe Firmen und Verbänden vorgetäuscht, er könne ihnen Sendezeiten beschaffen und ihre Themen ins Programm heben.

Nach Angaben des Richters schloss der 62-Jährige unter anderem mit der Deutschen Bahn und dem Bauernverband Verträge, die allerdings von seiner Frau unterzeichnet wurden. Auf diese Weise kassierte er monatlich zwischen 500 und 5.000 Euro.

Richter: "Krass falsche" Angaben gemacht

Der Richter sprach von einem besonders schweren Fall der Bestechlichkeit, der sich der Redakteur als Amtsträger des öffentlich-rechtlichen Rundfunks schuldig gemacht habe. Er habe gewusst, dass der NDR als öffentlich-rechtlicher Sender einen Versorgungsauftrag habe und der Neutralität verpflichtet sei. Die jahrelangen Nebentätigkeiten des Angeklagten waren laut Urteil nicht vom NDR genehmigt. Der 62-Jährige machte seinem Arbeitgeber demnach dazu "krass falsche" Angaben. Mit seiner Nebenbeschäftigung verdiente der ehemalige Redakteur laut Urteil zwischen 2005 und 2010 366.000 Euro brutto.

Geständnis wirkte strafmildernd aus

Der 62-Jährige hatte vor Gericht ein umfassendes Geständnis abgelegt. Mit dem Urteil folgte das Gericht weitgehend dem Antrag des Staatsanwalts. Strafmildernd wertete die Kammer unter anderem, dass der Angeklagte voll geständig war - wenn auch im Rahmen eines Deals zwischen Gericht, Ankläger und Verteidigerin.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 16.03.2016 | 14:00 Uhr