Stand: 05.02.2016 18:00 Uhr

Bewährungsstrafe für Ex-Finanzchef von Klinik

Es ist ein mildes Urteil, das das Landgericht am Freitag gegen den ehemaligen Finanzchef einer Kieler Klinik verhängt hat: zwei Jahre auf Bewährung. Jahrelang hatte der heute 64-Jährige Klinikgelder auf private Konten überwiesen - in insgesamt 82 Fällen der Untreue sprach ihn das Gericht schuldig. Einer Gutachterin zufolge hat der Angeklagte hirnorganische Schäden als Vorstufe zur Demenz. Seine Steuerungsfähigkeit sei dadurch wohl erheblich gemindert. Weil er außerdem ein Geständnis abgelegt hat und für den Schaden aufkommen muss, ließen die Richter Milde walten. Der Haftbefehl wurde aufgehoben, er kommt aus der Untersuchungshaft frei.

Kollegin bemerkt unrechtmäßige Überweisungen

Der Mann hatte am Dienstag gestanden, bei seinem Arbeitgeber "einen hohen sechsstelligen Betrag" veruntreut zu haben. In seinem vom Blatt abgelesenen Geständnis sagte der Angeklagte, er habe Kollegen mehrfach Hinweise gegeben, in der Hoffnung, dass man ihn stoppen würde. Doch er flog erst im Juli 2015 auf, als einer Kollegin die unrechtmäßigen Überweisungen auffielen. Die Staatsanwältin sprach von mehr als einer Million Euro, die der 64-Jährige von 2010 bis 2015 auf eigene Konten und Konten für seine beiden Söhne überwiesen hat. Sie listete vor dem Kieler Landgericht 91 Fälle auf. Der Angeklagte sagte, er habe "die Taten begangen, ohne wenn und aber". Sie seien ihm aber wie die eines Fremden vorgekommen. Nach seinen Angaben will er den Schaden mit Unterstützung seiner Söhne weitgehend wieder gutmachen. 750.000 Euro habe er bereits in einem Vergleich vor dem Zivilgericht anerkannt, mehr als 70.000 Euro seien zurückgezahlt. Rentenansprüche und Guthaben habe er abgetreten.

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Geständnis in Kiel: Klinikgelder veruntreut

Der Ex-Finanzchef einer Kieler Klinik soll mehr als eine Million Euro veruntreut haben. Laut Anklage hat er jahrelang Geld auf private Konten überwiesen - und niemand hat es bemerkt. (2.2.2016) mehr